Nachgefragt bei Unternehmern aus Langen und Egelsbach

Abholstationen und Lieferdienste bringen wenig Umsatz

An der Abholstation des Kaufhauses Braun an der Bahnstraße in Langen können Kunden ihre bestellte Ware entgegennehmen. Wirklich rechnen tut sich dieser Service für die Familie Braun aber nicht.
+
An der Abholstation des Kaufhauses Braun an der Bahnstraße in Langen können Kunden ihre bestellte Ware entgegennehmen. Wirklich rechnen tut sich dieser Service für die Familie Braun aber nicht.

Gastronomen und Einzelhändler müssen in Lockdown kreativ werden, um ihre Ware zu verkaufen. Da ihre Geschäfte geschlossen sind, haben einige Unternehmen Lieferdienste eingerichtet, andere Abholstationen eröffnet, damit sie zumindest etwas Umsatz machen können. Doch für Unternehmer aus Langen und Egelsbach ist die Lage dennoch sehr schwierig.

Langen/Egelsbach – Stephan Braun ist trotz verschlossener Türen positiv gestimmt. „Irgendwann wird das Ganze ja auch wieder vorbei sein“, meint der Inhaber des gleichnamigen Langener Kaufhauses auf der Bahnstraße. Damit Kunden auch im Lockdown bei ihm einkaufen können, hat Braun am Eingang des Kaufhauses eine Abholstation installiert. „Ware abzuholen ist ja auch im Lockdown erlaubt“, erläutert er. Kunden, die etwas benötigen, können das gewünschte Produkt auf der Internetseite des Geschäfts bestellen und bekommen dieses dann an der Station ausgehändigt. „Wir verkaufen momentan oft Spielkarten oder Puzzle, aber auch Haushaltswaren sind sehr gefragt“, berichtet Braun.

Obwohl der Lockdown bis zum 14. Februar verlängert wurde, hofft er, das Kaufhaus bald wieder öffnen zu dürfen. Denn Umsatz bringe die Abholstation kaum ein. „Wir haben etwa 20 bis 30 Kunden am Tag, damit machen wir vielleicht drei Prozent unseres normalen Umsatzes“, rechnet Braun vor. Dass er die Station dennoch anbiete, sei ein Service für seine Kunden, betont der Inhaber. Die Station ist montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Alle Kunden, die diese nutzen wollen bittet Braun, die Ware entweder im Internet auf kaufhaus-braun.de oder unter 06103 91440 zu bestellen.

Auch Hubert Binder musste sein Geschäft schließen. Doch für den Betreiber des Restaurants Guglhupf in Egelsbach ist weder eine Abholstation noch ein Lieferservice eine Alternative zu einem Restaurantbesuch: „Ein Schnitzel schmeckt nicht mehr, wenn es 15 Minuten in einer Styroporbox lag“, meint er. Damit seine Gäste trotzdem nicht auf seine Menüs verzichten müssen, hat Binder mit seinem Team ein neues Konzept entwickelt: Die einzelnen Zutaten werden in der Küche des Guglhupf vorgekocht und in Vakuumbeutel verpackt. „Zuhause kann sie dann jeder selbst im Wasserbad fertig garen“, erläutert Binder.

Das Restaurant Guglhupf bietet seine vorgekochten Menüs als „To go-Ware“ im Egelsbacher Centralmarkt von Caner Kocak an.

Verkauft werden die Beutel im Centralmarkt von Caner Kocak auf der Ernst-Ludwig-Straße. Beide Unternehmer kennen sich gut, Binder kauft bei Kocak beispielsweise Obst und Gemüse. Daher hat Kocak dem Gastronomen angeboten, die Beutel bei ihm im Markt zu verkaufen. Was Binder ins Kühlregal legt, hängt auch von der Jahreszeit ab. Zu Weihnachten bot er Gänse, Rotkohl oder Klößen an, im neuen Jahr dürfen sich Kunden des Centralmarkts über Gulaschsuppe oder Schweinefilet freuen. Auch vegane Speisen gehören zum Sortiment. Aktuelle Infos gibt es auf facebook.de/wirtshaus.guglhupf.

Obwohl er sein Essen trotz geschlossenem Restaurant weiter anbieten kann, wirklich glücklich ist Hubert Binder nicht: „Der Aufwand, den wir betreiben, rechnet sich für uns nicht“, sagt er Gastronom. Eigentlich hätte er den Betrieb des Guglhupf ganz einstellen müssen, doch er wollte den Egelsbachern zeigen, dass er auch im Lockdown für sie da ist.

Ralf Grünewald will ebenfalls weiterhin für seine Kunden da sein. Deshalb hat sich der Inhaber des Schuhhaus Werkmann in Egelsbach entschieden, sowohl einen Lieferdienst als auch eine Abholstation einzurichten. „Viele unserer Kunden haben sich das gewünscht“, sagt Grünewald. Wer Schuhe braucht, kann diese unter schuh-werkmann.de bestellen und sie entweder vor Ort abholen oder sich nach Hause liefern lassen. Und das gebührenfrei. „Wir liefern nach Langen und Egelsbach“, sagt Grünewald. Zwar sei dieser Service sehr aufwendig, doch Grünewald ist sich sicher: „Es ist aber besser als nichts zu tun.“

Von Joshua Bär

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare