Kunst statt Leerstand

Galerie zieht in ehemaliges Musikgeschäft am Lutherplatz  

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Die ersten Kunstwerke stehen schon in den Schaufenstern, in denen sich der Lutherplatz mit dem markanten Brunnen spiegelt.

Langen - Leer stehende Ladenflächen werden übergangsweise zur Kunstgalerie – das hat sich im ehemaligen Supermarkt im Einkaufszentrum Oberlinden bestens bewährt. Nun wird auch der Laden am Lutherplatz, in dem früher Musik Luley ansässig war, zur Ausstellungsfläche, zumindest so lange, bis dort neues Gewerbe einzieht. Von Markus Schaible 

Zugeklebte Schaufenster sind kein schöner Anblick und auch, wenn man noch durch die Glasscheiben schauen kann, dahinter aber nur leer stehende Flächen zu sehen sind, erzeugt das noch keinen ansehnlichen Anblick. Das Konzept, solche nicht genutzten Gewerbeflächen zumindest temporär als Galerien lokalen Künstlern zur Verfügung zu stellen, ist nicht neu – Wolfgang Hayer, im Rathaus stellvertretender Fachbereichsleiter und für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung zuständig, hat das bereits vor 20 Jahren in Norddeutschland umgesetzt.

In Langen haben gerade erst die Kunsträume geschlossen, die den lange leer stehenden früheren Supermarkt im Einkaufszentrum Oberlinden mit drei Ausstellungen zu einem Anziehungspunkt machten. Doch kaum ist die eine Galerie geschlossen, steht schon die Eröffnung an anderer Stelle bevor – dieses Mal mitten in der Stadt, an exponierter Stelle. Denn das historische Gebäude Lutherplatz 5-7 ist nicht nur top in Schuss und ein den Platz prägender Hingucker, sondern markiert auch den Beginn von Langens Einkaufsmeile.

In den 1950er/60er Jahren, als dieses Foto entstand, waren am Lutherplatz 5-7 die damalige Langener Volksbank und ein Lebensmittelgeschäft ansässig.

Ganz unterschiedliche Nutzungen haben die Gewerbeflächen zwischen Bahn- und Gartenstraße im Laufe der Jahre erfahren; zuletzt verkaufte dort Musik Luley Instrumente und Noten. Am Ende allerdings immer weniger, weshalb sich Rosemarie, Anja und Kai Luley entschlossen, Ende 2017 zu schließen. Seither stehen die 182 Quadratmeter, die sich hinter den großen Schaufenstern auf mehrere kleinere Räume verteilen, leer. „Interessenten gibt es, auch ernsthafte, aber noch keinen Mietvertrag“, heißt es vom Langener Maklerbüro Turm Immobilien. Geschäftsführerin Alexandra Beck ist zuversichtlich, dass sich in absehbarer Zeit was tut, zumal es auch möglich sei, die Flächen zu teilen, also aus einem großen zwei kleinere Läden zu machen und dafür einen zusätzlichen Eingang zu schaffen.

Der private Eigentümer sei an einem langfristigen Vertrag interessiert und bereit, in Absprache mit einem künftigen Mieter nach dessen Wünschen Investitionen vorzunehmen. Erst im vergangenen Jahr hatte er die Fassade erneuert.Doch bis es so weit ist, kommen die Flächen dank einer fruchtbaren Zusammenarbeit von Stadt (Wirtschaftsförderung und Kulturfachdienst), Eigentümern und Immobilienmaklerin zahlreichen Künstlern aus Langen und Umgebung zugute: Kommende Woche eröffnet die Übergangsgalerie „Zeitgeist“. Die Stadt zahlt dabei keine Miete, sondern lediglich die Nebenkosten.

Bilder: Bewohnern der Fritz-Remy-Straße droht Zwangsauszug

„Eine Win-win-Situation“, sagt Wolfgang Hayer. So sei die Kunst eine Möglichkeit, den Leerstand zu kaschieren und das Erscheinungsbild der Umgebung zu verbessern. Zudem könnten Mietinteressenten einen viel besseren Eindruck erhalten, was in den Räumen möglich sei. Vorstellbar seien solche Zwischennutzungen auch an anderer Stelle in Langen, sagt Hayer. Allerdings macht er auch klar, dass dies immer auf die Besitzer ankomme. Wenn sie nicht wollen oder sich Gesprächen komplett verweigern, sei die Stadt machtlos. Wobei er auch feststellt: „Leerstand ist kein spezifisches Langener Problem.“ In der Sterzbachstadt sei der Anteil ungenutzter Ladenflächen vergleichsweise moderat.

Zugute kommt den Intentionen der Stadt die umtriebige Kunstszene, die maßgeblich durch die Art People repräsentiert wird. Zahlreiche Mitglieder der Gruppe engagieren sich auch jetzt wieder und zeigen in der Übergangsgalerie ihre aktuellen Arbeiten. Die Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Skulpturen stammen von Anette Bartke, Moritz Bartke, Brigitte Grausam-Tynan, Mirela Schip, Martina Retzdorff, Gabriele Teichmann-Reimer, Solly Guigui, Gareth Tynan, Irma Stella Velasco Serrano, Joachim Kolbe, Antje Schmitt, Norbert Ottawa, Andrea Penndorf, Susanne Link, Nicola Barth und Stella Reichmann. Zusätzlich eingeladen wurden weitere Kreative.

Zu ihnen zählen Helga Meier-Hoffmann, die als freischaffende Malerin einem größeren Publikum durch zahlreiche Ausstellungen bekannt ist, und Anne Baeumerth, die sich vor allem der Kunstform der Schrift widmet und Collagen anfertigt. Außerdem stellen Dieter Wystemp (Aquarellmalerei) und Daniel Eyrich (Fotografie) aus. Eindrucksvolle Farbkombinationen steuert Ulla Lüdtke bei und Anja Petralia ist mit Gemälden vertreten. Bürgermeister Frieder Gebhardt wird die Ausstellung am Mittwoch, 9. Mai, 20 Uhr, mit einem kleinen Fest eröffnen. Die Öffentlichkeit ist dazu herzlich eingeladen. Geöffnet ist die Galerie dann bis auf Weiteres immer sonntags von 14 bis 17 Uhr, allerdings nicht am Pfingstsonntag. Der Eintritt ist frei.

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