Motivation zum Kreuzchen machen

Gelbe Grüße an die Wahlverweigerer

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Kirchen, Gewerbetreibende und Gewerkschaftler werben gemeinsam fürs Wählen Gehen, von links: Pfarrer Steffen Held, Dekan Reinhard Zincke, Ulrich Krippner (GVL), Rainer Bicknase (DGB). Es fehlt der katholische Pfarrer Ulrich Neff. 

Langen - Sie tun’s nicht zum ersten Mal – und sie setzen wiederum darauf, dass ihr Appell auf fruchtbaren Boden fällt: Vier unterschiedliche Partner – evangelische und katholische Kirchengemeinde, Gewerbeverein und Deutscher Gewerkschaftsbund – bilden eine Initiative, um die Langener zur Teilnahme an der Landtagswahl Ende des Monats zu motivieren. Von Holger Borchard

Ihr Zuruf: „Ich gehe wählen! Und Du?“. Leuchtend gelb, mit rotem, überdachtem Briefkuvert samt Fußstapfen kommt das Plakat der Initiative „Wählen gehen“ daher – eben so, dass es überall, wo Interessierte es aufhängen, weithin sichtbar ist. Mit dem Schriftzug „Ich gehe wählen – Und Du?“, rühren vier auf den ersten Blick ungleiche Partner die Werbetrommel für den Gang zur Wahlurne am Sonntag, 28. Oktober. Eine gern gezogene Ausrede lassen Evangelische und Katholische Kirche, Gewerbeverein und die Langener Vertretung des Deutschen Gewerkschaftsbunds schon mal gar nicht gelten: „Du hast keine Zeit? Einfach Briefwahl beantragen.“

Dass das gelbe Plakat mit gängiger Parteienwerbung dieser Tage so gar nix zu tun hat, liegt auf der Hand – insofern sollte es möglichst nicht in unmittelbarer Nachbarschaft der Parteienwerbung hängen. Dafür könnte es überall an Zäunen von Grundstücken, auf Balkonen oder in Fenstern prangen, um für die Nachbarschaft sichtbare Signale auszusenden: Wählen ist wichtig, Wahlrecht ist wertvoll, die Demokratie lebt nicht zuletzt davon, dass viele Menschen mitmachen.

„Wählen ist ansteckend“, betont Rainer Bicknase vom Offenbacher Kreisverband des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). „Wir tendieren dazu, das zu tun, was unsere Nachbarn machen“, schildert er einen von Wahlforschern bestätigten Effekt. Eben diesen will sich die Langener Initiative zunutze machen, um die Bürger dazu zu bewegen, ihre Stimme abzugeben. Zur Bundestagswahl im Herbst vergangenen Jahres haben die Partner diese Idee erstmals in die Tat umgesetzt. „Im Herbst 2017 hat die Wahlbeteiligung in Langen seit langer Zeit mal wieder über dem hessischen Durchschnitt gelegen“, resümiert Bicknase. „Auch wenn man dieses Ergebnis nicht einfach unserer Initiative zuschreiben kann, ist es für uns die Motivation, weiterhin andere zu motivieren.“

Die Kirchen wollen die gelben Plakate in ihren Schaukästen aufhängen, die Mitglieder des Gewerbevereins in ihren Schaufenstern. „Wir bitten ebenso die Vereine, Firmen und Institutionen darum, sie in ihren Bereichen auszuhängen“, sagt der evangelische Dekan Reinhard Zincke. Ferner wolle man Wohnungsbaugesellschaften oder Eigentümer-Gemeinschaften nahelegen, den Aushang in Hauseingängen zu platzieren.

„Nicht wählen zu gehen, ist definitiv die falsche Entscheidung“, sagt der evangelische Pfarrer Steffen Held, „zumal am 28. Oktober nicht nur über die Zusammensetzung des Landtags und somit die politische Ausrichtung für die kommenden Jahre abgestimmt wird, sondern auch über 15 Änderungen der hessischen Verfassung.“

Bürgermeister und Landräte aus der Region

„Unsere Initiative ist überkonfessionell, überparteilich und von den beteiligten Partnern her eine hoch spannende Konstellation“, stellt Gewerbevereinsvorsitzender Uli Krippner fest. „Wir wollen sie auch gar nicht am allerhöchsten Fahnenmast aufhängen, aber wir stimmen darin überein, dass es unsere gesellschaftspolitische Pflicht ist, jedermann zuzurufen: Wahlrecht ist keine lästige Pflicht, sondern ein hart erkämpftes Gut und geht folglich jeden etwas an.“ Und nicht zuletzt müsse man klar festhalten: „Es ist wichtiger denn je, demokratische Strukturen und Institutionen zu stärken.“

Im Rathaus ist die Initiative hochwillkommen. „Wir sind dankbar für diese gemeinsame Aktion“, betont Bürgermeister Frieder Gebhardt.

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