Teuer, aber unvermeidbar

Ganz so trüb wie das Wetter beim Fototermin auf der Drehleiter sind die Aussichten für die Feuerwehr nicht mehr: Die dringend erforderliche Erweiterung könnte 2015 in Angriff genommen werden. In einem zweiten Bauabschnitt ist geplant, auf dem Gelände der ehemaligen Straßenmeisterei (links) den Bauhof der Kommunalen Betriebe unterzubringen.
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Ganz so trüb wie das Wetter beim Fototermin auf der Drehleiter sind die Aussichten für die Feuerwehr nicht mehr: Die dringend erforderliche Erweiterung könnte 2015 in Angriff genommen werden. In einem zweiten Bauabschnitt ist geplant, auf dem Gelände der ehemaligen Straßenmeisterei (links) den Bauhof der Kommunalen Betriebe unterzubringen.

Langen - Die Idee wird bereits seit 2006 diskutiert – und bis das Projekt umgesetzt ist, werden auch noch einige Jahre vergehen: Im Süden der Stadt soll die Erweiterung der Feuerwache mit einem Neubau des KBL-Betriebshofs auf dem Gelände der ehemaligen Straßenmeisterei kombiniert werden. Von Markus Schaible

Das kostet nach den jetzt vorliegenden Plänen rund 15 Millionen Euro – eine astronomische Summe angesichts der derzeitigen Finanzlage. Aber die Stadt muss zumindest bei der Feuerwehr handeln. Denn die leidet unter akutem Platzmangel. Und der könnte sich auf die Einsatzfähigkeit auswirken. Zudem sieht das 1983 bezogene Gebäude an der Darmstädter Straße von außen noch ganz gut aus, doch innen ist das anders: Rohrbrüche, Heizungsausfälle oder Defekte an der Durchsage- und Alarmierungsanlage häufen sich. Die Stromleistung reicht nicht aus, die Zentrale entspricht nicht mehr dem Stand der Technik.

Seit 1983 hat sich viel verändert: Damals zählte die Einsatzabteilung drei Hauptamtliche und 65 Freiwillige – heute sind es acht hauptberufliche und 98 ehrenamtliche Brandschützer. Die durchschnittliche Einsatzzahl hat sich von 150 pro Jahr verdreifacht.

„Langen wächst, da muss auch die Feuerwehr wachsen“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt. Das könnte sie auch, denn Nachwuchs und andere Interessenten sind da, betont Stadtbrandinspektor Frank Stöcker. Nach seinen Berechnungen wären in der Einsatzabteilung 136 Mitglieder nötig. Problem ist die Tagesalarmbeteiligung. Sie liege zurzeit bei einem Vollalarm im Schnitt zwischen 15 und 20 Personen. „Mehr kommen nicht, weil sie arbeiten müssen“, sagt Stöcker. Und das größtenteils auswärts.

Eine Personalaufstockung sei derzeit aber nicht möglich: „Ich wüsste nicht, wo ich für sie Spinde unterbringen könnte.“ Aber nicht nur der Umkleideraum platzt aus allen Nähten. Es fehlen Fahrzeugstellplätze und Lagermöglichkeiten, Sozial-, Unterrichts-, Aufenthalts- und Sanitärräume.

Für Gebhardt steht fest, dass es so nicht weitergehen kann. Und der zuständige Fachbereichsleiter Carsten Weise stellt klar, dass alles getan werden müsse, um eine erheblich kostenintensivere Berufsfeuerwehr zu verhindern. Deshalb müsse das ehrenamtliche Engagement gewürdigt und gestärkt werden. „Auch angesichts der schwierigen Finanzlage müssen wir in die Sicherheit unserer Stadt investieren. Verbesserungen bei der Feuerwehr haben auf meiner Prioritätenliste ihren Platz ganz weit oben“, sagt der Bürgermeister.

Auf dem Plan gut zu erkennen sind das Gemeinschaftsgebäude in der Mitte sowie die Anordnung von Bau- und Wertstoffhof (unten die Darmstädter Straße). Mittig soll keine Prachtallee entstehen, betont KBL-Chef Manfred Pusdrowski: Es wird die Wartezone des Wertstoffhofs. Wer die Staus am jetzigen Recyclinghof kennt, weiß um die Notwendigkeit.

Die schon lange gehegte Idee, die Erweiterung der Feuerwache mit einem neuen KBL-Betriebshof zu kombinieren, habe den Charme, dass eine Reihe von Einrichtungen gemeinsam genutzt werden könne. Das spare auf Dauer Geld. Aufenthalts- und Pausenräume, Küche, Schulungsraum und Empfang, Fahrzeugwerkstatt und andere Werkstätten sowie Lagerflächen könnten sich Feuerwehr und Kommunale Betriebe teilen. Zentrale Achse wäre ein lang gezogenes Bauwerk für die Sozial- und Schulungsräume sowie die Verwaltung von Feuerwehr und KBL. Nach den heutigen Baupreisen rechnen die Planer mit insgesamt knapp 15 Millionen Euro. Auf die Feuerwehr entfielen 6,8 Millionen und auf den KBL-Betriebshof 7,9 Millionen. Nach derzeitigen Überlegungen könnte ab 2015 eine Realisierung in zwei Bauabschnitten erfolgen – in einem Rutsch gebaut würde es aber zwei Millionen günstiger, sagt KBL-Betriebsleiter Manfred Pusdrowski.

Im Gegensatz zur Feuerwehr ist die Dringlichkeit bei den Kommunalen Betrieben aber nicht gegeben. „Startschuss für uns ist, wenn die Entwicklung des Neubaugebiets entlang der Bahn beginnt und der jetzige Bauhof von der Liebigstraße wegziehen muss“, erklärt Pusdrowski. Zu diesem Wohnungsbauprojekt will Carsten Weise in Kürze Neuigkeiten verkünden.

Beschlüsse der städtischen Gremien zu den Plänen für Feuerwehr und KBL gibt es noch nicht. Angesichts der Dimensionen aber dürfte es keine leichte Entscheidung werden.

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