Baumaschinen statt Pferdestärken

Forstamt Langen: Holzwirtschaft muss profitabel, aber auch nachhaltig sein

Schweres Gerät im Einsatz: Der Tragschlepper („Forwarder“) transportiert die Stämme an die Waldwege.
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Schweres Gerät im Einsatz: Der Tragschlepper („Forwarder“) transportiert die Stämme an die Waldwege.

Unser Wald ist im Wandel, Trockenheit und Unwetter setzen den Bäumen zu. Deswegen hat unsere Zeitung in Kooperation mit dem Forstamt Langen eine Serie zum Wald gestartet, die monatlich erscheint. Heutiges Thema: Holzwirtschaft.

Langen – Holz begleitet uns Menschen seit Urzeiten – ob zum Hausbau, als Energielieferant oder als Werkzeug. Bis heute ist der vielseitige Rohstoff aus unserem Leben nicht wegzudenken. Aktuell erfreuen sich Produkte aus Holz wieder steigender Beliebtheit. Auch dank eines steigenden Umweltbewusstseins, denn Holz ist die umweltfreundliche Alternative zu Werkstoffen wie Stahl, Beton oder Kunststoff. Jeder Mensch in Deutschland verbraucht statistisch gesehen mehr als einen Kubikmeter Holz pro Jahr.

Aber die umweltfreundliche Nutzung von Holz hängt von zwei Fragen ab: Wird nur so viel Holz verbraucht, wie nachwächst? Und woher stammt das Holz? Wie kaum ein anderes Land hat Deutschland einen romantischen Bezug zum Wald. Diese Wertschätzung spiegelt sich bis heute in den Eichblattmotiven auf unserem Münzgeld wider. Auf der einen Seite steht also die Liebe zum Wald, auf der anderen Holzprodukte, für die Bäume geerntet werden müssen.

So wurde es früher gemacht: Holzrücken mit dem Pferd.

Tatsächlich können wir diesen „Holzhunger“ aus unseren eigenen Wäldern stillen. Dort wächst jährlich sogar mehr Holz, als wir im gleichen Zeitraum verbrauchen. In einer globalisierten Welt werden die Warenströme aber schnell unübersichtlich. Auch nach Deutschland gelangen jährlich mehrere Millionen Kubikmeter Holz, oft aus illegalem Einschlag in Tropenländern. Nicht nur die Zerstörung ihrer Herkunftsgebiete, auch die langen Transportwege führen zu einer negativen Ökobilanz. „Umweltfreundlich ist Holz also nur, wenn es möglichst regional erzeugt und verarbeitet wird“, betont Försterin Iris Husermann. Auch die Arbeitssicherheit in diesen Ländern ist weit entfernt von unserem Standard.

Die Forsttechnik insgesamt hat sich weiterentwickelt und macht die Arbeit heute leichter und sicherer als früher. Das gilt nicht nur für die Holzernte, sondern auch für den Transport aus dem Wald. Früher wurden die Bäume mit Pferdestärken oder „Manpower“ abtransportiert. Heute unterstützen „Harvester“, moderne Erntemaschinen, das Fällen der Bäume. Danach transportieren spezielle Tragschlepper, sogenannte „Forwarder“, die Stämme durch ausgewiesene „Rückegassen“ an die Waldwege, zur Abfuhr in die holzverarbeitenden Betriebe. „Diese Mechanisierung der Waldarbeit erhöht einerseits die Produktivität und führt gleichzeitig zu einem deutlichen Rückgang der Unfallzahlen bei der Holzernte. Davon profitieren alle Beschäftigten im Forst, denn die Waldarbeit gehört nach wie vor zu den gefährlichsten Berufen“, betont Forstamtsleiter Melvin Mika.

Auch die Sägen wurden von Hand bedient.

Vielen Menschen behagt der Anblick dieser Maschinen im Wald nicht. Doch die – zur besseren Gewichtsverteilung – mit breiten Reifen ausgestatteten Fahrzeuge dürfen nur auf extra angelegten Arbeitswegen fahren, den sogenannten „Rückegassen“. So wird der Schaden für den Waldboden minimiert. „Und wer würde in der heutigen Zeit von einem Landwirt verlangen, dass er mit einem Pflug hinter seinen Zugtieren herläuft, statt seine Felder mit Traktoren zu bestellen?“, zieht Waldpädagogin Iris Husermann einen Vergleich.

Damit die in der Holzernte Beschäftigten wissen, welche Bäume zu fällen sind, werden diese zuvor von Forstleuten gekennzeichnet. Bei genauem Hinsehen sind verschiedene Markierungen zu entdecken, die unterschiedliche Bedeutungen haben. Punkte oder ein umlaufender Ring markieren „Zukunftsbäume“, kurz „Z-Bäume“ genannt. Das sind die qualitativ besten Bäume, die bis ins hohe Alter erhalten werden sollen. Für diese Z-Bäume werden im Rahmen der Durchforstung sogenannte „Bedränger“ entnommen. Querstriche an den Bäumen kennzeichnen innerhalb der Waldbestände die „Rückegassen“ für Holzernte- und Transportmaschinen. Schrägstriche sind an solchen zu finden, die entnommen werden sollen. Hierzu zählen auch sogenannte „Bedränger“ von Zukunftsbäumen.

„Um die Sicherheit der Waldbesucher zu gewährleisten, werden entlang der Wege auch Bäume entnommen, die nicht mehr standsicher sind“, sagt Husermann. Ein H markiert einen „Habitatbaum“. „Für uns Forstleute ist Naturschutz eine Selbstverständlichkeit. Darum werden Bäume mit Baumhöhlen oder Nestern als Lebensraum, also Habitat für Spechte, Fledermäuse und viele andere Arten, dauerhaft erhalten und dürfen nicht gefällt werden“, erklärt die Waldpädagogin. (Leo F. Postl)

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