Großes Theater für kleine Leute

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Geben und Nehmen im besten Sinne: Matthias Kuchta liebt es, nach Kinder-Impulsen und -Ideen die Puppen tanzen zu lassen.

Langen ‐ Europa, Japan, USA: Der Mann ist in aller Welt gefragt – doch zum Glück findet er immer wieder nach Langen zurück. Die Rede ist vom bekannten Puppenspieler Matthias Kuchta, der in der Stadthalle regelmäßig Jung und Alt mit spannenden und lustigen Theatervorstellungen in seinen Bann zieht. Von Leonie Zincke

Am Mittwoch war’s erstmals in diesem Jahr wieder so weit: Auf dem Spielplan stand der Märchenklassiker „Hänsel und Gretel“. Mit seinen lebensgroßen Bodenpuppen strickt Kuchta daraus eine wunderbare Geschichte, die Kinderaugen leuchten lässt.

„Wann geht’s endlich los?“, fragt ein Junge – der Rest des jungen Publikums wartet nicht minder gespannt auf den Macher des Lille Kartofler Figurentheaters. Dann wird es dunkel, die kleine Bühne erstrahlt im Scheinwerferlicht – sie ist unmittelbar vor den Kindern auf Augenhöhe aufgebaut. Für Kuchta ein ganz bedeutender Aspekt: „Ich möchte eine gemütliche Atmosphäre wie in einem Kinderzimmer schaffen.“

Plötzlich irritiert den Puppenspieler ein Stück Band auf dem Boden. „Wem gehört das?“, ruft Kuchta und zeigt es den Kindern. „Mir nicht!“, schallt es aus allen Richtungen zurück. „Wer ist denn groß und vernünftig genug, um darauf aufzupassen?“, fragt er. Jannis (4) fühlt sich der verantwortungsvollen Aufgabe gewachsen – er wird das Band das ganze Stück über fest in seinen Händen halten…

Bindeglied zwischen Publikum und Puppen

Eine Randnotiz mit beachtlichem (und beabsichtigtem) Effekt: Kuchta hat Aufmerksamkeit und Vertrauen der Kinder gewonnen. „Erst die Kinder machen ein Theaterstück zu meinem und ihrem Theaterstück“, betont Kuchta. „Sie gehören nicht nur als Publikum dazu, sondern sind Bestandteil der Inszenierung. Kinder geben dem Stück ganz viel Energie.“

Mit wenigen Requisiten und einfachen Mitteln schafft Kuchta großes Theater für kleine Leute. „Die Vorlagen lassen sich interpretieren wie Gedichte. Sie wecken bei jedem andere Vorstellungen – deswegen ist Theater so spannend für Familien.“ Das Gerüst einer Geschichte steht, trotzdem verändert sie sich mit jedem Publikum. „Wer Hänsel und Gretel vor- und nachmittags erlebt, den dürften die Unterschiede erstaunen.“

Als Erzähler und Bindeglied zwischen Publikum und Puppen ist Kuchta auf der Bühne stets präsent. Und doch gibt es diese Momente, in denen er praktisch nicht mehr wahrgenommen wird, weil er die verschiedenen Charaktere seiner Puppen annimmt. Kuchtas größter Trumpf ist die Nähe zum Publikum. Seine Figuren erzählen eine Geschichte, doch der 60-Jährige wartet nur darauf, Impulse und Ideen der Kinder aufzugreifen, um aus der Rolle zu fallen.  „Kinder haben die verblüffendsten Ideen“, weiß Kuchta. „Das ermöglicht ein Geben und Nehmen, ein für beide Seiten ungemein spannendes Mitmachtheater.“ Das finden auch Jannis, der Hüter des herrenlosen Bandes, oder die fünfjährige Marissa, die mit einem gekonnten Zauberspruch zwischendurch der Hexe ihr böses Handwerk vermiesen darf.

17 Märchen in Szene gesetzt

17 Märchen hat Matthias Kuchta schon auf diese liebevolle Weise in Szene gesetzt. Schon in der Kindheit habe er sich fürs Theater interessiert, erzählt er. Deswegen machte er eine Ausbildung zum Puppenspieler und fasziniert damit seit 1982 Menschen in aller Welt. „Und noch immer beeindruckt mich die Vielseitigkeit des Puppentheaters. Es macht unheimlich viel Spaß, die einzelnen Charaktere zu verkörpern. Und das kann ich ja mit wenig Aufwand fast überall.“

Theater heißt für Kuchta auch, mit dem vorwiegend jungen Publikum Lebenserfahrungen zu machen. „Ich greife Kinderprobleme auf und schaffe spielerisch Vergleiche zu ihrer Welt“, erläutert er. „Ich möchte den Kindern zeigen, dass es Hoffnung gibt, dass Lebenswille und Freude immer siegen und das Böse in ihrer Welt keine Chance hat.“

So läuft’s auch diesmal bei Hänsel und Gretel: Gemeinsam (und mit Hilfe der Kinder) überlisten die Geschwister die böse Hexe und finden den Weg zurück nach Hause. Einige Zeit später tritt auch Kuchta den Heimweg an, den Kopf voller Ideen für neue Projekte. Weitere Stücke sind in Arbeit, ein Buch mit Kindergeschichten will er schreiben – stets aus gleichem Antrieb: „Das Lächeln und die Freude der Kinder sind für mich immer wieder Ansporn und der schönste Lohn.“

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