Lockdown

Gastronomie in Langen: Liefern hält nur den Kopf über Wasser

Robert Di Mari, Inhaber des Restaurants „Glashaus“ in Langen mit Pizzakartons
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Leckere Pizza gibt’s im „Glashaus“: Robert Di Mari konnte bisher Kurzarbeit für seine Mitarbeiter umgehen.

Ein Restaurantbesuch wirkt wie eine Vorstellung aus einer anderen Welt. Nicht erst seit dem verschärften Lockdown sind alle Lokale geschlossen. Aber damit die Langener es sich zumindest zu Hause schmecken lassen können, bieten viele Gastronomen Abholung und Lieferung an. Drei Beispiele.

Langen – Ob Frühstück, Burger oder Salat – im „Gleis 5“ gab es schon immer das Angebot, sein Essen abzuholen. Diese Strukturen konnte Inhaber Jörg Mayer nutzen, als es hieß, dass die Gastronomie ab dem 1. November wieder schließen muss. „Unser To-Go-Service ist bereits bekannt und wird gut genutzt. Wir rufen nicht Halleluja, aber es läuft verhältnismäßig okay“, sagt der Gastwirt. Im Lockdown im Frühjahr sei er noch drumherum gekommen, Kurzarbeit für seine Mitarbeiter zu beantragen. Jetzt musste er diesen Schritt gehen. Auch seine Servicekräfte, meist Studenten, bekommen derzeit kein Geld, weil es keine Arbeit gibt. „Das tut mir wirklich leid, aber es geht nicht anders“, bedauert Mayer. Auch wenn er nicht denkt, dass sich die Situation mit dem Jahreswechsel grundsätzlich verändern wird, ist der „Gleis 5“-Betreiber für 2021 positiv gestimmt: „Es wird weiterhin der Wunsch vieler Gäste sein, an der frischen Luft bewirtet zu werden.“ Deshalb hat Mayer die Terrasse des Restaurants in der Friedrichstraße für dieses Bedürfnis fit gemacht: Mit hohem Geld- und Zeitaufwand wurden Infrarot-Wärmelampen auf der gesamten Fläche installiert. Eine Investition, die wieder Geld in die Kasse spült, wie Mayer hofft.

Auf eine Bewirtung im Freien hatte sich auch das „Bäumsche am Bahnhof“ eingestellt und drei Zelte gekauft, die zusätzlich mit Holzboden aufgebaut werden sollten. Die Zelte sollten den neusten Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie entsprechen, doch bevor sie zum Einsatz kommen konnten, wurde alles geschlossen. „Es ist keine schöne Situation“, sagt Sebastian Fink, Inhaber des „Bäumsche“ am Europaplatz. Besonders die andauernde Ungewissheit beschäftigt den Gastronomen, der nicht nur an sich denkt: „Es geht auch um die Personalplanung. Wie soll ich Bewerbungsgespräche für Stellen im Sommer führen, wenn ich nicht weiß, wen ich dann brauchen werde?“ Für Januar und Februar plant er nicht mit einer Wiedereröffnung, sondern mit einer Fortsetzung des Lieferdienstes. Die Speisekarte wurde dazu ein wenig verkleinert, aber um saisonale Gerichte – zur Zeit etwa Gans – ergänzt. Das Liefergeschäft bringe ungefähr die Hälfte des sonstigen Umsatzes ein, so Fink – „wenn es hochkommt“. Er wünscht sich, dass es von der Politik klare Ansagen gibt: „Sprecht mit uns! Wenn mein Lokal noch zwei Monate zu bleiben muss, möchte ich es lieber jetzt wissen als drei Tage davor“, ist seine Aufforderung.

Im „Gleis 5“ freuen sich Jörg Mayer und Katharina Ruf auf Gäste, die sich Essen abholen.

Auch im „Glashaus“ in der Bahnstraße ist die Stimmung „ausbaufähig“, wie Robert Di Mari, einer der beiden Inhaber, sagt. Sie halten sich mit einem Lieferdienst über Wasser. Dieser kann aber die vielen privaten sowie Firmenweihnachtsfeiern, die ausfallen, nicht ersetzen. Anstelle von Einnahmen durch Getränke müsse nun noch Geld in das Verpackungsmaterial für die Speisen außer Haus gesteckt werden. Der ganze Betrieb wurde auf den Lieferdienst umgestellt. Das Konzept haben sie im ersten Lockdown aus dem Boden gestampft. Trotzdem schafft es das kleine Restaurant, kostendeckend zu arbeiten, um niemanden in Kurzarbeit schicken zu müssen. „Wir haben keine Wahl, wir müssen sehen, dass es in dieser Situation irgendwie klappt“, sagt Di Mari. Das Essen aus dem Glashaus – Pizza, Pasta und Salate – biete sich immerhin gut zum Liefern an. „Da haben es andere schwerer“, sagt der Gastronom und hofft, dass es schnell Frühling wird. (Von Theresa Ricke)

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