Erster Bildband von Johannes Schreiter

Staunen über Kunstwerke der Natur

Eine Aufnahme des Lower Antelope Canyon bei Page am Lake Powell (US-Staat Arizona) ziert den Titel des Buchs „Mein Staunen“, mit dem sich Glaskünstler Johannes Schreiter erstmals als Fotograf präsentiert.

Langen - Unser Planet ist reich an Kunstwerken, die nicht von Menschenhand geschaffen wurden: Kunstwerke der Natur sind es, die selbst die größten Künstler staunen lassen. Von Markus Schaible 

Professor Johannes Schreiter, Glasmaler, Langener Ehrenbürger und Kulturpreisträger, ist ein Kunstschaffender von Weltruhm. Und auch er hat sich über viele Jahre hinweg immer wieder von der Natur beeindrucken lassen: „Mein Staunen“ heißt nun ein Bildband, mit dem der 86-Jährige sich erstmals als Fotograf präsentiert. „An Ihnen ist ein hervorragender Fotograf verloren gegangen“, zeigte sich Bürgermeister Frieder Gebhardt bei der Buchpräsentation im städtischen Glaskunstmuseum in der Stadthalle beeindruckt. Denn die Fotografie war eigentlich nur Hobby des Künstlers.

Entstanden sind die Aufnahmen von den 1960er bis in die 1990er Jahre, als der Langener anlässlich diverser Lehraufträge und Urlaubsaufenthalte in aller Welt unterwegs war – zum Beispiel im Death Valley in Kalifornien, im Yellowstone- und im Yosemite-Park, in Australien, Neuseeland, aber auch auf Sardinien, Korsika, Kreta oder in Kappadokien in der Türkei. Tausende Kleinbild-Dias lagerten in Schreiters Archiv, bis er sich vergangenes Jahr entschloss, sie nicht nur digitalisieren (und somit vor dem Verfall retten) zu lassen, sondern die besten auch zu veröffentlichen.

Matthias Keim (links) hat die Dias von Professor Johannes Schreiter digitalisiert und für den Druck aufgearbeitet.

Rund 170 Aufnahmen wählte er schließlich für das Buch aus; bei der Langener Firma Keim wurden sie aufwendig für den Druck bearbeitet. „Neun Monate intensiver Arbeit“ habe er in das Projekt investiert, berichtet Schreiter. Der gläubige Christ Johannes Schreiter erkennt in den Großartigkeiten der Natur und in der Vollkommenheit von Kunstwerken „eindeutige Zeichen für die Existenz Gottes“. Ihnen ist der überwiegende Teil des Buches gewidmet. Ein kleiner Teil befasst sich mit der Kultur und dabei auch mit einer Reihe von Denkmälern, die von Menschenhand geschaffen wurden. Der Langener Kunstwissenschaftler und Maler Gunther Sehring, der sich seit Jahren intensiv mit dem Schaffen Schreiters beschäftigt, bezeichnet die Fotos als „teils abstrakt und seriell, teils surreal oder skurril-fantastisch anmutend“. Unwiederbringliche Stimmungen des Augenblicks kontrastierten mit stillen Bildern des Ewigen. Schreiter habe sich die menschheitsbewegende Frage, ob denn jenseits des Endlichen die Kräfte und Schönheiten der sichtbaren Natur ihre Ursache haben, längst selbst beantwortet. Sein begeistertes „Staunen“ im Angesicht der Schöpfung lasse den Betrachter der eigenwilligen Fotoarbeiten auch wohlbekannte Kulturdenkmäler und Naturwunder ganz neu sehen und entdecken.

In einem Vorwort des Buches schreibt der Theologe Dr. Frank Albrecht Uhlhorn: „Hier wie dort sehen wir Muster, Reliefs, Strukturen, Symbole. Glas- und Fotokunst führen untereinander Dialoge, zitieren sich und verweisen auf andere Werke, kopieren und lehnen ab.“ Mit Ausnahme der Vorworte wurde auf Texte verzichtet; die Bilder stehen für sich selbst. Einzig die Orte der Aufnahmen sind vermerkt.

Erschienen ist das Buch im Regensburger Verlag Schnell & Steiner, der seit 2005 bereits sechs Bücher zum Schaffen des Künstlers aufgelegt hat, darunter eine reich bebilderte Darstellung seiner „freien“ Glasbilder und den Doppelband „Wortfenster“ mit einer Auswahl von Schreiter’schen Texten. „Mein Staunen“ ist 160 Seiten stark im Format von 30 mal 30 Zentimetern. Die normale Ausgabe in einer Auflage von gut 500 Exemplaren kostet 49,90 Euro. Zudem gibt es eine Sonderedition (70 Stück) für 98 Euro, der ein von Schreiter handsignierter Kunstdruck beiliegt.

Professor Johannes Schreiter: „Mein Staunen“, zweisprachig (Deutsch/Englisch) ISBN 978-3-7954-3112-9

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