Gartenvielfalt bewahrt Artenvielfalt

13. Fürstliches Gartenfest rückt Insektenschutz in den Fokus

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Bunte Hortensienpracht hier, schillernde Rosenpracht ein Stück weiter – das Gartenfest ist immer was fürs Auge.

Wo Falter flattern, Hummeln sich tummeln, Bienen bummeln, Würmer wuseln und Käfer krabbeln, da ist die Welt noch in Ordnung. 

Langen – Ein solch heiles Fleckchen Erde lässt sich mit ein wenig Know-how und den richtigen Pflanzen kurzerhand im eigenen Garten, auf dem Balkon, ja sogar auf vielen nackten Hausdächern schaffen.

So in etwa lässt sich die Botschaft des Fürstlichen Gartenfests in zwei Sätze packen. Zum mittlerweile 13. Mal hat Donatus Landgraf von Hessen den ansonsten nur zur Rhododendron-Blüte öffentlich zugänglichen, rund 57 Hektar großen Park des Jagdschlosses aus dem 18. Jahrhundert zur internationalen Verkaufsausstellung geöffnet. Rund 170 Aussteller aus dem In- und Ausland fahren alles auf, was Gartenwühler wie Genussmenschen auf ihre Kosten kommen lässt. Über Pflanzen und Gerätschaften hinaus ist alles angetreten, was dazu angetan ist, Gartenfreude zu vermitteln: Nützliche und verspielte Accessoires wie Spatenblätter mit Scherenschnitt-Motiven, Vogelhäuschen in allen Formen, Farben und Materialien, stilvolle Gartenmöbel, Landmode oder hochwertige Handwerkskunst begegnen Flaneuren auf der Entdeckungsreise im fürstlichen Ambiente.

„Mitten drin wären unsere Bienen nach einer Stunde durch den Wind“

Sondergäste der diesjährigen Schau sind – ganz im Sinne des Titelthemas – die Bienenhirten der Egelsbacher Wilhelm-Leuschner-Schule. Beim Wolfshaus im Schlosspark und damit ein Stück abseits des regulären Besucherstroms haben sie mit zwei Bienenvölkern und im Bunde mit dem Langener Bienenzuchtverein (jener bringt an einem separaten Stand Informationen und kostenlose Krokuszwiebeln unters Volk) Station bezogen, um kleinen wie großen Interessierten die Imkerei nahezubringen. Dass bei ihnen weniger los ist als entlang der Hauptwege, empfinden Paul und seine Schulkollegen durchaus als Segen. „Mitten drin wären unsere Bienen nach einer Stunde durch den Wind“, erklärt Paul. „Und wer hierher zu uns kommt, für den können wir uns die Zeit nehmen, um alles Wissenswerte ausführlich zu besprechen.“ Ein Angebot, das etliche Ausflügler zu schätzen wissen. An die Begegnung mit den kompetenten Bee-Kids wird sie über das Festwochenende hinaus eine von den Schülern gebastelte Bienenklammer erinnern, die jeder Gast gratis erhält.

Fachvorträge wie von Claudia Peselmann (Bild oben) kommen bei den Gartenfreunden stets gut an. Das fliegende Personal setzt derweil andere Prioritäten. 

Artenvielfalt, ökologisches Gärtnern und Insektenschutz stehen ebenso im Mittelpunkt etlicher Fachvorträge. Für diese zeichnen Gartenfest-Aussteller wie Claudia Peselmann und Forscher wie die Biologin Dr. Christiane Jünemann, Dr. Martin Wiemers (Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut Müncheberg), Dr. Hilke Steinecke (Palmengarten Frankfurt) oder Martin Hormann (Staatliche Vogelschutzwarte Frankfurt) verantwortlich. Mit beachtlicher Geschwindigkeit entsteht parallel der Schaugarten der „Architekten für Insekten“. Dahinter verbirgt sich das diesjährige Gartenfestprojekt der Auszubildenden im Garten- und Landschaftsbau. Anspruch und Aufgabe der Ausführenden ist, einen Lebens- und Rückzugsraum für alle tierischen Gartenbewohner zu schaffen. Dabei spielen sie die komplette Bandbreite an Naturzonen, Bau- und Rohstoffen aus.

Grandiose Kulisse für Insekten 

Der unterhaltsame Part des Rahmenprogramms ist einmal mehr die Domäne des Wiener Masken- und Musiktheaters – die sieben Stammgäste schwärmen diesmal launig als „wild-drohnen-verführerische“ Bienchen über das Gelände. Fanfarenklänge, wie man sie auf einem Schloss erwartet, steuert die Rallye Rheingau bei, während Maria di Marco und die Schwindler mit Bossa nova, Swing und Tango punkten.

Der Schlosspark selbst ist grundsätzlich grandiose Kulisse und wahres Paradies für Insekten, Vögel und anderes nützliches Gartengetier. Dass der alte Baumbestand freilich unter dem Orkan Mitte August böse gelitten hat, dürfte selbst Gästen aus der Ferne beim diesjährigen Rundgang nicht entgangen sein. Erstmals (und hoffentlich einmalig) werden sie sogar mit dem Wort Lebensgefahr konfrontiert – mehr dazu in der nebenstehenden Randnotiz.

Ein furioser Freitag, der Samstag und Sonntag von Regelwolken überschattet, die immer mal wieder etwas fallen lassen: Einen Besucherrekord zeitigt das 13. Fürstliche Gartenfest nicht, aber: Es hat sein (Stamm-)Publikum, das auch diesmal wieder zu Tausenden mit dabei war.

VON HOLGER BORCHARD

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