„Gedeckter Tisch“

Einsatz für die, denen es schlechter geht

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Fröhlich und zupackend: Mitarbeiterinnen des „Gedeckten Tischs“ in der Petrusgemeinde bei der Zubereitung eines warmen Mittagessens. Von links: Hertha Kunze, Petra Leistner, Annette Czoik, Christa Hermann und Waltraud Lenz.

Langen - Soziale Ungerechtigkeit ist in Deutschland ein viel diskutiertes Thema. Im Alltag wird sie allerdings gerne übersehen, denn tatsächlich etwas damit zu tun haben möchte doch niemand so recht. Glücklicherweise gibt es allerdings auch positive Gegenbeispiele. Von Daniel Untch

So etwa Waltraud Lenz und Irene Vetter aus Langen.

Die beiden Damen engagieren sich rund um den „Gedeckten Tisch“ der Evangelischen Petrusgemeinde. Seit vielen Jahren wird im Gemeindehaus in der Bahnstraße 46 an jedem Donnerstag der Tisch gedeckt; Bedürftige bekommen ein Frühstück sowie ein selbst gekochtes Mittagessen bereitgestellt. Ebenso gibt es auch Beratungs- und immer wieder auch Unterhaltungsangebote wie gemeinsames Basteln und Spielen.

„Wir haben regelmäßig etwa 25 Menschen zu Gast“, erzählt Waltraud Lenz. Ab Monatsmitte sei ein deutlicher Zuwachs an Gästen zu verzeichnen. „Dann, wenn noch so viel Monat, aber nur noch so wenig Geld übrig ist“, ergänzt sie. Die Altersstruktur der Gäste ist bunt gemischt, und natürlich kommen auch Kinder mit.

Jeden Donnerstag ab acht Uhr morgens im Einsatz

Das fünfköpfige Team ist jeden Donnerstag ab acht Uhr morgens im Einsatz. Dann heißt es Tische decken, Kaffee kochen und das Frühstück zubereiten. Wenn die ersten Gäste erscheinen, sieht eine der Damen im Speisesaal nach dem Rechten. Die restlichen vier machen sich in der Küche daran, das Mittagessen zu kochen.

Um trotz des kleinen Budgets genügend Zutaten kaufen zu können, hält Lenz immer die Augen nach Sonderangeboten offen. „Auch wenn ich das natürlich mit meinem privaten Einkauf kombiniere, bin ich sozusagen doch immer im Einsatz“, sagt sie. Seit einem Jahr erleichtert allerdings eine Zusammenarbeit mit der Langener Tafel den Einkauf. „Das ist wirklich eine ganz tolle Sache“, lobt Lenz die gelungene Kooperation. Jeden Dienstag darf sie sich dort vor der offiziellen Öffnung der Lebensmittelausgabe mit Zutaten für den Gedeckten Tisch eindecken. Da sich das Angebot der Tafel von Mal zu Mal unterscheidet, ist dabei natürlich Flexibilität gefragt. „Manchmal muss man seinen Plan schon noch mal umwerfen, aber das ist überhaupt kein Problem“, berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Somit variiert natürlich auch das Essensangebot des Gedeckten Tisches. Dabei kristallisieren sich allerdings doch Lieblingsgerichte der Gäste heraus. „Gerade im Herbst ist unsere Lauchsuppe wirklich der Renner“, erzählt Vetter.

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Weitere Unterstützung erhält das Projekt von Unternehmen aus der Umgebung. So stellen beispielsweise einige Bäcker Kaffeestückchen zur Verfügung, die Vetter und Lenz an ihre Gäste verteilen können.

Eine weitere Kooperation von Langener Tafel und Petrusgemeinde ist zudem die freitägliche „Kaffee-Zeit“, die es ebenfalls mittlerweile seit einem Jahr gibt. Dorthin können alle Gäste der Langener Tafel freitags kommen, während sie darauf warten, dass sie bei der Lebensmittelausgabe in der benachbarten katholischen Pfarrgemeinde St. Jakobus an die Reihe kommen. Vetter berichtet: „Dabei geht es ein wenig ruhiger zu als donnerstags. Da hat man auch mal Zeit, sich dazu zu setzen, um sich ganz in Ruhe mit den Leuten zu unterhalten.“

Die Reaktionen, die die beiden Frauen auf ihr Engagement erhalten, sind unterschiedlich. „Viele Menschen freuen sich sehr darüber, dass wir uns rund um den Gedeckten Tisch engagieren“, berichtet Vetter, „andere verstehen das nicht.“ Nichtsdestotrotz stellen die Beiden aber klar: „Es ist eine tolle Sache und wir sind mit Spaß dabei!“

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