Forstamt plant für das nächste Jahrzehnt

Der Wald hat viele Funktionen

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Im Wald kann man gut die Seele baumeln lassen. Gleichzeitig aber ist er Rohstofflieferant. Es gilt also, viele Funktionen unter einen Hut zu bringen.

Langen - Die Hitzewelle des Sommers hat auch den Bäumen im Wald zugesetzt. Auf solche immer häufiger werdenden Wetterextreme zu reagieren ist nur einer der Aspekte, die das Forstamt Langen bei seiner mittelfristigen Forstbetriebsplanung berücksichtigen muss. Von Markus Schaible 

Derzeit werden die kommenden zehn Jahre geplant – bei einem „Waldforum“ haben sich die Förster nun mit anderen Akteuren im Wald ausgetauscht.
Die Bewirtschaftung des Waldes im Ballungsraum Rhein-Main verfolgt etliche unterschiedliche Ziele: Holznutzung, Naturschutz, Waldpflege, Erholung, Freizeitaktivitäten und mehr. Nachhaltig und zukunftsorientiert soll das Handeln des Forstamtes Langen sein. Aktuell wird dazu die mittelfristige Betriebsplanung fürs kommende Jahrzehnt im 5 400 Hektar umfassenden Staatswald (entspricht etwa 10 000 Fußballfeldern) erstellt. Für sie wird einerseits Inventur gemacht (Bäume zählen und vermessen), andererseits bezieht das Forstamt andere Nutzer mit ein. Und so sitzen beim Waldforum Naturschützer ebenso am Tisch wie Sägewerksbesitzer, der Verkehrs- und Verschönerungsverein, der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club und die SG Egelsbach (als Veranstalter von Lauftreff und Koberstädter Waldmarathon). Sie erfahren von Amtsleiter Christian Münch und Stefan Nowack (Leiter der Abteilung Waldentwicklung und Umwelt bei HessenForst in Gießen) Grundsätzliches, aber auch Spezielles über den Wald und seine Aufgaben.

So zum Beispiel, dass 2018 bislang nicht nur wegen der Hitze ein Jahr der Extreme war. So war der Jahresbeginn überaus nass, sodass zeitweise gar nicht mit schweren Maschinen im Wald gearbeitet werden konnte, um den Boden nicht dauerhaft zu schädigen. Das wiederum führte dazu, dass trotz Brut- und Setzzeit noch bis in den Juni im Forst gearbeitet werden musste, da ansonsten ganze Berufsgruppen Schwierigkeiten bekommen hätten. Immerhin verbraucht jeder Deutsche im Schnitt 1,3 Kubikmeter Holz im Jahr; für Stadt und Kreis Offenbach sind das etwa 650 000 Kubikmeter. Eingeschlagen werden hier aber nur etwa 65 000 Festmeter – sprich: „Nur einer von zehn Bäumen für die Bevölkerung kommt von hier“, erklärt Münch. Wer also noch mehr nicht bewirtschafteten Naturwald fordere, müsse wissen, dass dann noch mehr Holz mit viel Diesel und anderen fossilen Brennstoffen hierher gebracht werden müsste und zum Teil aus Ländern stamme, in denen bei Weitem nicht so nachhaltig gewirtschaftet werde wie in Deutschland. Vom Holzeinschlag im Forstamtsbereich werden 80 Prozent in einem 50-Kilometer-Radius verarbeitet, betont Münch; beim Rest handelt es sich zum Großteil um Spezialsortimente, für die es in der Nähe keine Abnehmer gebe.

Zurück zum Wetter: Der feuchte Jahresbeginn hat zumindest dazu geführt, dass die Bäume nicht ganz so sehr unter der aktuellen Trockenheit leiden. Dennoch gelte es, sich für die Zukunft zu wappnen. Vorzugsweise werde bei Neuanpflanzungen mit Baumarten wie Buche und Hainbuche gearbeitet, die bekanntermaßen am besten mit den klimatischen Verhältnissen zurechtkommen, betont Nowack. Er muss aber zugeben: „Es fehlen die Erfahrungen, wenn sich solche Trockenjahre häufig wiederholen.“ Momentan wissen sich die Bäume noch zu helfen und werfen bereits frühzeitig das Laub ab.

Warum uns die Natur so gut tut

Auch mit hierzulande fremden Baumarten werde geforscht, antwortet Nowack auf eine entsprechende Anregung von Naturschützern. Die tiefwurzelnde Küsten-Tanne (Abies grandis) aus Nordamerika könnte eine Möglichkeit sein, weil sie sehr stressunanfällig gegenüber Trockenheit sei. Das bedeute aber nicht, dass sie großflächig gepflanzt würde, vielmehr könnte sie als Ergänzung im Mischwald dienen: „Von den 10 000 Fußballfeldern wäre dann rechnerisch ein Feld Küsten-Tannen.“

Deutlich zu erkennen ist beim Waldforum, dass die Arbeit des Forstamtes häufig kritisch betrachtet wird, wenn beispielsweise wie in jüngerer Vergangenheit in der Koberstadt in größerem Umfang große Bäume gefällt werden. Natürlich sei es auffällig, wenn in einem abgegrenzten Bereich und speziell nahe am Weg gearbeitet werde, wissen auch die Forstleute. Aber: „Der Wald ist ein dynamisches System, das Bild ändert sich ständig. Alte Bäume werden genutzt, neue wachsen nach“, sagt Münch. Im hiesigen Staatswald gebe es immerhin 600 Hektar mit über 160 Jahre alten Beständen, auch die Altersstufen darunter seien gut vertreten, erklärt Nowack. Und: „Wir nutzen etwas weniger Wald als nachwächst.“

Schwere Unwetter und extreme Waldbrandgefahr

Eines müsse man auch ganz deutlich sagen, so Münch: „Der Erhalt des Waldes als Erholungsgebiet, also beispielsweise die Pflege der Wege, kostet. Und das muss auch wieder erwirtschaftet werden.“ Insofern werde auch die jetzt anstehende Betriebsplanung wieder viele Interessen unter einen Hut bringen müssen.

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