Georg Harnischfeger und Eberhard Heun

Wenn die Großeltern grüßen lassen ...

+
Einstein-Schule verabschiedet sich von ihrem Rektor Georg Harnischfeger und Lehrer Eberhard Heun.

Langen - „Mit uns gehen quasi vier Jahrzehnte wandelnde Schulgeschichte in Langen, Egelsbach und Dreieich in den Ruhestand. “ Rektor Georg Harnischfeger kehrt dem Berufsleben ebenso den Rücken wie Lehrer Eberhard Heun. Von Cora Werwitzke

Langen „Mit uns gehen quasi vier Jahrzehnte wandelnde Schulgeschichte in Langen, Egelsbach und Dreieich in den Ruhestand.“ Rektor Georg Harnischfeger kehrt dem Berufsleben ebenso den Rücken wie Lehrer Eberhard Heun. Heute Mittag werden die beiden 65-Jährigen in der Albert-Einstein-Schule (AES) feierlich verabschiedet. Zu den Gästen zählen auch Weggefährten und Schüler der ersten Stunde. „Die sind jetzt selbst um die 50“, sagt Heun. Woran er merkt, dass es Zeit für den Ruhestand ist? „Es häuft sich, dass ich von meinen Schülern Grüße ihrer Großeltern überbracht bekomme“, bemerkt der Lehrer für Mathematik und Politik & Wirtschaft schmunzelnd.

Georg Harnischfeger

Harnischfeger prägte die Entwicklung der Albert-Einstein-Schule, seitdem er 1995 als Rektor eingestellt wurde. Er kam in Zeiten des Umbruchs: Im Schuljahr 1992/93 war die Einrichtung zur Integrierten Gesamtschule (IGS) umgewandelt worden. Noch gab es unter dem Dach aber auch verbleibende Jahrgänge, die nach dem alten Haupt- und Realschulsystem lernten. „Das war anfangs ein schwieriger Spagat“, erinnert sich Harnischfeger, der sich seinerzeit vor allem zur Aufgabe machte, die Sanierung der maroden Schule, die Entwicklung des Ganztagsangebots und die Einheit von Förderverein („Trägerverein“) und Schule voranzutreiben.

Begonnen hatte Harnischfegers Werdegang als Referendar im oberhessischen Lich. Ab 1975 unterrichtete er in Babenhausen – „eine der ersten vier Integrierten Gesamtschulen in Hessen.“ Als junger Lehrer für Deutsch und Politik & Wirtschaft bekam er dort hautnah alle Phasen des erbitterten Tauziehens um Pro und Kontra der Schulformen mit. Nach einem Intermezzo im Kultusministerium wartete 1984 in Dreieich die nächste Herausforderung: Harnischfeger ging als stellvertretender Schulleiter an die Weibelfeldschule – eine kooperative Gesamtschule –, an der er viele Elemente der IGS-typischen Durchlässigkeit etablierte. „Keine andere Schulform wird den Begabungen der einzelnen Schüler gerechter“, ist Harnischfeger nach 40 Jahren Praxiserfahrung überzeugt.

1995 lockte ihn die Aussicht, wieder an einer IGS zu arbeiten, nach Langen. Harnischfeger wurde – übrigens wie seine drei Brüder auch – Schulleiter. Prägende Jahre waren 2002, als die Egelsbacher Ernst-Reuter-Schule geschlossen und Teile der Schülerschaft und des Kollegiums in die Einstein-Schule integriert wurden, und natürlich 2006, als der Schule selbst akut die Schließung drohte. „Im Kreistag meinte man, zwei Schulen genügen in Langen“, so Harnischfeger. Eltern, Schüler, Lehrer und Parteien gingen erfolgreich auf die Barrikaden. Nicht nur in dieser Krise, sondern Zeit seines Rektoren-Daseins leistete Harnischfeger Überzeugungsarbeit. Zu besonderen Erinnerungen zählt er die Schulerweiterung 1997, etliche durchgeboxte Neuerungen wie die Einführung der Ganztagsklasse 2008 und nicht zuletzt die Begegnung mit ehemaligen Schülern, „die einem zu später Stunde am Ebbelwoifest schon mal um den Hals fallen und sagen, dass sie einem dankbar für alles sind“, bemerkt Harnischfeger schmunzelnd. Im Ruhestand will sich der scheidende Rektor viel Zeit für seinen sechsjährigen Enkel nehmen und wieder mehr filmen und fotografieren.

Eberhard Heun

Auf 42 Dienstjahre blickt Lehrer Eberhard Heun zurück. Viele kennen den Langener auch aus der Kommunalpolitik. Den überwiegenden Teil seines Berufslebens unterrichtete der 65-Jährige an der Ernst-Reuter-Schule in Egelsbach, bevor er im Zuge der Schließung an die Albert-Einstein-Schule übersiedelte. Damit schloss sich ein Kreis, denn Heun, der in Nordhessen geboren, aber in Langen aufgewachsen ist, ging einst selbst in die zehnte Klasse der Einstein-Schule. „Als sie 1965 eröffnet wurde, bin ich noch für ein Jahr von der Wallschule, damals eine Volks- und Realschule, an die Einstein-Schule gewechselt.“

Als Genosse und Gewerkschafter hatte Heun später stets einen Blick auf die Schulgesetzgebung, erlebte Debatten zur Abschaffung der Förderstufe und verfolgte als junger Lehrer mit Sorge, wie das gemeinsame Lernen bis zur sechsten Klasse einst ein rabiates Ende nahm. Als die Reuter-Schule in Egelsbach 1992 ebenfalls zur IGS umgewandelt wurde, hatte das Heuns volle Unterstützung: „Es war Aufbruchstimmung spürbar, viele Lehrer in meinem Alter hatten damals die Motivation, noch mal etwas Neues zu wagen.“

Schulanfang 2013 in Langen

Schulanfang 2013 in Langen

An der Einstein-Schule übernahm Heun die Fachbereichsleitung Mathematik und engagierte sich im Personalrat. „Kollegium und Schulleitung haben immer an einem Strang gezogen“, unterstreicht er. Es sei ihm deshalb auch nicht bange um die Zukunft der Schule: „Mit dem jungen, aufgeschlossenen Kollegium wird es laufen, davon bin ich überzeugt!“ Aus diesem Kreis auszuscheiden tut ihm auch am meisten leid, so Heun. „Aber ich werde schon etwas finden für den Ruhestand“, versichert er mit einem Augenzwinkern. Er werde ganz sicher nicht von der Bildfläche verschwinden. Sicher ist allemal: Generationen von ehemaligen Schülern werden in der Stadt auch künftig ihrem „Herr Heun“ begegnen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare