Geduld und Geld gefragt

HessenForst und Stadt wollen die Schäden durch Sturm und Dürre bekämpfen 

Großes Interesse: Die Infoveranstaltung zu Baumschäden und Aufforstung von Stadt und HessenForst im Rathaus war gut besucht. 
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Großes Interesse: Die Infoveranstaltung zu Baumschäden und Aufforstung von Stadt und HessenForst im Rathaus war gut besucht. 

 Stürme und die trockenheißen Sommer der vergangenen beiden Jahre haben dem Baumbestand massiv geschadet. Borkenkäfer und Diplodia, ein schädlicher Pilz, verschlechtern die Situation zusätzlich.

  • Die Stadt Langen hat den derzeitigen Zustand der Wälder rekapituliert. 
  • Die Bilanz sieht nicht rosig aus. 
  • HessenForst will die Schäden nun bekämpfen. 

Langen – Die Stadt hat nun gemeinsam mit Experten von HessenForst und den Kommunalen Betrieben den derzeitigen Zustand rekapituliert und bei einer Infoveranstaltung im Rathaus über zukünftige Maßnahmen informiert.

Das aktuelle Bild sieht nicht rosig aus: Kiefern sind von Diplodia befallen, Fichten sterben wegen des Borkenkäfers ab und leiden wie die Buchen unter der vergangenen Trockenheit. Das führt zu einer Menge Schadholz, insgesamt 7 800 Kubikmeter. „Das ist das 2,6-fache eines Jahreseinschlags“, sagt Roland Piper, Leiter des Forstamts Langen. Das Überangebot hat auch wirtschaftliche Konsequenzen: „Der Preis für das Holz ist niedriger.“ Für die Stadt bedeutet das einen finanziellen Verlust, informiert Piper.

Um Herr der Lage zu werden, hat sich das Forstamt dazu entschlossen, die Arbeitsschritte zu priorisieren: „Zunächst haben wir die Straßen geräumt. An zweiter Stelle haben wir die Waldwege wieder zugänglich gemacht. Und im dritten Schritt sind wir mit dem Aufräumen auf der Fläche beschäftigt“, berichtet Piper. Diese Arbeiten sollen bis zum späten Frühjahr beendet sein.

Langen: Stadt will Sturmschäden bekämpfen 

Mit Blick auf den Klimawandel wollen die Beteiligten unter anderem den Eichenanteil sichern und entwickeln, die Biodiversität steigern sowie Mischwälder fördern. Diese sollen stabiler gegen Klimaveränderungen sein. Zudem will Piper die Naturverjüngung nutzen: „Im Frühjahr werden wir sehen, ob es Blattaustrieb gibt und wo Nachpflanzungen möglich sind.“ Für die Zukunft sei vor allem Geduld wichtig, betont Piper. „Wir wollen nicht nichts machen, aber wir können auch nicht alles auf einmal machen.“ Auch die Witterung sei ausschlaggebend.

Wegen der angespannten Haushaltslage könnten bislang nicht alle Baumausfälle im Stadtgebiet durch Neupflanzungen ersetzt werden, informiert Sandra Trinkaus von der städtischen Umweltberatung. An insgesamt 261 Standorten gab es Baumausfälle – an 141 Stellen sind Neupflanzungen geplant. Bevorzugt werden Straßen und Plätze im Stadtgebiet wie die Bahnstraße oder die Südliche Ringstraße, aber auch Ortseingänge oder gut besuchte Orte wie die Romorantin-Anlage.

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Die Straßenbäume stünden unter Stress, sagt Trinkaus. Beispielsweise gebe es für die Wurzeln und Kronen nur begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten. „Außerdem sind Straßenbäume häufiger Schadstoffen ausgesetzt und von Schädlingen befallen.“ Allerdings spielen sie eine wichtige Rolle als Sauerstoffproduzent und Schattenspender. Um die Sicherheit und Gesundheit der Bäume im Stadtgebiet zu sichern, werden sie regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls zurückgeschnitten. Die Stadtbäume stoßen nicht überall auf Sympathien: Trinkaus berichtet von Bürgerbeschwerden wegen Blatt- oder Fruchtfall. 

Langen: Erste Neupflanzungen stehen an 

Demnächst stehen die ersten Neupflanzungen an. Sandra Trinkaus nennt konkrete Zahlen: Insgesamt sollen in den nächsten fünf Jahren 500 Bäume gepflanzt werden. Sie sind zwischen zehn und 15 Jahre alt und kommen aus einer Baumschule. Los geht es in diesem Jahr mit 120 Bäumen: Jeweils 60 sollen im Frühjahr und im Herbst gepflanzt werden. Die Stadtverordnetenversammlung hat dafür nachträglich 96 000 Euro bereitgestellt. Für die nächsten beiden Jahre stehen jeweils 100 000 Euro im Haushalt bereit, berichtet Trinkaus. Diese Summe wird jedoch nicht ganz ausreichen: Die Bäume allein kosten jeweils 400 Euro. Dazu kommen noch Kosten fürs Pflanzen und die Bewässerung – Letzteres beläuft sich auf 600 Euro pro Jahr und Baum. Darum hat die Stadt einen Spendenaufruf gestartet.

Um neue Bäume zu pflanzen, müssen zuerst die alten Wurzelstöcke entfernt oder ausgefräst werden, der Boden ausgehoben und ein Dreibock für den stabilen Stand gestellt werden. Zudem soll ein Wassersack angebracht werden, der 50 Liter fasst, um so die Anwuchspflege zu erleichtern. „Die Baumstämme werden zudem weiß gekalkt, das ist wie eine Sonnencreme für den Baum“, erklärt Trinkaus. Bei der Auswahl der Bäume wollen sich die Beteiligten an heimischen Arten orientieren: In Langen sind das Linden, Platanen, Spitz-Ahorn, Feld-Ahorn und Eiche.

Langen: Spenden für den Baumbestand 

Für die Bürger ergeben sich abseits von Spenden noch weitere Möglichkeiten, sich für den Baumbestand zu engagieren, erläutern die Beteiligten: selbst einheimische Sträucher und Bäume pflanzen, Baumpatenschaften übernehmen oder bei extrem heißem Wetter einen Straßenbaum gießen. Derzeit gebe es Überlegungen für eine Wasserpauschale, sagt Trinkaus. Dann würden Bürger einen geldwerten Vorteil erhalten, wenn sie einen Straßenbaum im Sommer bewässern.

Außerdem sammeln die Bürgerstiftung Langen und die Initiative „Bäume für Langen“ Baumspenden.

Spendenkonto der Stadt:

Stadt Langen, IBAN: DE62 5059 2200 0000 1508 00, Verwendungszweck: „Baumspende“

VON VANESSA KOKOSCHKA

Die Baumbestände sind auch 2020 wieder gefährdet: Ein neues Dürrejahr in Deutschland wird für Wälder zum Problem.

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