Magistrat will aufstocken

Tagsüber chronisch unterbesetzt: Personal-Not bei der Feuerwehr Langen

So kennt man die Feuerwehr: Die Einsatzkräfte als Helfer nach einem Verkehrsunfall.
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So kennt man die Feuerwehr: Die Einsatzkräfte als Helfer nach einem Verkehrsunfall.

Die Feuerwehr muss in Notsituationen schnell mit ausreichend Personal vor Ort sein. In Langen kann das momentan nicht immer umgesetzt werden.

Langen – Sie kommen, wenn es brennt, schneiden eingeklemmte Personen aus Unfallautos und öffnen Türen, wenn hilflose Personen in einer Wohnung das nicht mehr können. Sie beseitigen Sturmschäden, pumpen vollgelaufene Keller leer und retten auch mal Tiere in Not. Und das zu jeder Tag- und Nachtzeit. Dass die Feuerwehr kommt, wenn man sie ruft – und zwar schnell – ist für viele Bürger eine Selbstverständlichkeit. Allerdings hat die Feuerwehr Langen personelle Probleme.

Die aktuell 113 ehrenamtlichen Einsatzkräfte sind zwar absolut ausreichend für eine Stadt mit knapp 40 .000 Einwohnern. Eng wird es jedoch in den Zeiten, in denen die Helfer ihren normalen Berufen nachgehen: Die sogenannte Tagesalarmsicherheit kann nicht mehr gewährleistet werden. Deshalb empfiehlt der Magistrat, fünf weitere hauptamtliche Feuerwehrbeamte einzustellen.

Die aktuell erarbeitete Fortschreibung des Brandschutzbedarfs- und Entwicklungsplans spricht eine deutliche Sprache: Die gesetzlichen Vorgaben bei den sogenannten „hilfsfristrelevanten“ (sprich dringlichen) Einsätzen werden in Langen immer öfter verfehlt. Festgeschrieben ist, dass binnen zehn Minuten nach der Alarmierung ein erstes Fahrzeug am Einsatzort eintreffen muss. Auch die Besetzung ist gesetzlich geregelt: Ein Fahrzeugführer, ein Maschinist sowie je ein zweiköpfiger Angriffs- und Wassertrupp müssen an Bord sein. Dazu werden ein Einsatzleiter und ein Feuerwehrangehöriger in der Zentrale benötigt. Kurzum: In den ersten zehn Minuten sind acht Personen erforderlich.

Feuerwehr Langen: Vorgegebene Stärken sind nicht zu schaffen

Mit den freiwilligen Feuerwehrleuten ist das tagsüber unter der Woche nicht zu schaffen. „Hauptproblem ist, dass so gut wie keiner unserer Ehrenamtlichen in Langen arbeitet“, erklärt Stadtbrandinspektor Frank Stöcker. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren ständig gesunken. „Selbst die, die noch in der Stadt tätig sind, können ja auch nicht in jedem Fall sofort los. Und selbst wenn, müssen sie erst zur Wache kommen und sich umziehen. Wenn man aber bedenkt, dass wir beispielsweise ins Wirtschaftszentrum Neurott eine Anfahrtszeit von sechs Minuten haben, wird klar, dass sie kaum zur Besetzung des ersten Fahrzeugs infrage kommen.“

Weniger spannend, aber auch das gehört dazu: Das hauptamtliche Personal prüft die Geräte auf der Feuerwache.

Somit liegt es an den hauptamtlichen Kräften. Doch von ihnen beschäftigt die Stadt Langen aktuell nur neun – durch Urlaub, Krankheit, Fortbildung und Arbeitszeitregelungen sind nie alle gleichzeitig auf der Feuerwache. „Wir stehen also ständig vor der Entscheidung: entweder auf die erforderliche Besatzung zu warten und zu spät einzutreffen oder unterbesetzt pünktlich einzutreffen“, erläutert der stellvertretende Stadtbrandinspektor Christian Buchold. Meistens entscheiden sich die Einsatzkräfte für die zweite Variante. Spätestens 20 Minuten nach Alarmierung müssen weitere 17 Helfer mit drei Fahrzeugen am Einsatzort sein. „Das schaffen wir mit unseren hochmotivierten Ehrenamtlichen“, betont Stöcker. „Es ist auch klar, dass wir eine Freiwillige Feuerwehr bleiben werden. Aber wir brauchen weitere Hauptamtliche, die die Tagesalarmsicherheit gewährleisten.“

Auch notwendige Hintergrundarbeiten gehören bei der Feuerwehr Langen zum Job

Diesen hauptberuflichen Feuerwehrleuten kommen zudem auch wichtige Tätigkeiten für das Funktionieren der Feuerwehr zu: Sie erledigen die notwendigen Hintergrundarbeiten im Referat Brand- und Zivilschutz. Sie bereiten Lehrgänge vor und übernehmen die Prüfungen und Instandhaltungsmaßnahmen der Geräte. Weit über 10. 000 verschiedene Ausrüstungsgegenstände werden in Langen genutzt. Angesichts der hohen Einsatzzahlen sei das ein enormer Arbeitsaufwand, weshalb das vorhandene Personal bis an die absolute Belastungsgrenze gehen muss und unzählige Überstunden angehäuft hat.

„Wenn wir auf vergleichbare Feuerwehren schauen, sind diese personell deutlich besser mit hauptamtlichen Kräften aufgestellt“, sagt Bürgermeister Jan Werner. „Die fünf zusätzlichen Feuerwehrbeamten sind unbedingt erforderlich. Es geht dabei ja nicht nur um das Erreichen von zeitlichen Vorgaben, es geht primär um die Sicherheit unserer Einsatzkräfte ebenso wie unserer Bürgerinnen und Bürger.“ Langen wachse in den nächsten Jahren um mehr als 4 000 Einwohner – auch in diesem Bereich müsse die Infrastruktur mitwachsen, so Werner. „In den vergangenen Jahren wurde die Feuerwehr nur bedingt personell verstärkt und nun müssen wir diese massive Stellenausweitung auf einmal nachholen.“ (jrd)

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