Appell von Behörden

Gefährliche Ignoranz

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Gute Miene zum bösen Spiel: Max Winter hat alle Hände voll zu tun, um illegale Müllhalden im Wald zu beseitigen.

Langen/Egelsbach - Alle reden von der Hitze und der Waldbrandgefahr – Langen ist über den Status „gefährdet“ längst hinaus. Der Stadtwald stand bereits mehrfach in Flammen – zum Glück kleine, rasch gelöschte Feuer. Aber: Es kann jederzeit schlimmer kommen. Von Holger Borchard 

Daher appellieren Behörden und Naturschützer an die Bürger, sich verantwortungsvoll zu verhalten – und sind immer wieder bass erstaunt, wie leichtfertig manche Zeitgenossen alle Warnungen in den Wind schlagen.

Die letzte Alarmierung der Langener Feuerwehr mit dem Stichwort Waldbrand datiert (zumindest bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe) von Dienstagabend. Gegen 20.40 Uhr ging es ein weiteres Mal gen Stadtwald jenseits der Nordumgehung, in diesem Fall an die Aschaffenburger Straße. Dort löschten die Langener Einsatzkräfte – unterstützt von den Kollegen aus Egelsbach – zwei Brände, die auf jeweils rund 50 Quadratmeter Gras und Gestrüpp übergegriffen hatten. Gerade mal ein paar Steinwürfe entfernt hatte es in den Wochen zuvor ebenfalls schon gebrannt; das eine Mal standen nahe der Mörfelder Landstraße etwa 100 Quadratmeter Waldboden in Flammen, das andere Mal derer rund 150 im Bereich zwischen Mörfelder Land- und Steubenstraße.

Laut Stadtbrandinspektor Frank Stöcker sind die Löschtrupps bislang von frühen Alarmierungen begünstigt gewesen. „Wenn wir die sogenannten Entstehungsbrände in den Griff kriegen, ist viel gewonnen“, erläutert Stöcker. Er ermuntert Spaziergänger wie Autofahrer, etwaige Rauchsäulen im Freien zu melden. „Wir fahren lieber einmal zu viel raus als im entscheidenden Fall zu spät.“

Beim Langener Forstamt setzt man gegenwärtig nicht zuletzt auf Information über Flora und Fauna des Waldes, um Waldbesuchern besondere Vorsicht und Aufmerksamkeit nahezulegen. „Die Tiere des Waldes leiden natürlich unter der extremen Witterung“, sagt Bereichsleiter Dieter Hanke. „Dabei hat jede Tierart ihre eigene Art, damit umzugehen. Füchse halten sich beispielsweise tagsüber gerne in ihren Bauen auf, Wildschweine benutzen häufiger sogenannte Suhlen, das sind Schlammbäder, Rehe halten sich bevorzugt in schattigen Bereichen auf.“ Menschlicher Hilfestellung bedürfe die Tierwelt aber nicht. „Alle Tiere sind auf das Überleben in der Natur eingestellt und dazu zählen auch hohe Temperaturen und Trockenheit“, so Hanke.

Ähnlich das Bild bei den Bäumen. Jede Art habe ihre Stärken, Schwächen und Vorlieben bezüglich Bodenverhältnissen, Temperatur und Wasserversorgung, erläutert Hanke. „Extreme Temperaturen und Trockenheit, die im Rahmen des Klimawandels vermutlich zunehmen werden, machen allen Baumarten zu schaffen. Schädlinge wie Insekten und Pilze wiederum profitieren von Hitze und geschwächten Bäumen.“

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Arten mit dicker Rinde (etwa Eiche und Kiefer) kämen relativ gut mit Extremverhältnissen zurecht – „sofern die nicht zu lange andauern“. Die häufigste Laubbaumart der Region, die Buche, sei indes recht empfindlich. „Bei sehr hohen Temperaturen kann es vorkommen, dass die relativ dünne Rinde einzelner Buchen abstirbt – das nennen wir Sonnenbrand“, sagt Hanke. „Betroffene Bäume sterben innerhalb weniger Jahre komplett ab, da sich hinter der abgestorbenen Rinde Pilze ausbreiten. Auch in diesem Sommer muss man mit solchen Schäden rechnen.“

Wenn also die Rahmenbedingungen schon schwierig genug sind – warum müssen dann leichtfertige und respektlose Zeitgenossen immer noch eins draufsetzen? Das fragen exemplarisch die Naturfreunde Egelsbach/Erzhausen anhand einer Begebenheit vom Montag. „Ich war im Langener Naturschutzgebiet am Ernst-Ludwig-Teich unterwegs und musste mit dem Anblick erst mal fertig werden“, umschreibt der stellvertretende Vorsitzende Günther Lange seinen Fund: ein benutzter Einweg-Grill nebst Müllberg. „Da grillt jemand absolut verboten mitten im Naturschutzgebiet an einem Teich, wo noch Eisvogel und Gebirgsstelze zu Hause sind, und wir haben obendrein die zweithöchste Warnstufe in Hessen wegen Waldbrandgefahr. Der Dreck bleibt einfach liegen. So viel Respektlosigkeit vor der Natur ist traurig.“

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Zum Thema Vermüllung hat auch das Forstamt einiges anzumerken: „Die Müllhalden im Wald und an Straßenrändern werden immer mehr und immer größer – von Naturbewusstsein fehlt da jede Spur“, bedauert Hanke. Auch diese Woche habe Mitarbeiter Max Winter wieder säckeweise Unrat im Langener und Dreieicher Forst aufgelesen. „Für derartige Säuberungen werden Unsummen an Steuergeldern aufgewendet – Tendenz steigend“, gibt Hanke zu bedenken. Allein für den Bereich des Forstamts Langen liege das aktuelle Jahresbudget bei circa 100.000 Euro.

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