Prozessauftakt

Hammerschlag auf den Kopf – Mann wegen versuchten Mords an Ehefrau vor Gericht

Mit einem Hammer soll der Angeklagte seiner Noch-Ehefrau auf den Kopf geschlagen haben. (Symbolbild)
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Mit einem Hammer soll der Angeklagte seiner Noch-Ehefrau auf den Kopf geschlagen haben. (Symbolbild)

Ein Mann aus Langen schlägt seiner Frau mehrfach mit dem Hammer auf den Kopf. Nun muss er sich wegen versuchten Mordes verantworten.

Langen – 13 Jahre war ein Langener Paar verheiratet, drei Töchter und ein Sohn gingen aus der zerstrittenen Ehe hervor. Als sich die Frau endgültig scheiden lassen will, greift der Mann zum Werkzeug und schlägt seiner Frau am 11. September 2020 mehrfach auf den Kopf. Nun muss er sich wegen versuchten Mordes vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Darmstadt verantworten.

Der 52-jährige Hainburger soll sich am Morgen des Tattags Zugang zur Langener Wohnung der Frau verschafft haben, um ihr aufzulauern, wenn sie vom Kindergarten zurück kommt. Mit den Worten „Du hast mein Leben kaputt gemacht“ packt er sie, hält Mund und Nase zu, damit sie nicht schreien kann. Dann schlägt der gelernte Koch mit dem Holzhammer zu, den er sonst zum Zerkleinern von Trockenerbsen verwendet. Der 34-Jährigen gelingt es jedoch trotz blutender Wunde, ihn wegzustoßen und aus ihrer Wohnung im sechsten Stock laufen. Dabei reißt er ihr das Kleid vom Leib. Sie findet Hilfe in der Nachbarschaft, er flüchtet mit ihrem Mobiltelefon. Die Verletzte muss im Krankenhaus genäht werden.

Langen: Mann schlug mit Hammer auf Ehefrau ein

Der Pakistani kann sich nur mithilfe einer Dolmetscherin für Urdu verständigen. Allein deswegen ist es einfacher, dass Verteidiger Davut Yildiz für seinen Mandanten eine Erklärung verliest. Darin ist von böser Absicht keine Rede, eher im Gegenteil: „Wir hatten zwar oft Streit, aber nicht mehr als in anderen Ehen auch. Im Februar 2020 haben wir uns endgültig getrennt. Ich ging aber trotzdem täglich bei ihr ein und aus, hatte einen Schlüssel, hab ihr alles an Geld gegeben, was ich hatte.“

Am besagten Tag sei die Frau zur Tür herein gekommen und habe Streit wegen der Ausländerbehörde angefangen. „Ich wollte gehen, weil sie mich schon mal falsch belastet hat, aber sie ließ mich nicht, umklammerte mich. Deshalb hab ich den Hammer genommen und ihr leicht auf den Kopf geschlagen, nur, damit sie mich loslässt!“ Dann habe es eine Rangelei gegeben, bei der beide zu Boden fielen. Sie sei aufgestanden und hinaus gegangen, er habe nur noch ihr Kleid in der Hand gehalten. „Ich wäre doch mit der Scheidung einverstanden gewesen, wir hatten uns doch schon ein paar Mal getrennt und es ist nichts passiert. Selbst als sie in Saudi-Arabien einen anderen hatte – ich habe da als Schweißer gearbeitet – habe ich nichts gemacht. Warum hätte ich sie töten sollen? Nur die Kinder sind mir wichtig. Es tut mir leid!“, beteuert der Angeklagte über seinen Anwalt.

Langen: Wegweisungsverfügung erlaubte es dem Mann eigentlich nicht, das Haus zu betreten

Die Aussage der Ehefrau und Nebenklägerin hört sich erwartungsgemäß ganz anders an. Sie fühlte sich von Anfang an betrogen: „Er war schon vorher verheiratet, das hat mir niemand gesagt. Er unterdrückte mich, ich sollte immer machen, was er sagt. Er hat mich immer wieder geschlagen und beleidigt, ich habe wegen der Kinder alles ertragen“, erklärt die Hausfrau und Mutter. Schon in Saudi-Arabien habe sie entschieden, zurück nach Pakistan zu gehen, aber er habe auf den Koran geschworen, er würde ihr nie wieder etwas antun. Deshalb sei sie auf seinen Wunsch eingegangen und 2015 mit nach Deutschland gekommen. Der Vorsitzende Richter Volker Wagner erinnert an die Wegweisungsverfügung, die es ihm eigentlich nicht erlaubte, ihr Zuhause zu betreten. „Er kam nur noch, um die Kinder zu sehen“, so die Nebenklägerin. Am 11. September sei sie zur Wohnung rein und habe sofort einen Schlag auf den Kopf bekommen. „Ich fiel hin, er hielt mir den Mund zu und schlug weiter zu. Ich habe gedacht, jetzt ist die Zeit da, dass er mich tötet!“ Denn schon früher habe er gedroht, sie habe die Wahl: Mit ihm zusammen leben oder sterben.

Staatsanwältin Eva Heid will von der Zeugin wissen, ob Alkohol im Spiel war. „Das weiß ich nicht, es ging alles so schnell. Ich weiß aber, dass er früher Flaschen im Kleiderschrank und auf dem Balkon versteckt hielt.“

Laut Plan sollen am nächsten Sitzungstermin weitere der mehr als 20 Zeugen und die Gutachter gehört werden. Dann könnte am dritten Prozesstag bereits plädiert werden.

Von Silke Gelhausen

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