Wahrzeichen aus Sandstein muss begutachtet werden und ist abgesperrt

Gesundheits-Check für den Vierröhrenbrunnen

Die Absperrung rund ums Wahrzeichnen hatte für Spekulationen gesorgt, hat aber ganz praktische Gründe: Der denkmalgeschützte Vierröhrenbrunnen muss untersucht werden, weil der Sandstein zunehmend porös wird.
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Die Absperrung rund ums Wahrzeichnen hatte für Spekulationen gesorgt, hat aber ganz praktische Gründe: Der denkmalgeschützte Vierröhrenbrunnen muss untersucht werden, weil der Sandstein zunehmend porös wird.

Der Vierröhrenbrunnen ist seit dem Wochenende eingezäunt – das hat im Städtchen schon für wilde Spekulationen gesorgt: Soll die Absperrung etwa Altstadtmarktbesucher davon abhalten, sich am Brunnen aufzuhalten, um Grüppchenbildung zu verhindern? Oder hat es gar etwas mit der vorweihnachtlichen Dekoration zu tun? Manch ein Witzbold vertrat sogar die Theorie, dass der Löwe, der auf dem Langener Wahrzeichen thront, so vor Corona geschützt werden solle.

Langen – Doch die Lösung ist ganz simpel und hat nichts mit alledem zu tun: An der beliebten Altstadt-Sehenswürdigkeit zu Fuße der Stadtkirche nagt der Zahn der Zeit. Umwelteinflüsse setzen dem Bauwerk aus Sandstein, von dessen Spitze der hessische Löwe herabblickt, stetig zu. Die Stadt wird den Brunnen daher nun wieder einmal untersuchen lassen und hat ihn dazu komplett eingezäunt.

Eine umfassende Renovierung sei nach Angaben aus dem Rathaus allerdings nicht geplant, wohl aber müsse der Brunnen überprüft und die Schäden gegebenenfalls beseitigt werden. Das vorerst letzte Mal war das Bauwerk 2013 gereinigt und ausgebessert worden.

Denn der Vierröhrenbrunnen sei ein Langener Wahrzeichen, das es unbedingt zu erhalten gelte: Er gilt als Meisterwerk der Frührenaissance und steht unter Denkmalschutz. Dementsprechend hat er schon mehr Jahre auf dem Buckel, als so manchem bewusst sein dürfte: Er wurde 1553 unter der Aufsicht von Hartmann von Bellersheim und Heinrich Breescher errichtet – als Endpunkt einer 1538 begonnenen hölzernen Leitung, durch die reines Quellwasser aus dem Mühltal in die Altstadt floss. „Wenn der Brunnen auch nicht gerade künstlerisch besonders hervorsticht, so ist er doch ein beachtliches Werk, das zu den frühen Bauwerken der Renaissance in Deutschland gerechnet werden muss“, schrieb der Heimatforscher Karl Baeumerth in einer Abhandlung aus dem Jahr 1976.

Der Zaun veranlasste einen Spaßvogel zu diesem kreativen Schild. Der Löwe kam übrigens erst später hinzu.

In Urkunden sei er vielfach als „großer Springbrunnen“ bezeichnet worden, hatte Baeumerth bei seinen Forschungen herausgefunden. Er beschrieb das Bauwerk so: „Aus den Mundöffnungen grotesker Ammonsköpfe ergießt sich der Wasserstrahl in ein achtseitiges Becken.“ Heute verbinden ihn die Langener und viele aus der Umgebung vor allem mit dem Stöffche, das alljährlich beim Ebbelwoifest „aus den Brunnenröhren“ fließt.

Auf der Brunnensäule befinden sich übrigens Namen und Wappen wichtiger Persönlichkeiten der Bauzeit. Auch die älteste Darstellung des Langener Wappens ist dort zu finden. Darunter, eingebettet in ein Rankenornament, sind vier Tierköpfe platziert, die menschliche Charaktereigenschaften symbolisieren. Der Löwe markierte nicht schon von Anfang an die Spitze: Langen wurde erst 1599 hessisch – durch den Verkauf des Amtes Kelsterbach durch Graf Heinrich von Isenburg-Kelsterbach an den Landgrafen von Hessen. Baeumerth mutmaßte, dass der Sandstein-Löwe erst bei einer umfassenden Brunnenrenovierung 1667 als neues Hoheitszeichen aufgesetzt worden sein könnte.  (jrd)

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