Art-Promenade in der Innenstadt

Fantasievolle Kunst in der Grünanlage

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Bei der Kita am Steinberg konnten Nachwuchskünstler selbst Hand anlegen.

Langen - Ist es der große Bruder, der die Passanten auf Schritt und Tritt mit wachsamem Blick verfolgt? Den Eindruck könnte man fast gewinnen, wenn die Besucher beim Entlangstreifen der Romorantin- und Long-Eaton-Anlage von 160 Augen verfolgt werden. Von Sina Beck 

„Schau mal hin …“ ist das Motto der diesjährigen Art-Promenade, mit der die Künstlergruppe Art People ihre sechste Freiluftausstellung begeht. Es geht also vielmehr um das Beobachten und nicht etwa darum, selbst beobachtet zu werden. Vielleicht fallen manch einem Flaneur auch nicht sofort die Bilderrahmen in und an den Bäumen auf, obwohl sie durch das strahlende Pink förmlich den Blick auf sich lenken. Aber schließlich ziehen auch die ausgestellten Werken von rund 40 Künstlern die Aufmerksamkeit auf sich, denn die Anlage ist am ersten Septemberwochenende wie gewohnt von farbenfrohen Gemälden, außergewöhnlichen Skulpturen und eindrücklichen Fotografien gesäumt.

Während am Sonntag parallel der Langener Markt tobt, geht es am Samstag noch beschaulicher zu. Passend dazu gibt es stimmungsvolle Straßenmusik, unter anderem von Singer und Songwriter Conrad Illgen alias ConRay. Der Gitarrenmusiker trägt seit 2013 regelmäßig zur Atmosphäre der Art-Promenade bei und ist nicht der einzige, der jedes Jahr gerne wiederkehrt. 30 Gastkünstler haben die Art People für ihre sechste Ausstellung unter freiem Himmel gewonnen, darunter Wiederholungstäter wie Wolfgang Keller, der zum dritten Mal seine fantasievoll-bizarren 3-D-Grafiken zeigt.

Eine Premiere ist es hingegen für Barbara Mittmann vom Studio21. Unweigerlich bleibt man bei der Langener Fotografin stehen, weil die Blicke der Porträtaufnahmen einen in den Bann ziehen. „Es ist eine Herzensangelegenheit von mir, diese Menschen zu fotografieren“, so Mittmann, die Momentaufnahmen von Einheimischen auf Bali und Sri Lanka gemacht hat. Ob ein Arbeiter auf dem Feld oder eine Frau am Strand – „es muss ein Draht entstehen, damit es aus der Situation heraus zu diesem Magic Moment wird“, weiß die Fotografin. Dieser Moment zeigt sich dann mal in herzlich lachenden, mal erschöpften Gesichtern, die aber immer eines gemeinsam haben: Sie sind authentisch.

Besucheransturm auf dem Langener Markt: Bilder

Wo bei Mittmann Kunst im Bruchteil einer Sekunde entstehen kann, ist es bei Nadia Antova ein längerer Prozess. Ihre bronzefarbenen Skulpturen aus Lehm entstehen je nach Größe in einem Monat oder aber auch einem Jahr. Der Bulgarin geht es darum, die Schönheit der Natur zu zeigen und festzuhalten, wobei es ihr besonders die Tierwelt angetan hat: Eine pirschende Raubkatze oder ein im Flug befindlicher Vogel – gerade die Bewegungsmuster faszinieren die Künstlerin. „Vorstellungskraft gehört nicht zu meinen Gaben. Ich bevorzuge es, zu beobachten und das abzubilden, was ich sehe“, erklärt Antova – und lebt mit ihrer Beobachtungsgabe förmlich das Motto der diesjährigen Art-Promenade.

Vorbeischauen, hinsehen und entdecken: Die künstlerische Vielfalt, die die Art People und diverse Gastkünstler in der Romorantin- und Long-Eaton-Anlage präsentiert haben, ist auf jeden Fall wieder einen Blick wert gewesen. Und das können 160 Augen bezeugen.

Bilder: Langener Markt und „Art Promenade“

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