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Erste-Hilfe-Kurs trotz Pandemie: Tagesmütter aus Langen kritisieren Jugendamt

Reanimationstraining bei einem Erste-Hilfe-Kurs
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Gerade bei der Arbeit mit Kindern sind regelmäßige Erste-Hilfe-Kurse wichtig. Die funktionieren aber nur mit praktischen Übungen. (Symbolbild)

Für ihre Pflegeerlaubnis müssen Tagesmütter und -väter alle 24 Monate einen Erste-Hilfe-Auffrischungskurs machen - auch jetzt, trotz der Corona-Pandemie. Der Elternservice des ZenJA kritisiert das.

Langen – Stabile Seitenlage, Blutungen verarzten – und im äußersten Notfall sogar Reanimation durch Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzdruckmassage. Dinge, die jeder aus dem Erste-Hilfe-Kurs kennt. Und die sich eigentlich nur anhand praktischer Übungen so richtig vermitteln lassen. Per Videokonferenz ist das eher schwierig.

Genau diese Gemengelage sorgt nun für Streit zwischen dem Elternservice des Zentrums für Jung und Alt und dem Kreisjugendamt. Das ZenJA hat sich deshalb mit einem anderthalb Seiten langen Schreiben an die Öffentlichkeit gewandt, in der die Tagesmütter und -väter den Kreis scharf kritisieren. Das Kreisjugendamt habe die Tagespflegepersonen nämlich aufgefordert, trotz der Corona-Pandemie „den nächstmöglichen Auffrischungskurs für Erste Hilfe am Kind irgendwo im Rhein-Main-Gebiet wahrzunehmen“, berichtet der Elternservice. Den Betroffenen sei mitgeteilt worden, sie würden sonst ihre Pflegeerlaubnis gefährden.

„Wie kann es sein, dass Tagespflegepersonen, die seit Monaten alles tun, um ihr Betreuungsangebot unter erschwerten Bedingungen aufrecht zu erhalten, derartig unter existenziellen Druck gesetzt werden, obwohl wir alternative Lösungen angeboten haben?“, fragt Sarah Bock, die das Fortbildungsprogramm im Elternservice organisiert. „Da bittet die Landesregierung nachdrücklich darum, persönliche und berufliche Kontakte auf ein absolutes Minimum zu beschränken, aber das Jugendamt besteht auf dem Besuch von Fortbildungen, die ohne Weiteres auch noch später stattfinden könnten.“

Der Elternservice, der für Tagespflegepersonen aus Langen, Dreieich und Egelsbach Angebote wie „Erste Hilfe am Kind“ organisiert, hatte für Februar einen entsprechenden Kurs im Programm. Dieser sei komplett ausgebucht gewesen, als der Lockdown verlängert wurde, teilt das ZenJA mit. Mit dem Verschieben des Termins in den März sei es nun jedoch einigen Tagespflegepersonen nicht mehr möglich, die vorgeschriebene Auffrischungsfrist von 24 Monaten einzuhalten. Zwar räume die Unfallkasse Hessen eine etwas kulantere Frist von 30 Monaten ein, das Kreisjugendamt beharre jedoch darauf, dass dies nicht für die Aufrechterhaltung der Pflegeerlaubnis gelten könne, schreibt der Elternservice aus Langen – „zum Entsetzen der betroffenen Tagespflegepersonen.“

Der Elternservice hatte auch den Vorschlag unterbreitet, den theoretischen Teil im Februar online und den praktischen Teil im März durchzuführen. Auch das sei „als nicht genehmigungsfähig abgelehnt“ worden. Das Kreisjugendamt habe darauf verwiesen, dass es schließlich noch andere Anbieter gebe, die Präsenzkurse offerieren.

„Ich habe die Liste abtelefoniert“, berichtet Sarah Bock, die als nebenberufliche Tagesmutter selbst betroffen ist. Alle Angebote seien entweder abgesagt, ausgebucht, überfüllt oder verschoben gewesen. „Ich hätte bei einem Kurs teilnehmen können, bei dem bereits 28 Personen angemeldet waren“, erzählt sie. „Ein absolutes Unding in diesen Zeiten.“

Bock schlug vor, dass die angemeldeten Tagespflegepersonen im März den Präsenzkurs im ZenJA absolvieren und bat darum, die dadurch überschrittenen Fristen nicht zum Nachteil der Betroffenen zu werten. Eine Jugendamtsmitarbeiterin habe aber weiter auf das Einhalten der Frist bestanden. Die Tagespflegepersonen sollten „nicht auf den Kurs im ZenJA warten, sondern aktiv werden, um einen Kurs früher besuchen zu können“. Ihnen sollte es „als Selbstständige möglich sein, sich um einen Erste-Hilfe-Kurs außerhalb von Langen kümmern zu können“, zitiert Bock aus der Antwort des Jugendamts.

Die ZenJA-Mitarbeiterin hat dafür kein Verständnis: „Angesichts der Tatsache, dass Tagesmütter und -väter große Einschränkungen, Belastungen und Risiken auf sich nehmen, um weiter für Tageskinder und Eltern da zu sein, hätten sie Unterstützung, Entgegenkommen und Dank verdient statt drohendes Beharren auf Regeln aus der Vor-Corona-Zeit“, meint Bock.

Auf Nachfrage unserer Redaktion formuliert der Kreis Offenbach das Ganze jedoch etwas weniger drastisch. „Niemandem wird die Pflegeerlaubnis entzogen, wenn er keinen Erste-Hilfe-Kurs belegt“, betont Sprecherin Ursula Luh. Es werde aber „aus fachlichen Gründen“ darauf hingewiesen, „dass zeitnah eine Auffrischung erfolgen sollte“. Die Auffrischung solle „in der Regel alle zwei Jahre“ gemacht werden, sagt Luh. Es gebe jedoch keine Ausschlussfrist. Zu den vollen Kursen heißt es vom Kreis, dass auch diese ein Hygienekonzept mit Abstandsregelungen vorlegen müssten, „auch bei freien Trägern“, so Luh. „Im Hygienekonzept ist definiert, wie viele Personen sich maximal in einem Raum aufhalten dürfen“, so die Sprecherin. „Die Kurse dürften also nicht überfüllt sein.“ (Manuel Schubert)

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