Film- und Videoclub Langen

Lokal-Chronisten mit der Kamera

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Mit Schmalfilmkameras fing alles an, doch heute steht (von links) Otto Darmstädter, Reinhard Lucas und Johann Gleich vom Film- und Videoclub Langen modernste Technik zur Verfügung.

Langen -  Von Aufnahmen mit Doppel-8-Schmalfilmkameras bis hin zur modernster Ausrüstung mit ultrahochauflösender 4K-Technik – die Mitglieder des Film- und Videoclubs Langen haben den Wandel bei der Herstellung bewegter Bild-Dokumente hautnah miterlebt.

Spaß hat ihnen die Arbeit zu allen Zeiten gemacht.
In dem kleinen Vereinsraum unter dem Dach des Kulturhauses Altes Amtsgericht ist es ziemlich gemütlich. In den Regalen stehen Erinnerungen an vergangene Zeiten – die früheren Arbeiten auf VHS-Kassetten gebannt: Ebbelwoifest 2001, 2002, 2005, die Einweihung des Tors der Freundschaft oder diverse Mitschnitte der unterschiedlichsten Städtetreffen aus der Vergangenheit. Auf dem großen Schreibtisch dann ein Rechner mit moderner Schneidetechnik. Das ist die Schaltzentrale von Otto Darmstädter, Vorsitzender des Film- und Videoclubs Langen. Hier kann er mit den Programmen die Aufnahmen der Club-Kollegen zusammenschneiden und die schönen, bewegten Bilder mit Musik und auch gesprochenem Text unterlegen. „Die Videotechnik hat einem rasanten Wandel hinter sich und wir haben in den Jahren unseres Vereinsbestehens mit etlichen System gearbeitet“, berichtet Otto Darmstädter schmunzelnd.

1960 wurde der Verein gegründet – damals noch als reiner Fotoclub. „Es waren viele Jugendliche, die sich mit dem Fotografieren beschäftigten. Erst Ende der 60er Jahre kam der Film dazu“, erinnert sich Darmstädter. Während heute schon mit jedem Handy stundenlange Filmaufnahmen gemacht werden können, war das mit den Doppel-8-Schmalfilmkameras noch eine echte Herausforderung: „Das war eine Spule mit 16-Millimeter-Filmen. Auf die 15 Meter Filmrolle passten gerade einmal dreieinhalb Minuten Film drauf, aber nur, wenn man sie im Labor auseinanderschnitt und dann an der Nahtstelle wieder zusammengeklebt hat“, erzählt Reinhard Lucas, stellvertretender Vorsitzender der Videofilmer, lachend. Mit den Super-8-Filmen wurde es etwas einfacher und in dieser Zeit entstanden auch viele Filme in der Sterzbachstadt. Einen – „Das Portrait einer Stadt“, ein kurzer Spielfilm über Langen und seine Sehenswürdigkeiten mit dem Paddelteich, dem Schwimmbad und der Stadtkirche – vermissen die Vereinsmitglieder schmerzlich. „Das ist ein tolles Dokument unserer Vereinsgeschichte. Aber irgendwie ist der Film leider verschwunden“, bedauert Darmstädter. Aber viele Filme gibt es noch: Dokumentation über Schloss Wolfsgarten, die Jumelage mit Romorantin, Kirchenjubiläen, Vereinsumzüge und natürlich immer wieder das Ebbelwoifest.

Mit den moderneren Techniken wie VHS und Super VHS waren dann auch richtig lange Filme möglich. „Heute ist das ja alles völlig hinfällig. Denn wir haben unbegrenzt Zeit und können schneiden, so viel wir wollen. Das ist aber nicht nur positiv. Denn früher haben die Leute sich sehr viel mehr Gedanken darüber gemacht, was sie filmen“, sagt Darmstädter. Und Reinhard Lucas ergänzt: „Oft sind es fünf Drehminuten für 20 Sekunden Filmmaterial. Und noch extremer ist es, dass viel gefilmtes Material auf den Karten der Handys völlig ungenutzt bleibt und auch nie wieder angeschaut wird“, bedauert der Videofan.

Zu den Glanzzeiten des Vereins hatte der Film- und Videoclub rund 45 Mitglieder – heute sind es nur noch zwölf. „Wir sind dringend auf der Suche nach Menschen, die Lust haben, bei uns mitzuarbeiten. Wir wissen, dass wir vermutlich keine Jugendlichen gewinnen können, aber ein paar Neu-Rentner, die Spaß am Filmen und vielleicht auch Lust haben, das Schneiden zu lernen, wären toll“, wünscht sich Reinhard Lucas „Nachwuchs“. Er ist derzeit mit 68 Jahren das jüngste Mitglied.

Filme vom Ebbelwoifest seien heute nicht mehr so gefragt, wissen die Aktiven. Dafür arbeiten die Vereinsmitglieder gerade an einem Gemeinschaftsprojekt über den Hegbach. Der Grenzfluss zwischen Egelsbach und Erzhausen wird von der Quelle bis zur Mündung dokumentiert. Das Naturschauspiel wird mit Kommentaren und Musik unterlegt. Dabei sei das Filmen mit den modernen 4K-Systemen ein wahrer Genuss und das Ergebnis von höchster Qualität. „Wir müssen dann beim Schneiden dafür sorgen, dass es ein spannender Film wird, den die Leute auch sehen wollen“, weiß Otto Darmstädter um die Herausforderung der neuen Filme. Der Club zeigt seine Arbeitsergebnisse – die natürlich längst nicht mehr auf VHS-Kassette, sondern auch Festplatte gespeichert werden – beispielsweise bei Filmabenden in der Kirche oder in Altenwohnheimen.

Wer Lust hat, beim Film- und Videoclub aktiv zu werden, kann zu den Vereins-Clubabenden im Alten Amtsgericht kommen: Jeden Donnerstag um 19 Uhr treffen sich die Herren in ihrem Raum im zweiten Obergeschoss. Reinhard Lucas kann die Mitarbeit nur empfehlen: „Das Drehbuch im Kopf, der Filmschnitt, all das hält geistig fit. Die Mitarbeit bei uns im Verein verzögert den Eintritt ins Pflegeheim.“ (zcol)

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