Faun: Die schönen Seiten des Mittelalters

+
Mittelalterliche Klänge bringt die Gruppe Faun zu Gehör: In der Stadthalle erntet das Quintett nicht nur stehende Ovationen, sondern muss reihenweise Zugaben geben.

Langen - Dieses Konzert kommt nicht ohne Sicherheitshinweise aus: Der norwegische Balztanz könnte für Frauen gefährlich werden, weil ihnen der Mann dabei den Hut vom Kopf kickt. Und eine Ballade ist so zuckersüß, dass Diabetiker aufpassen müssen. Von Markus Schaible

Nein, Faun sind keine Comedy-Truppe, sondern eine ernst zu nehmende Mittelalter-Folk-Gruppe. Doch die fünf Musiker möchten Spaß haben – und dem Publikum Spaß bringen. Und das klappt. Mit ihrer neuesten CD „Von den Elben“ sind Faun ganz oben in den Album-Charts und so sind die Stuhlreihen in der Stadthalle fast vollständig besetzt bei der mittelalterlichen, akustischen Frühjahrs-Tournee (bei einem anderen Konzertprogramm der Band werden die Stücke mit archaischen Beats und vielen Trommeln tanzbar gemacht). Auf dem Tourplan steht Langen zwischen München (Auftaktkonzert), Heidelberg, Würzburg, Zürich und Amsterdam - und so kommen die Zuschauer aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet, um den Klängen aus längst vergangenen Zeiten zu lauschen.

Besondere Aufmerksamkeit erregen schon die Instrumente: Laute, Harfe, Hackbrett und Sackpfeife sind da noch fast unspektakulär, die Drehleier schon außergewöhnlicher, aber die Nyckelharpa? Ein solches schwedisches Streichinstrument haben viele im Saal wohl noch nie gesehen.

Nun, die fünf Faune sind in der Lage, diese ungewöhnlichen Instrumente hervorragend zu bedienen. Und mit ihnen das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Auch wenn Bandchef Oliver sa Tyr erklärt: „Wir dürfen stehen, ihr müsst sitzen, könnt also nicht weg und müsst die Balladen über euch ergehen lassen“ – gehen will sowieso keiner. Zu packend ist das Programm mit Klängen aus vielerlei europäischen Ländern. Ob deutscher Minnesang, schwedische Polkas, Lieder aus der Bretagne (wo die Barden an einen Baum gebunden werden) oder ein Wiegetanz aus Transsylvanien – Faun zeigen den Zuhörern die schönen Seiten des Mittelalters. Mit vierstimmigen Gesangseinlagen von sa Tyr, Fiona Rüggeberg, Sonja Drakulich und Stephan Groth und den zum Teil treibenden Perkussionsklängen von Rüdiger Maul entstehen eingängige, oft verspielte Stücke. Und das bei perfektem Klang. Da geht es um Feen, wilde Wassermänner und eine Königstochter mit Rechenschwäche. Als sie sich von eben jenem Wassermann, der sie für sieben Jahre mit auf den Grund des Flusses genommen hat, trennen will, will sie die sieben Kinder aufteilen: „Nimmst du dir drei, nehm ich mir drei ...“ Der Wassermann weiß, was mit dem siebten zu tun ist: „Nimmst du dir ein Bein, nehm ich mir ein Bein ...“

Nach gut zwei Stunden stehen die Zuschauer im Saal und wollen Faun nicht von der Bühne lassen. Die geben denn auch mehr Zugaben als geplant – ein Abend, an dem alle ihren Spaß hatten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare