Ladengeschäft in Langen sollte Seriosität vortäuschen

Fake-Shop prellt Kunden um sechs Millionen Euro

Langen/Frankfurt - Der Handel im Internet boomt, immer mehr Menschen kaufen online ein – gerade jetzt in der Weihnachtszeit. Doch wie der Fall von KKG-Technik zeigt, versuchen auch Betrüger, ihren Teil von dem stetig wachsenden Kuchen abzubekommen. Von Sebastian Schilling 

Der Briefkasten von KKG Technik in Langen quillt über. Bei den meisten Briefen dürfte es sich um Mahnschreiben und Zahlungsaufforderungen von geprellten Kunden handeln. Darauf weisen die Absender wie „Amtsgericht Hünfeld“ oder „Amtsgericht Uelzen“ hin. Denn KKG-Technik, ein in Frankfurt gemeldetes Unternehmen, ist ein sogenannter Fake-Shop: Ein Unternehmen, dass nur zu dem Zweck gegründet worden zu sein scheint, arglose Kunden um ihr Geld zu bringen.

Mittlerweile wurden die längst geschlossenen Geschäftsräume in Langen von der Polizei durchsucht, nach dem Shop-Betreiber wird gefahndet. Dem Ermittlern zufolge haben bereits mehr als 2000 Kunden von KKG-Technik Strafanzeige erstattet, die Schadenssumme wird gegenwärtig auf rund sechs Millionen Euro geschätzt.

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Üblicherweise existieren Fake-Shops nur im Internet. Insofern stellt KKG-Technik eine Ausnahme dar. „Das Ladengeschäft soll unter anderem die vermeintliche Seriosität eines Fake-Shops unterstreichen. Getreu dem Motto: Wenn es einen echten Laden gibt, muss dieser ja vertrauenswürdig sein“, sagt Chantal Emch, Sprecherin der Polizei Frankfurt.

Auch habe KKG-Technik die Kunden anfangs tatsächlich beliefert, sagt Emch. Damit sorgte der Shop für gute Bewertungen im Internet, worauf noch mehr Kunden Vertrauen fassten und Handys, Spielkonsolen oder Möbel bestellten. Doch irgendwann häuften sich die Beschwerden. Immer mehr Kunden, die per Vorkasse gezahlt hatten, aber vergeblich auf die Ware warteten, meldeten sich bei der Polizei. Auch in Internetforen und in den sozialen Medien machten immer mehr Geprellte ihrem Ärger Luft.

Wie häufig Kriminelle, mit dieser Masche das schnelle Geld zu machen versuchen, lässt sich nicht genau sagen. Fest steht allerdings, dass es immer öfter vorkommt. „Im Jahr 2016 hat das hiesige Fachkommissariat K23 insgesamt drei Ermittlungsverfahren im Hinblick auf Fake-Shops geführt. Dieses Jahr sind es bereits acht Ermittlungsverfahren“, sagt Emch. Die Internetseite watchlist-internet.at sammelt und überprüft Hinweise auf Betrugsmaschen im Internet. Dort findet sich eine Liste mit Hunderten von Shops, die gemeldet und von den Seitenbetreibern als unseriös eingestuft wurden.

Die Polizei unterscheidet drei Varianten von Fake-Shops. Die erste Variante: Anbieter, die online gehen, Bestellungen annehmen und nie die Ware ausliefern. Die zweite: Shops, die nur minderwertige Ware oder Plagiate liefern. KKG-Technik indes gehört zur dritten Variante: Händler, die einige Wochen lang die Kunden beliefern, dann aber damit aufhören.

Allen Fake-Shops gemein ist, dass sie begehrte Produkte anbieten, die deutlich unter den üblichen Preisen liegen. Damit ziehen sie die Aufmerksamkeit von Schnäppchenjägern auf sich, die angesichts des vermeintlich unschlagbaren Angebots alle Vorsicht fahren lassen. „Es gibt Untersuchungen im Hirntomografen, die zeigen, dass das kritische Denken bei Rabatten ausgeschaltet wird. Je größer der scheinbare Rabatt, desto größer die Gier, desto geringer das Denken und Prüfen“, sagt der Psychologe Hans-Georg Häusel.

Doch völlig schutzlos ist man als Kunde nicht. Zwar sehen die Internetseiten von Fakeshops oft professionell aus. Spätestens aber, wenn als Zahlungsart nur Vorkasse angeboten wird, oder für andere Zahlungsweisen unverhältnismäßig hohe Gebühren verlangt werden, sollte man stutzig werden. „Abstand nehmen und den Verstand einschalten“, rät Häusel. „Nicht gleich bestellen, sondern die Gier abkühlen lassen und eine Nacht drüber schlafen.“

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Dieser Tipp nutzt den von KKG-Technik geprellten Kunden nicht mehr. Ob sie jemals ihr Geld wiedersehen werden, ist unklar. Ihnen bleibt nur die Hoffnung, dass die Polizei den Betreiber des Geschäfts zu fassen bekommt und das ergaunerte Geld nicht bereits in dunkle Kanäle abgeflossen ist.

Dass KKG-Technik in Langen ein Ladengeschäft hatte, hilft den Betrugsopfern jedenfalls auch nicht. Die Stadt sieht keine Möglichkeit, gegen KKG-Technik vorzugehen, und verweist an die Polizei. Sie hat lediglich einen Bußgeldbescheid zugestellt, weil das Geschäft nicht angemeldet ist. Und der steckt nun vermutlich mit all den anderen Schreiben in dem überfüllten Briefkasten.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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