Mikado-Projekt

Langen: Junge Geflüchtete präsentieren ihre Werke in der Stadtbücherei 

Langen: Geflüchtete präsentieren ihre Werke in der Stadtbücherei
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Stolz auf ihre Werke: Die MiKaDO-Gruppenteilnehmer Tarek Teshtebah (Zweiter von rechts), Mahmoud Haji und Soham Alfadhil (links) freuen sich mit der Projektleiterin Anette Heimerl schon auf die Eröffnung ihrer Fotoausstellung in der Stadtbücherei. 

Die Hände, die sternförmig aufeinander zeigen, sind hell- und dunkelhäutig, es sind kräftige Männerhände und zarte Mädchenfinger. „Ob Frau, ob Mann, ob schwarz, ob weiß – Heimat ist dort, wo man als Mensch zählt“, sagt Tarek Teshtebah. 

Langen - Der 22 Jahre alte Mann aus Syrien beschreibt eines der über 20 Fotos, die die jungen Leute aus dem MiKaDo-Projekt („Junge Migranten für Demokratie durch Kulturangebote“) des Internationalen Bundes (IB) in Langen für eine Ausstellung in der Stadtbücherei ausgewählt haben. Unter dem Titel „Von der Heimat weit?!“ zeigen die jungen Flüchtlinge ab Montag, 3. Februar, in den Räumen der Bücherei Momente aus ihrem Alltag in Deutschland, die sie mit der Kamera festgehalten haben.

„Eine professionelle Fotografin hat uns zunächst angeleitet. Die jungen Leute haben die Technik der Spiegelreflexkameras erklärt bekommen, aber auch Wissenswertes über Bildaufbau und die richtige Lichteinstellung gelernt“, erklärt Anette Heimerl, Projektleiterin von MiKaDo beim IB. Die Fotos, die farbenfroh viel Lebensfreude und Optimismus verbreiten, sind in Langen und in Frankfurt und auf den Straßen, in den Straßenbahnen und Wegen dazwischen entstanden. Auch das Handy oder günstige Einmalkameras kamen zum Einsatz. Die jungen Männer und Frauen haben für Porträts posiert, sich gegenseitig aufgenommen oder einfach nur zufällige Begegnungen festgehalten. Ein Foto zeigt zwei der jungen Männer auf einem Boot am Mainufer, eine andere Fotografie bildet einen im Sonnenschein auf dem Fahrrad davonfahrenden Mann ab, der seinen kleinen Hund in einer Kiste auf dem Gepäckträger spazieren fährt. Auch der Ausstellungstitel ist von einer der Aufnahmen inspiriert: Auf einem Infokasten in Frankfurt stand als Graffiti geschrieben „Von der Heimat weit“. „Das passt doch irgendwie zu uns. In der Fremde lernen wir Menschen aus verschiedenen Ländern kennen. Diese Menschen werden dann wie zu einer kleinen Familie, die wir uns selbst ausgesucht haben“, sagt Mahmoud Haji, der ebenfalls aus Syrien nach Langen kam.

Die Gruppe ist stolz, ihre Kunstwerke in der Öffentlichkeit zeigen zu können. „Fotografieren bedeutet ja auch, besondere Momente aus unserem Leben festzuhalten und damit Erinnerungen zu bewahren. Ich freue mich schon, die Bilder zu zeigen. Bestimmt erinnern mich die Fotos auch in zehn Jahren noch daran, was für eine schöne Zeit wir hier zusammen hatten“, sagt die 26-jährige Irakerin Soham Alfadhil.

Das MiKaDo-Pojekt wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und läuft seit drei Jahren beim IB in Langen. Es spricht junge Migranten an, die ihren Weg in Deutschland sehr erfolgreich beschreiten und anderen Flüchtlingen durch ihre ehrenamtliche Arbeit als Vorbild dienen möchten. Die Gruppe von derzeit neun jungen Erwachsenen trifft sich einmal im Monat und entwickelt immer neue ehrenamtliche Projekte. Sie waren schon mehrfach im Altenheim und haben mit Senioren gespielt, sie besuchen andere Migranten, erzählen von ihrem erfolgreichen Ausbildungsweg und stehen ihnen beratend zur Seite. Außerdem hat die Gruppe schon mit Kommunalpolitikern diskutiert. Das Projekt läuft noch bis August und schließt mit einem Kurzfilm ab, den die jungen Leute noch drehen. Anette Heimerl wünscht sich Nachhaltigkeit für MiKaDo – deshalb ist die Gruppe derzeit schon dabei, einen Verein auf den Weg zu bringen, der sie für die Zukunft zusammenhalten soll.

Die Ausstellung "Von der Heimat weit"

Die Schau „Von der Heimat weit?!“startet am 3. Februar um 16 Uhr mit einer Vernissage und ist danach bis Samstag, 29. Februar, in der Stadtbücherei im Stadthallenkomplex zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

Von Nicole Jost

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