ZDF-Meteorologe referiert über Klimawandel

Erschreckende (Wetter-)Aussichten

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„Am Ende des Jahrhunderts wird es hier 50 Tage mit über 30 Grad geben – 30 mehr als zurzeit“, sagt Wetterfachmann Dr. Gunther Tiersch. In der Stadthalle referierte er über den Klimawandel und das, was er anrichtet.

Langen - Der Klimawandel ist Realität. Er ist nicht von den Chinesen erfunden, sondern vom Menschen gemacht. Und er wird gravierende Folgen haben für die Welt, für Europa, für Deutschland, für Langen. Ein paar davon skizzierte ZDF-Chefmeteorologe Dr. Gunther Tiersch bei einem Vortrag in der Stadthalle. Von Markus Schaible 

„Vielen Dank für diesen furchtbaren Vortrag“, sagt eine Zuhörerin, nachdem Dr. Gunther Tiersch geendet hat. Eigentlich nicht gerade eine Aussage, die ein Referent hören möchte, in diesem Fall aber passend, denn es bezieht sich auf das, was der Meteorologe in den vorangegangenen 90 Minuten skizziert hat. Und das waren wahrlich furchtbare Aussichten. Normalerweise kennt man ihn vom Fernsehschirm (vor einer Wetterkarte), an diesem Abend steht Tiersch vor einer Leinwand, auf der abwechselnd Grafiken und unerfreuliche Bilder zu sehen sind. Nach Langen gekommen ist der ZDF-Mann auf Einladung der Grünen, um über ein Thema zu sprechen, das bei der Ökopartei hohe Priorität hat: der Klimawandel. Auf dem Weg in die Stadthalle sei er ein bisschen mit den Jahreszeiten durcheinander gekommen, eröffnet Tiersch: „Im Wald zwischen Mörfelden und Langen dachte ich, es ist schon Anfang November.“ Um gleich nachzulegen: „Zwei bis drei solcher Sommer hintereinander werden unsere Laubbäume nicht überstehen.“

Schlaglichtartig skizziert der Wettermann die Fakten und die Folgen. Seit 1980 gab es weltweit kein Jahr, das kälter war als der langjährige Mittelwert seit Ende des 19. Jahrhunderts. Und es wird immer wärmer – wobei der Temperaturanstieg in Deutschland über dem weltweiten liegt. „Wir kommen so langsam ins südliche Frankreich“, verdeutlicht Tiersch, „was ja manche vielleicht gar nicht so schlecht finden.“ Doch bei den Folgen, die er aufzeigt, bleibt den mehreren dutzend Zuhörern das Lachen im Halse stecken.

Einige Beispiele, die der Meteorologe parat hat: Das Abtauen des arktischen Eises lässt nicht nur den Meeresspiegel ansteigen, sondern es schwächt auch den Westwind in Europa; es kommt vermehrt zu Nord-/Südströmungen und dadurch zu lang anhaltenden Extremwetterlagen. Das Auftauen der Permafrostböden in den Alpen löst Felsstürze aus. Insekten wie die Tigermücke breiten sich hierzulande aus – die ist zwar nicht groß wie ein Tiger, aber sehr aggressiv und vor allem Überträgerin tödlicher Krankheiten wie dem Dengue-Fieber.

Deutschland ächzt weiter unter der Hitze

Hinterher wird kontrovers diskutiert: „Wir konzentrieren uns nur auf das Verhindern, das ist ein Fehler“, findet ein Zuhörer. Vielmehr solle man zusätzlich über eine Anpassung an die Veränderungen nachdenken. Was Städte wie Langen denn tun können, um mit dem Klimawandel zurechtzukommen, will Grünenpolitiker Jens Duffner wissen. Parks senken die Temperatur in der Stadt, antwortet Tiersch – „aber nur in einem Umkreis von 30 oder 40 Metern.“ Ein Patentrezept hat er nicht. Man könne zwar auch im Kleinen was tun und sein Verhalten ändern. Aber wirklich helfe nur: „Wir müssen international handeln. Die Welt muss reagieren, nicht nur wir.“

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