Ministerin Puttrich an Dreieichschule

Entschlossen pro Europa

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Schüler, Lehrer und Politiker im Gespräch (von links): Stefan Trier, Kira Möller-Westmann, Staatsministerin Lucia Puttrich, Mahlet Tadesse, Jörg Couturier, Schulleiterin Heidi Höreth-Müller und Dr. Volker Stürzer vom Schulamt.

Langen - „Wir sind mittlerweile in der Ausrichtung solcher Veranstaltungen eingespielt“, sagt Politiklehrer Jörg Couturier lachend. An der Dreieichschule stand die Politik in den vergangenen Tagen an erster Stelle. Von Timo Kurth 

Nachdem erst Altbundespräsident Christian Wulff auf der Couch des Politischen Salons des Gymnasiums Platz nahm, besuchte auch noch die hessische Europaministerin Lucia Puttrich die Schule. Im Zuge des EU-Projekttages, der vor elf Jahren entstanden ist, diskutieren Politiker bundesweit mit Schülern über die Zukunft Europas.

„Wer könnten die besseren Botschafter für Europa sein als junge Leute wie Sie?“, fragt die Ministerin in den vollbesetzen Saal. „Denn Sie lernen viel darüber, wie die Europäische Union entstanden ist. Doch die eigentlich entscheidende Frage ist: Wie geht es weiter?“ Puttrich macht keinen Hehl daraus, dass sich Europa in Punkten wie Migration und Schulden in der Einigkeit schwertue. „Wir sind mittlerweile 28 eigenständige Staaten. Da ist Einigung schon schwieriger als im kleinen Kreis von sechs Gründungsländern.“ Doch bei allen Unstimmigkeiten sei man sich einig, dass die Union gerade in unsicheren Zeiten ein Garant von Stabilität sei. „Mein Opa kämpfte in blutigen Kriegen gegen Franzosen. Was für eine Errungenschaft, dass solche Kriege zwischen Europäern mittlerweile ausgeschlossen sind“, sagt die CDU-Politikerin.

Dass Europa für die Dreieichschule seit Jahren eine Herzensangelegenheit ist, beweist die lange Liste von Projekten der DSL, die Schülerin Mahlet Tadesse in einer Präsentation vorstellt. Planspiele, Europafahrten und 20 politische Salons wurden ausgerichtet. „,Wir (er)leben Europa!‘ ist ein Motto, das an dieser Schule wirklich seine Berechtigung hat“, lobt Europaministerin Lucia Puttrich den Titel der Veranstaltung.

Bilder: Schuldemo an Dreieichschule

Kira Möller-Westman (elfte Klasse), hält für die Politikerin noch einmal ihre flammende Rede für das europäische Projekt, mit der sie dieses Jahr den Bundessieg beim Europäischen Wettbewerb eingestrichen hat. „Ich bin ein Kind der EU. Mein Vater ist Brite. Seit vergangenem Jahr sitzt meine Familie zwischen den Stühlen“, berichtet sie betroffen über den Brexit. Für sie wird es endlich wieder Zeit, das Gemeinsame in der Staatengemeinschaft zu betonen. Es müsse aufhören, dass Brüssel für viele Politiker als Sündenbock hinhalte und egoistische Interessen vor dem großen Ganzen stehen. Tendenzen, die Kira Möller-Westman auch bei deutschen Verantwortlichen sieht. „Deutschland, wo sind deine hochgesteckten Ziele im Umweltschutz, wenn es um den Schutz deutscher Oberklasse-Fahrzeuge geht?“, fragt sie rhetorisch. Auch populistische Parteien in Europa sind der Schülerin ein Dorn im Auge. „Sie wollen uns weißmachen, dass Europa eine Last sei. Dabei haben sie keine Beweise und noch weniger Antworten.“ Freizügigkeit, Demokratie und Sicherheit sind für die junge Rednerin Teile einer europäischen Erfolgsgeschichte, die es herauszustellen gilt. „Europa ist längst unsere Lebenswirklichkeit und in unserem Alltag. Und wir haben es in der Hand, diese Wirklichkeit zu verteidigen.“, appelliert sie an ihre Mitschüler und erhält dafür tosenden Applaus.

In der Diskussion zeigt sich auch Puttrich begeistert von so viel europäischer Euphorie. „Ich merke immer wieder, dass Europa für Jugendliche nicht nur gesenkte Roaming-Kosten bedeutet. Viel wichtiger ist, dass sie in einer Gesellschaft voller Entfaltungsmöglichkeiten groß werden – über Grenzen hinweg“, so die Ministerin. „Das Bittere in Großbritannien ist doch, dass die alten Wähler den Jungen ein Stück Zukunft verbaut haben.“ Sie mahnt deshalb zur Vorsicht. „Der Brexit ist ein Warnschuss für alle jungen Leute. Wer nicht zur Wahl geht, stärkt die Falschen“, ruft sie entschlossen ins Gedächtnis.

„Die Mehrheit der Jugendlichen bei uns ist proeuropäisch, offen und tolerant gegenüber anderen Kulturen. Am Langener Beispiel sieht man, dass immer mehr Jugendliche die älteren Generationen zu überzeugen versuchen, dass wir an der EU festhalten müssen“, fasst Puttrich ihre Eindrücke zusammen.

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