Flugsicherung wirbt beim „Recruiting Day“

Für die Sicherheit am Himmel

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Supervisor Stefan Frenz, der im Tower Frankfurt für zwei Teams zuständig ist, und Fluglotsin Annika Berg (an den Bildschirmen) simulieren für die Interessenten den Job eines Lotsen.

Langen - Nicht nur der Verkehr auf den Straßen, sondern auch der in der Luft wächst immer stärker. Schon jetzt zählt der Himmel über Deutschland zu den dicht beflogensten in Europa. Damit es zu keinem Verkehrschaos kommt, braucht es gut ausgebildete Fluglotsen. Von Vanessa Kokoschka

Doch gerade da herrscht ein akuter Mangel. Aus diesem Grund hat die Deutsche Flugsicherung auf ihrem Gelände einen „Recruiting Day“ veranstaltet, um junge Menschen für diesen und weitere Ausbildungsmöglichkeiten zu begeistern. Die Besucher sind nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch aus Städten der benachbarten Bundesländer wie Bad Kreuznach oder Mannheim angereist. Doch nur, wer sich bereits im Vorfeld angemeldet hat, darf das Gelände betreten. Somit endet für einige Besucher die Anfahrt schon vor den Toren des Haupteingangs. Die DFS ist an diesem Tag gut besucht: Rund 1000 Gäste zählt das Unternehmen bereits am späten Nachmittag.

Die DFS kontrolliert den deutschen Luftraum und lenkt den Flugverkehr. Die Piloten sind per Funk vom Abflug bis zur Landung mit den Lotsen in Kontakt. Rund 5500 Mitarbeiter sind verantwortlich für den sicheren Luftraum, 3000 von ihnen arbeiten am Hauptsitz in Langen. Nach einigen Jahren, in denen weniger Fluglotsen eingestellt wurden, ist die DFS nun wieder auf der Suche: Nach jungen, ambitionierten Menschen, die nicht älter als 24 Jahre sind. 120 Plätze sind zu vergeben, doch erfahrungsgemäß bestehen nur fünf bis sieben Prozent den Eignungstest, sagt Pressesprecherin Ute Otterbein. Die Anforderungen sind hoch: Bewerber müssen das Abitur haben, gutes Englisch sprechen und mit Stress umgehen können. „Aber denjenigen, die für den Job geeignet sind, kommt der Stress nicht wie Stress vor. Die finden es eher spannend, wenn viel los ist“, meint Otterbein. Außerdem müssen Fluglotsen ein räumliches Vorstellungsvermögen haben, gut mit Zahlen umgehen können und reaktionsschnell sein. „Wir suchen nicht unbedingt nach den Einser-Kandidaten“, sagt Otterbein, „menschliche Eigenschaften wie Kommunikativität, Entscheidungsfreude oder Direktheit sind uns sehr wichtig.“ Diejenigen, die es in die engere Auswahl schaffen, werden ins Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt nach Hamburg eingeladen, um dort den fünftägigen Eignungstest zu absolvieren.

Wie werde ich Luftverkehrskaufmann/-frau?

Annika Berg hat nicht nur die Prüfungen, sondern auch die zweijährige Ausbildung zur Fluglotsin absolviert und kürzlich ihre Lizenz erworben. Wie genau ihre Arbeit im Tower am Frankfurter Flughafen aussieht, demonstriert sie bei einer Simulation. Ähnlich wie im Tower stehen auf Bergs Arbeitsplatz drei Bildschirme: Einer zeigt ein Radarbild, der andere das Bodenradar und auf dem Monitor in der Mitte sieht die Fluglotsin die Pisten. Vor ihr liegen die Kontrollstreifen, mit denen sie die Flieger nach Abflug und Ankunft sortiert. Per Funk gibt Berg dann ihre Anweisungen an den Piloten weiter. Auf einer Leinwand sehen die Besucher dann, wie sich die Flieger per Computerprogramm Richtung Startbahn bewegen und auf Bergs Kommando abheben. Was für die Zuschauer eine folgenlose Visualisierung ist, ist für Berg in der Realität pure Verantwortung. 1400 bis 1600 Flugbewegungen gibt es pro Tag am Frankfurter Flughafen. Trotzdem sei es ihr Traumjob: „Ich schätze vor allem, dass kein Tag wie der andere ist. Natürlich lassen Notfälle den Stresspegel ansteigen, aber es kommt darauf an, in diesen Situationen trotzdem gut reagieren zu können“, sagt Berg. Sie ist eine der wenigen Frauen in diesem Beruf. Rund 30 Prozent der Fluglotsen seien weiblich, meint Otterbein. Woran liegt das? „Ich denke, dass der Beruf früher nur von Männern dominiert war und Frauen fürchten, dass er viel mit Technik zu tun hat“, vermutet Berg.

Flugsicherung warnt vor Drohnen-Gefahren für den Luftverkehr

Der Besucheransturm ist dagegen bunt gemischt: Sowohl Mädchen als auch Jungen lassen sich von den Mitarbeitern beraten. Es gibt verschiedene Vorträge zum Bewerbungsablauf, der Flugsicherung an sich und zum Ausbildungsalltag. Diejenigen, die sich schon sicher sind mit ihrem Berufswunsch, können sich beim Bewerbertraining schulen lassen. An Infoständen können Interessierte weitere Ausbildungsangebote wie zum Kaufmann für Büromanagement oder Duale Studiengänge zum Luftverkehrsmanager, Flugsicherungsingenieur oder Informatiker entdecken. Mitarbeiter bieten verschiedene Führungen an, zeigen den Drohnenflug oder laden zum Mitmachen ein. In einem Flugsimulator können Mutige durch einen Parcours fliegen. Dafür setzen die Teilnehmer eine Virtual Reality Brille auf, legen sich in das Gestell hinein und klammern sich an den Griffen fest. Mit kleinen Bewegungen nach links oder rechts schaukelt der Flugsimulator. Auf dem Bildschirm dahinter können die Zuschauer sehen, in welcher Welt sich der Teilnehmer gerade befindet: Er fliegt über Berge und durch Hindernisse hindurch. Arne Roßmann und Federico Sussex haben es ausprobiert und sind begeistert: „Das fühlt sich an, als wäre es echt. An manchen Stellen hat man das Gefühl, als würde man fallen“, beschreibt Sussex.

Beide interessieren sich auch für die Ausbildungsangebote der DFS. Roßmann liebäugelt mit dem Beruf des Fluglotsen: „Mir gefällt die Verantwortung, die man dann trägt, und dass ohne einen nichts funktioniert“, erklärt der 16-Jährige. Falls das nicht klappen sollte, dann wolle er Informatiker werden. „Aber ob ich das dann auch bei der DFS mache, weiß ich noch nicht. Aber mein Vater arbeitet auch hier in der IT“, sagt Roßmann. Gut möglich also, dass beim „Recruiting Day“ die Fluglotsen, Informatiker oder Ingenieure der Zukunft unterwegs waren.

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