Feuerwehr übt Ernstfall

Lebensretter im Theaternebel

Echtes Wasser gegen künstlichen Rauch: Auch eine Übung muss nahe an der Realität sein.   J Fotos: Strohfeldt
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Echtes Wasser gegen künstlichen Rauch: Auch eine Übung muss nahe an der Realität sein.  

Langen - Kühle Getränke und heiße Würstchen für die Schaulustigen, Schwerstarbeit für die Einsatzkräfte: Die Langener Feuerwehr und das Rote Kreuz hatten am Montagabend die Möglichkeit, an den Langener Terrassen unter realistischen Bedingungen das Vorgehen bei einem Großbrand zu üben. Von Timo Kurth 

Und für die Zuschauer gab’s bessere Einblicke als bei einem echten Einsatz. Hilferufe gellen den Feuerwehrleuten entgegen. Dazu raucht es gewaltig – doch es ist zum Glück nur Theaternebel. Und es droht auch keine Gefahr für Menschenleben. Dennoch sind die Einsatzkräfte mit vollem Engagement bei der Sache, schließlich hat die Übung einen wichtigen Zweck: im Ernstfall schnell und richtig zu reagieren.

In lediglich knapp über 100 von 2 074 Städten in Deutschland existiert eine Berufsfeuerwehr. Somit kommt den ehrenamtlichen Kräften der freiwilligen Feuerwehren unglaublich viel Verantwortung zu. „Wir fahren pro Jahr rund 500 Einsätze“, stellt Langens Stadtbrandinspektor Frank Stöcker fest. „Dass man da ständig spontan reagieren muss, ist selbstverständlich. Nicht jeder Einsatz lässt sich im Vorhinein durchspielen.“

Am Montagabend hat die Feuerwehr jedoch die Möglichkeit, einen Großeinsatz denkbar realitätsgetreu zu üben. Projektentwickler NCC stellt dazu das noch leer stehende fünfstöckige Mehrfamilienhaus der Langener Terrassen in der Elisabeth-Selbert-Allee 28 zur Verfügung. „Ein solches Gebäude eignet sich perfekt für unsere Übungszwecke. Bewohnte Gebäude sind ja in der Regel etwas schwieriger zu organisieren“, erklärt Stöcker.

Feuerwehrgroßübung an Langener Terrassen

Feuerwehr-Übung an Langener Terrassen

Nur wenige Beteiligte von Feuerwehr und Rotem Kreuz sind eingeweiht. Das Übungsszenario: Nach einer Explosion auf einer Baustelle bricht ein Brand aus. Für die Einsatzkräfte gilt es, fünf vermisste Personen aus dem mehrstöckigen Gebäude zu retten und den Brand zu löschen. Außerdem soll die Rettung eines in Not geratenen Feuerwehrmannes simuliert werden, der seine Gasmaske nicht richtig aufgezogen hat. 

Dass auf eine echte Explosion und Flammen verzichtet wird, ist selbstredend. Um dennoch einen möglichst echten Einsatzort zu schaffen, wird mit einer Nebelmaschine bereits eine halbe Stunde vor Einsatzbeginn dichter Rauch in die Eigentumswohnungen geblasen. „Kunstnebel wie im Theater. Absolut unbedenklich“, erklärt der Stadtbrandinspektor den Zuschauern. Nachbarn haben sich eingefunden, zudem hat NCC die Käufer der Wohnungen in den Bauabschnitten eins und zwei sowie einige Ehrengäste eingeladen – darunter auch Landrat Oliver Quilling: „Eine solche große Übung macht auch in der Kreisverwaltung auf sich aufmerksam. Die Langener Feuerwehr hat außerdem einen sehr guten Ruf“, erklärt er seine Anwesenheit.

Einsatzfahrzeuge nach vier Minuten vor Ort

19.15 Uhr: Stöcker und seine Kollegen lösen Alarm aus. Nur vier Minuten später sind die ersten Einsatzfahrzeuge am „Unglücksort“. Sofort beginnt die Rettungsaktion. Bastian Bremser mimt einen der fünf Verunglückten und lässt das Schauspiel beginnen. Mit lauten Hilferufen vom Balkon im vierten Stock macht er auf sich aufmerksam. Seine Kollegen sind derweil bereits dabei, die Drehleiter startklar zu machen. 

Gegen 19.25 Uhr ist die Einsatzabteilung der Langener Feuerwehr schließlich nahezu vollständig: 50 Feuerwehrleute mit zwölf Fahrzeugen sind am Einsatzort. „Bei einer freiwilligen Feuerwehr kommen die einzelnen Einsatzzüge niemals gleichzeitig“, ruft Stöcker dabei dem Publikum zu. Doch auch bei so viel Spontanaktion sitzt augenscheinlich jeder Handgriff. So wundert es nicht, dass Bastian Bremser bereits 13 Minuten nach dem ersten Alarm über eine Drehleiter gerettet wird. Großer Applaus vom Publikum für die Einsatzleute ertönt.

Die machen nahtlos weiter, um die restlichen vier Vermissten aus dem qualmenden Haus zu bergen. Es gilt der Grundsatz: Menschenleben vor Brandbekämpfung. Um 19.33 Uhr sind schließlich alle Fünf geborgen. Die Löscharbeiten beginnen – wobei diese nur angedeutet werden, da ja ohne echtes Feuer geübt wird. Es geht einzig darum, die Laufwege zu trainieren und die endlos langen, schweren Schläuche schnellstmöglich zum Einsatz zu bringen. Dass dabei – wie bei dieser Übung – schon mal der Deckel eines Hydranten klemmen kann, ist für Stöcker nichts Neues. „Wenn ein Hydrant über Jahre nicht genutzt wird und täglich mehrere 100 Autos über ihn fahren, kann der Deckel schon mal schwer zu lösen sein“, erklärt der Stadtbrandinspektor. Im Notfall haben die Einsatzleute jedoch etwa 5000 Liter Wasser in ihren Fahrzeugen parat.

Realistischen Ernstfall an Puppen simuliert 

Parallel zum Löschen wird vor dem Gebäude die Wiederbelebung von Verunglückten geübt – an speziellen Puppen, deren Gewicht und Herzfrequenz an einen realistischen Ernstfall angepasst wurden. Dicht gedrängt stehen die Kräfte des Roten Kreuzes über den Puppen und versuchen angestrengt, ihre Patienten aus Plastik mit Herzdruckmassagen und Defibrillator wieder ins Leben zu holen. Ungefähr eine halbe Stunde nach dem Alarm ist die gemeinsame Großübung schließlich beendet.

„Ich bin sehr zufrieden mit den Leistungen meiner Einsatzkräfte. Sie haben schnell und präzise gehandelt. Einsätze wie beim Brand in der Lutherstraße 19 vergangenes Jahr haben gezeigt, dass vergleichbare Situationen durchaus auch in Langen möglich sind“, sagt Frank Stöcker abschließend. Schön zu wissen, dass die Feuerwehr auch auf solche Einsätze vollständig vorbereitet ist.

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