Wasserfläche soll nicht verkleinert werden

Das Freizeitparadies erhalten

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Der Waldsee wird dann nicht mehr das sein, was er jetzt ist. Ulrich Vedder (CDU) Sie brauchen Platz und den sollen die Segler auch weiterhin haben: Die Stadtverordnetenversammlung sprach sich für eine Anpassung des Planfeststellungsbeschlusses aus dem Jahr 1991 aus.

Der Freizeit- und Erholungswert des Langener Waldsees soll im aktuellen Umfang auf Dauer gesichert werden. 

Langen –  Die Stadtverordnetenversammlung gab jetzt grünes Licht für die Erarbeitung eines entsprechenden Konzepts, das auch eine Verbesserung der Bedingungen für die Vereine sowie der Infrastruktur im Strandbad ermöglichen soll. Während das übergeordnete Ziel einstimmig beschlossen wurde, wollten allerdings nicht alle Parlamentarier die dafür aus Sicht des Magistrats und der Bäder- und Hallenmanagement GmbH (BaHaMa) erforderlichen Schritte mitgehen.

Die Fakten sind bekannt: Die Erfüllung des Planfeststellungsbeschlusses von 1991 durch die Firma Sehring hat zur Folge, dass die Wasserfläche aktuell bereits schrumpft und noch weiter verkleinert wird. In der Folge (und weil eine genehmigte Spülfläche vom Betriebsgelände immer weiter in den See hineinwächst) wird es nach Ansicht der BaHaMa-Verantwortlichen bald nicht mehr möglich sein, ausreichend große Strecken für Segelregatten und das Ironman-Schwimmen auszuweisen. Das Strandbad wiederum würde durch eine vorgeschriebene Verlegung des Parkplatzes an eine über einen Kilometer entfernte Stelle deutlich an Attraktivität verlieren.

Um all das (und einiges mehr) zu verhindern, soll der Planfeststellungsbeschluss in einigen Punkten korrigiert werden. Davon betroffen ist unter anderem die Veränderung der Uferlinie im Süden samt der Rekultivierung der aufzuschüttenden Bereiche. Und genau das stößt bei Grünen, FWG-NEV und dem fraktionslosen Abgeordneten Joost Reinke auf Ablehnung.

Was am Nordufer (Bereich Strandbad, Vereinsanlagen) geschehen soll, „tragen wir mit“, betonte Ingo Eberhard (Grüne), „nicht aber die Idee, die Rekultivierungspläne zu verändern“. Und die seien ja auch seit 30 Jahren bekannt, die Folgen also nicht erst jetzt zu erkennen. Eine Beibehaltung einer größeren Wasserfläche bedeute eine kleinere Rekultivierungsfläche; zudem würde das geplante flache Ufer den angrenzenden Wald besser gegen Stürme schützen.

„Der See wird vom Grundwasser gespeist und wenn es im Sommer immer wärmer wird, verdunstet immer mehr“, verwies Heinz-Georg Sehring (NEV) darauf, dass eine verkleinerte Wasserfläche durchaus Vorteile habe. Die Existenzsicherung der Vereine und neue Toilettenanlagen im Strandbad seien natürlich auch im Sinne seiner Fraktion, „aber mit dem Rest tun wir uns schwer“.

Für Joost Reinke ist das Ganze gar nichts anderes als ein von langer Hand vorbereiteter Deal, um eine andauernde gerichtliche Auseinandersetzung mit der Firma Sehring zu beenden, weil im Regionalplan die bestehende Zielausweisung von „Vorrang für Forstwirtschaft, regionaler Grünzug und Grundwasserschutz“ nun auf „Abbau von Kiessand“ umgestellt werde, wie von dem Unternehmen gewünscht. Der den Stadtverordneten zur Abstimmung vorliegende Antrag sei nichts anderes als die Umsetzung eines Mehrheitsbeschlusses der Regionalversammlung Südhessen aus dem Jahr 2017. Reinkes Folgerung: „Das Spiel Profit gegen Umweltschutz geht wieder einmal 1:0 für den Profit aus.“ Und er bemängelt: „Langen opfert also seinen Badesee für freizeithungrige Großstädter und für eine Handvoll Prestige.“

„Schizophren“ sei es, dem Teil des Antrags zuzustimmen, der eine Stärkung der Freizeitaktivität vorsehe, aber die Teile abzulehnen, die genau die dafür erforderlichen Maßnahmen enthielten, kritisierte Ulrich Vedder (CDU) speziell mit Blick Richtung Grüne. Werde der Planfeststellungsbeschluss nicht geändert, „wird der Waldsee nicht mehr das erfüllen können, was wir für Freizeit- und Erholungswert dort haben wollen. Er wird dann nicht mehr das sein, was er jetzt ist.“

Auch die SPD stellte sich voll hinter die Pläne von Magistrat und BaHaMa. Fraktionschefin Margrit Jansen verwies zudem darauf, dass auf Initiative ihrer Partei noch einige Punkte aufgenommen wurden – so die Wünsche nach einer besseren Anbindung des Strandbads an den ÖPNV, die Schaffung weiterer Schattenflächen durch weitere Bäume und Sonnensegel sowie Maßnahmen gegen das Abrutschen der Sandflächen.

Letztlich stimmten CDU, SPD, FDP und UWFB (und damit die Mehrheit) für den kompletten Antrag, während Grüne, NEV und Reinke gegen einige Teile votierten oder sich enthielten.

VON MARKUS SCHAIBLE

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