Wo der Förster einst Schoppen ausschenkte

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Mit Steinen, die vom Abriss der Scheune übrig geblieben sind, mauert Peter Kittler die Sitzgelegenheit. Von Mai an können sich Wanderer, Spaziergänger und Radler dort ausruhen.

Langen ‐ An einem geschichtsträchtigen Ort im Koberstädter Wald können Wanderer, Spaziergänger und Radler demnächst ein Päuschen machen und beim Anblick der herrlich gelegenen Obstbaumwiese die Seele baumeln lassen. Von Frank Mahn

An der Stelle, wo dereinst das Koberstädter Falltorhaus stand, entsteht derzeit ein Rastplatz mit einer Sitzgelegenheit aus Stein und Eiche. Bei dem Projekt ziehen das Forstamt Langen und der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) an einem Strang, damit ein Stück Heimatgeschichte nicht in Vergessenheit gerät.

Erinnerung an die gute alte Zeit: Bis 1960 versorgten sich die Bewohner des Forsthauses mit Wasser aus diesem Brunnen.

Unterstützt werden sie dabei vom Garten- und Landschaftsplaner Peter Kittner, der unter anderem die Maurerarbeiten übernimmt. Der Clou: Er verwendet die roten Sandsteine, die nach dem Abriss von Forsthaus und Scheune übrig geblieben sind. Die Historie des Gebäudeensembles reichte bis ins Jahr 1833 zurück. Als der Hessen-Forst vor ein paar Jahren das Aus des Anwesens besiegelte, weil sich eine Sanierung nicht gerechnet hätte, machte sich nicht nur bei manch älterem Langener Wehmut breit. Das Koberstädter Falltorhaus war bis Ende der siebziger Jahre ein auch bei Offenthalern, Dreieichenhainern, Egelsbachern und Sprendlingern beliebtes Wochenend-Ausflugsziel. Beim damaligen Förster Josef Loidol konnte man sich einen Handkäs’ schmecken lassen und mit Ebbelwoi den Durst löschen. Als Loidol in den Ruhestand ging, war auch die Zeit der „Gastronomie“ vorbei. Zuletzt war das Haus Dienstsitz von Förster Günter Maurer, der 2006 in den Ruhestand ging.

Dieser Anblick ist seit Anfang 2007 Geschichte. Damals ließ der Landesbetrieb Hessen-Forst das Koberstädter Falltorhaus platt machen.

Anfang 2007 rückten dann Arbeiter mit schwerem Gerät an und machten das Forsthaus, bei dem es sich nicht mehr um den Original-Bau handelte, die Stallungen und die Scheune aus besagtem Sandstein platt. Viel blieb nicht übrig, aber der Brunnen erinnert noch an längst vergangene Zeiten. Er versorgte die Bewohner bis 1960 mit Wasser, ehe im Wald Versorgungsleitungen gelegt wurden. Der VVV lässt derzeit eine Hinweistafel anfertigen. Auf ihr lässt sich die Geschichte des Forsthauses und der Menschen, die dort lebten, nachlesen. Mit einer kleinen Feier soll der Rastplatz, der nur ein paar Minuten vom Weißen Tempel entfernt ist, im Mai eingeweiht werden. Fehlt eigentlich nur noch ein Ausschank am Wochenende wie in den guten alten Zeiten. Hier wird der Wunsch freilich Vater des Gedankens bleiben. „So etwas ist heutzutage nicht mehr möglich“, sagt Forstamtsleiter Kurt Schäfer.

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