Handys im Unterricht

Mobiltelefon ersetzt den Spickzettel

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Spicken im Jahr 2012: Mit internetfähigen Smartphones können sich Schüler bei Klausuren unerlaubt Vorteile verschaffen. Die Dreieichschule sagt jetzt knallhart: Die Täuschungsversuche werden mit null Punkten oder der Note sechs bestraft.

Langen - Mitten im Unterricht oder – schlimmer noch – in eine Klassenarbeit hinein der schrille Handy-Klingelton, das soll es an Langener Schulen nicht geben. An allen weiterführenden Bildungseinrichtungen müssen die Geräte während der Unterrichtsstunden ausgeschaltet bleiben. Von Markus Schaible

Das Dreieich-Gymnasium hat kürzlich eine neue Regelung beschlossen, die auch Täuschungsversuche mit Multimediageräten umfasst. „Der Besitz und der Gebrauch von Handys gehören heute in unserer Gesellschaft zu den Selbstverständlichkeiten. Da die Schule Teil dieser modernen Gesellschaft ist, kann sie vor dieser Entwicklung nicht die Augen verschließen“, heißt es in der Regelung der Dreieichschule, die von der Schulkonferenz abgesegnet wurde. Allerdings sei es wichtig, dass niemand in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt und eine missbräuchliche Benutzung verhindert wird.

Denn das unerlaubte Telefonieren und SMS schreiben im Unterricht ist nicht so sehr das Problem, weiß Paul Schlöder, Fachbereichsleiter Mathematik/Naturwissenschaften, der maßgeblich an der Ausarbeitung der Regelung beteiligt war: „Das hält sich in Grenzen.“ Jedoch gebe es am Gymnasium in der Oberstufe „ein großes Problem mit Täuschungsversuchen“, erläutert Schulleiter Bernhard Zotz. So würden Schüler versuchen, sich bei Klausuren mittels internetfähiger Smartphones Informationen zu beschaffen. So hätten Lehrer schon bemerkt, dass komplette Texte eingefügt worden seien. Deshalb ist jetzt klar geregelt: „Die Benutzung von Handys bei Leistungsnachweisen wird als grober Täuschungsversuch gewertet.“ Dies habe die Note ungenügend beziehungsweise null Punkte zur Folge.

Da fast alle Handys auch eine Kamera haben, werden sie oft auch zum Fotografieren oder Filmen genutzt – nicht immer mit Einwilligung dessen, der darauf zu sehen ist. „Werden mit dem Handy die Persönlichkeitsrechte von Lehrenden oder Lernenden verletzt, werden durch die Schule Ordnungsmaßnahmen beschlossen, unabhängig von eventuellen straf- oder zivilrechtlichen Schritten seitens des Geschädigten“, heißt es in der Regelung des Gymnasiums. Die Adolf-Reichwein-Schule (ARS) geht da sogar noch einen Schritt weiter: Fotografieren und Filmen sei generell verboten, erläutert Martin Kurz, Leiter des Realschulzweigs.

Regelung unter Mitwirkung von Schülern

An der ARS gebe es mit der Nutzung von Handys „kein besonderes Problem“, dennoch ist in der Schulordnung ganz klar festgelegt: „Die Benutzung von elektronischen und technischen Geräten ist nicht erlaubt, wenn sie nicht unterrichtlichen oder schulischen Belangen dienen.“ Soll heißen: „Wenn im Sportunterricht eine Stoppuhr benötigt wird oder in Physik ein Versuchsaufbau fotografiert werden soll, darf das Handy zum Einsatz kommen – allerdings ausschließlich auf Aufforderung der Lehrer oder auf Nachfrage“, sagt Kurz.

Wer sich nicht an das Handyverbot im Unterricht hält, muss an allen Schulen damit rechnen, sein Gerät abgenommen zu bekommen. Die Rückgabe wird dabei unterschiedlich gehandhabt. Können die Schüler der Albert-Einstein-Schule sie am Ende des Tages selbst im Sekretariat abholen, müssen am Gymnasium die Erziehungsberechtigten kommen oder dem Nachwuchs zumindest eine Bescheinigung unterschreiben.

Auch wenn die Regelungen teilweise recht strikt sind, „wir verteufeln das Handy nicht“, sagt etwa Martin Kurz. An der Reichwein-Schule vermitteln beispielsweise die Medienscouts den richtigen Umgang mit elektronischen Geräten und gehen dabei auch auf Themen wie Cybermobbing durch Videos ein. Allerdings beobachtet Kurz schon mit Sorgen die „Vernachlässigung sozialer Kontakte“ durch die Handys. Und sein Kollege Schlöder vom Gymnasium sagt: „Es ist erschreckend zu sehen, wenn die Pause anfängt und alle zum Handy greifen.“ Auch weiß er, dass die Regelung, die unter Mitwirkung von Schülern zustande kam, „nicht der Weisheit letzter Schluss“ ist. Aber es habe eben ein Kompromiss gefunden werden müssen – so gebe es Kollegen, die Handys in der Schule komplett verbieten wollen, während andere sagen: „Das ist mir egal, solange es den Unterricht nicht stört.“

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