Geschwister-Regel sorgt für Unmut

Kinderbetreuung: Eltern kritisieren Fairness und Transparenz der neuen Vergabekriterien

Kinderbetreuung in Langen: Die Geschwister-Regel sorgt für Unmut. (Symbolbild)
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Kinderbetreuung in Langen: Die Geschwister-Regel sorgt für Unmut. (Symbolbild)

Ein Gerichtsbeschluss, der die Kriterien für die Kitaplatzvergabe für rechtswidrig erklärt hatte, hat die Stadt 2019 in Zugzwang versetzt.

Langen – Seit Jahresanfang gelten deshalb neue Regelungen für das Punktesystem, zudem dürfen die freien und kirchlichen Träger wählen, ob sie sich der zentralen Vergabe anschließen oder ihre Plätze selbst verteilen. Doch auch das neue System stößt auf Unmut bei Eltern – vor allem die Änderung beim „Geschwisterbonus“.

Eine 38-jährige Langenerin, deren vierjährige Tochter eine kirchliche Kita besucht, sucht einen Betreuungsplatz für ihren zehn Monate alten Sohn. Angemeldet war das Kind – wie bei vielen Eltern üblich – mit großem zeitlichen Vorlauf, bevor das Verfahren geändert wurde. „Als wir uns nach dem Stand der Anmeldung erkundigten, erfuhren wir eher beiläufig, dass uns keine Geschwisterpunkte zugeteilt werden“, bemängelt die Mutter.

Denn: Nur „Geschwister von Kindern, die bereits in der gleichen Einrichtung sind, erhalten in der gleichen Betreuungsform einen im Umfang gleichen Betreuungsplatz in der gleichen städtischen Tageseinrichtung“, also jeweils in Krippe, Kita, Hort – so steht es in den Richtlinien geschrieben. Nur dann gibt es die begehrten fünf Punkte – die höchste Zahl in der aktuellen Wertung. Für die Langener Mutter ist das eine fadenscheinige Begründung. „Der ,normale‘ Geschwisterfall – großes Kind in der Kita, kleines in der Krippe – fällt bei diesem System durch“, resümiert sie.

Gemeinsam mit einer weiteren Mutter, die für ihr jüngstes Kind einen Krippenplatz in der Einrichtung haben wollte, die die beiden älteren bereits besuchen, hat sich das Elternpaar auch an den zuständigen Dezernenten, Ersten Stadtrat Stefan Löbig, gewandt und nach den Hintergründen der Regelung gefragt. „Es ist schwer nachvollziehbar, warum die Stadt die Geschwisterregelung, obwohl formal noch vorhanden, jetzt so eng auslegt, dass sie kaum greift“, bemängeln sie. Zudem fühlen sich die Eltern schlecht informiert.

Das werfe auch praktische Probleme für Familien auf. „Der Fachdienst Kinderbetreuung mutet Eltern zu, dass sie ihre Kinder auf unterschiedliche Einrichtungen in ganz Langen verteilen müssen“, kritisiert die Mutter.

Erster Stadtrat Löbig weist den Vorwurf von sich, man habe die Eltern schlecht informiert: Sein Fachdienst habe ab Ende November alle Familien auf der Warteliste angeschrieben und auf das neue Aufnahmeverfahren hingewiesen. In dem Schreiben verweist der Fachdienst 23 auf die städtische Homepage, auf der die Unterlagen abrufbar sind. Zudem ist aufgelistet, welche Einrichtung ihre Plätze zentral, welche eigenständig vergibt. „Wir können nicht alle Eltern individuell beraten und müssen erwarten, dass sie sich ausreichend informieren“, sagt Löbig.

Er könne nachvollziehen, dass Eltern nicht zufrieden sind. „Vom Geschwisterbonus profitierten viele.“ Aber man habe schnell eine neue Regelung für das Aufnahmeverfahren gebraucht, anhand der die Plätze möglichst sozial verteilt werden. „Aber solange nicht ausreichend Plätze vorhanden sind, ist ein Punktesystem immer nur Mangelverwaltung“, betont Löbig. Aber die Stadt schaffe ja Abhilfe, sagt der Erste Stadtrat und verweist nicht zuletzt auf die geplante Kita des freien Trägers Terminal for Kids auf dem Klinik-Gelände. „Wir kommen gerade richtig gut voran“, so Löbig.

Für die Langener Eltern, die aktuell im Vergabeverfahren sind, bleibt also nur, sich mit den neuen Kriterien zu arrangieren – ohne den gewohnten „Bonus“. „Ich habe langsam Panik, keinen Betreuungsplatz für meinen Kleinen zu finden“, gesteht die 38-jährige Langenerin. Sie schaue sich jetzt verstärkt nach Tagesmüttern um – und hofft, dass sie so fündig wird.

VON JULIA RADGEN

Kita-Öffnung in Hessen: Langen bereitet nach den Schließungen wegen des Coronavirus jetzt die Öffnungen von Kitas vor. Ab 2. Juni 2020 soll es einen Regelbetrieb geben, allerdings mit Einschränkungen.

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