Bilder von Hermann Bahner

Faszination Naturmalerei im Stadtmuseum

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Fachsimpeln: Die Heimatkundigen Gerd Grein (links) und Heribert Gött analysieren im Stadtmuseum Altes Rathaus ein Gemälde von Hermann Bahner.

Im Stadtmuseum ist die wohl weltweit größte Ausstellung mit Bildern von Hermann Bahner zu sehen. Nun wurden zur Saisoneröffnung der Sammlung fünf weitere Werke präsentiert.

Langen – Hermann Bahner ist einer der bekanntesten Künstler der Stadt. Ihm zu Ehren präsentiert der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) in Kooperation mit der Volkshochschule etwa 60 Werke des Malers im Museum Altes Rathaus. „Das ist die wahrscheinlich weltweit umfangreichste Sammlung“, sagt der städtische Fachdienstleiter Uwe Sandvoß. Ölgemälde, Tuschzeichnungen, Skizzen und ein Aquarell befinden sich im Besitz der Stadt und verteilen sich auf zwei Etagen und mehrere Räume des Stadtmuseums. Hinzu sind nun fünf Neuanschaffungen aus privatem Besitz gekommen. Darunter ein Ölgemälde (63 mal 48 Zentimeter), welches eine Waldschneise an einem Sommertag zeigt. „Schafe drängen sich halbkreisförmig aneinander und die Bäume recken sich diagonal über das Gemälde“, beschreibt Stadtarchivar Heribert Gött bei der „Saisoneröffnung“ des Museums den Kompositionsaufbau. Das Bild befindet sich gleich am Eingang des Alten Rathauses.

Die Ausstellung ist thematisch aufgebaut. Auf der linken Seite hängen im Eingangsbereich Gemälde mit identischen Motiven: Waldschneisen mit Schafherden. Weiter befinden sich dort Werke aus Bahners Zeit in Katwijk. Der niederländische Ort war in der Vergangenheit bei Malern sehr beliebt, unter anderem auch bei Max Liebermann, einem Vertreter des deutschen Impressionismus. Dieser und die Gemeinde Katwijk prägten Bahner in seinem künstlerischen Schaffen. Die Gemälde aus dieser Zeit zeigen Segelboote und Grachten. „Was in diesen Bildern auffällt, ist das Fehlen von Personen. Sie haben nur die Rollen von Staffagen, werden aber nie hervorgehoben“, schildert Gött.

Auf der rechten Seite im Foyer des Museums präsentieren die Kooperationspartner Landschaftsmalereien in den verschiedenen Jahreszeiten. In einzelnen Räumen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss hängen Bilder und Skizzen, die unter anderem auf Bildungsreisen entstanden sind. „Die meisten Werke Bahners zeigen fiktive Orte und sind kaum zu lokalisieren“, sagt Gött. Eine der wenigen Ausnahmen bildet das Werk „Die Merzenmühle“ im Handwerkerzimmer.

Neben einer Führung durch die Ausstellung nehmen die Heimatkundigen Gött und Reinhold Werner die Besucher am Samstagnachmittag auf eine kleine Zeitreise durch die Biografie Bahners. Der Maler wurde am 9. Mai 1867 in Kaiserswerth bei Düsseldorf geboren. In seiner Jugend absolvierte er eine Ausbildung zum Apotheker. „Doch diesen Beruf hat er nie ausgeübt. Er folgte, da er aus einem wohlsituierten Elternhaus eines Silberwarenfabrikanten stammte, seinen künstlerischen Neigungen und besuchte die Düsseldorfer Kunstakademie“, informiert Gött.

Im Jahr 1901 verschlug es Bahner nach Hessen: Erst nach Bensheim, später lebte der Maler in Rüdigheim, Michelbach, Schotten und schließlich in Langen. Mit seiner Lebensgefährtin Elisabeth Kaffenberger zog er 1919 in die Sterzbachstadt, in die Bahnstraße 86. „Die beiden haben vier Jahre in wilder Ehe gelebt, bevor sie laut Standesamt der Stadt Langen am 21. August 1923 geheiratet haben“, berichtet Gött.

Die Zeit in Langen sei für das Ehepaar Bahner allerdings nicht von Wohlstand geprägt gewesen: „Die Inflation des Jahres 1923 und die Weltwirtschaftskrise 1929 sind nicht spurlos an dem Malerehepaar vorübergegangen“, vermutet Gött. Zwar sei das Heim der Bahners geschmackvoll eingerichtet gewesen, doch trotzdem lebte die Ehefrau nach Bahners Tod am Existenzminimum. Hermann Bahner starb am 7. Mai 1938 an einem Rückenmarksleiden mit fortschreitender Lähmung. „Dann stand seine Witwe mittellos da“, sagt Gött, „sie verfügte weder über eine Rente noch über eine ausreichende Altersversorgung.“ Hinzu kam die Einsamkeit: Elisabeth Bahner wurde erst drei Tage nach ihrem Ableben in ihrer Wohnung aufgefunden.

Lange Zeit war über die letzte Ruhestätte der Bahners nichts bekannt. Nun steht durch die Recherche von Reinhold Werners fest: „Die Bahners wurden auf dem Alten Friedhof in Darmstadt bestattet. Diese Ruhestätte war in den 1920er und 30er Jahren in Künstlerkreisen beliebt.“ Das Grab des Ehepaars sei aber schon abgeräumt worden, berichtet Werner.

Die Kunst Hermann Bahners lebt jedoch im Alten Rathaus weiter: Auch in diesem Jahr wird das Stadtmuseum am Wilhelm-Leuschner-Platz immer wieder samstags für die Öffentlichkeit zugänglich sein; das nächste Mal am 18. Mai. Dann stehen unter der Regie von Gaby Klein und Professor Frank Oppermann von 14 bis 16 Uhr die Bereiche Handwerk und Gewerbe im Mittelpunkt. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. VON VANESSA KOKOSCHKA

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