Glaskünstler Johannes Schreiter

„Fiesling, der sagt, was er denkt“

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Geschenk für den Ehrenbürger: In Anlehnung an die Sonderschau „Fazit 95“ vor 18 Jahren im Stadtmuseum erhielt Professor Johannes Schreiter von Bürgermeister Frieder Gebhardt einen Bembel mit einer entsprechenden Inschrift.

Langen - Der frühere Bürgermeister Dieter Pitthan ist es, Ebbelwoifest-Erfinder  (und Ex-Brunnenwirt) Hans Hoffart ist es – und nun auch Professor Johannes Schreiter: Ehrenbürger von Langen. Von Markus Schaible 

Bürgermeister Frieder Gebhardt verlieh dem Glaskünstler von Weltruhm bei einer Feierstunde am Mittwochabend diese Auszeichnung, und das am passenden Ort: der Stadthalle, die unter dem Namen Glas/Werke/Langen auch ein Museum mit der Langener Sammlung zur Zeitgenössischen Glasmalerei beheimatet.

Gebhardt machte gleich klar, dass mit dem 83-Jährigen „kein kuscheliger Federgewichtler“ zum Ehrenbürger gemacht werde, sondern ein gläubiger und streitbarer Christ. Ein Mann, der sich selbst als „einen dieser Fieslinge, der auch noch sagt, was er denkt“, charakterisiert. Dennoch: „Dieser geistvolle und außerordentlich erfolgreiche Künstler ist uns darüber hinaus als wacher und aufmerksamer Freund, als ausgesprochen sympathischer Nachbar, als Mensch mitten unter uns und vor allem aber als besorgter Mahner und engagierter Mitbürger vertraut“, so der Bürgermeister.

Erfinder der Brandcollage

Der Erfinder der Brandcollage, der seit 1963 im Stadtteil Oberlinden zu Hause ist, hat in Langen seine Spuren hinterlassen. 1967 schuf er die Glaswand der Friedhofskapelle und seitdem immer wieder Werke nicht nur für bedeutende Gotteshäuser in aller Welt, sondern auch für Langener Kirchen und Einrichtungen.

Dennoch: „Schreiter fällt aus der Reihe. Er ist kein Mensch, den man mit Lokalpatriotismus oder herkömmlicher Heimatverbundenheit oder gar mit Ebbelwoi und Handkäs in Verbindung bringen würde“, betonte Gebhardt – obgleich der Künstler sich schon lange Zeit zu jener erlauchten Ritterrunde zählen darf, die Langens Ebbelwoikönige herausschmecken darf. Und weiter: „Johannes Schreiter fürchtet weder Ebbelwoi noch hessische Mundart. Er hat Mut und keine Berührungsängste. Er bleibt sich treu und auf festem Kurs. Er sei ein Ernstfall, schrieb der Kunstwissenschaftler und Denkmalpfleger Holger Brülls, er sei nicht witzig, aber heiter, er sei erzmodern.“

Der größte Bembel der Welt

Der größte Bembel der Welt

Der neue Ehrenbürger sei und bleibe ein bedeutender Künstler – mit Bodenhaftung, mit Erdung und in Demut. „Seine Bilder sind zu wahr, um nur schön zu sein. Schreiter ist Maler und eben zugleich Wachrüttler, Mutmacher, Anstifter. Derart widerständige Menschen, die ihren ganz eigensinnigen Beitrag leisten zum Bindungs- und Beziehungsgeflecht, das sich Heimat nennen darf, solche Mitbürger braucht eine Stadt.“

In einem guten halben Jahrhundert seien enge und vielfältige Bindungen zur Stadt und zu den Menschen hier gewachsen. „Wir freuen uns über das, was wir gemeinsam in Langen geschaffen haben“, so Gebhardt, „und wir sind stolz, wenn wir in Aufsätzen, Artikeln, Büchern, in Ausstellungen, auf Schildern in Kirchen, Synagogen oder sogenannten Profanbauten in der gesamten Bundesrepublik immer wieder diesen Namen mit Ortsangabe entdecken: Johannes Schreiter Komma Langen Querstrich Hessen.“

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