Ein Leben für die Farbe

Harald Küppers feiert 90. Geburtstag

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Harald Küppers, der Erfinder der nach ihm benannten – aber auch häufig kritisierten – Farbenlehre, feiert am morgigen Sonntag seinen 90. Geburtstag im Kreis der Familie. Maigrün und Orangerot sind übrigens die Lieblingsfarben des Jubilars.

Langen - Farben spielten für ihn stets eine wichtige Rolle. Harald Küppers, der Erfinder der gleichnamigen Farbenlehre, wird am Sonntag 90 Jahre alt. Von Julia Radgen

Kaum ein Stück Wand ist im Haus von Harald Küppers nicht mit Collagen bedeckt. Sie zeigen die Farbspektren in geometrischen Formen arrangiert. Mal bewegen sie sich vor dem Auge, wenn man nur lang genug hinsieht. „Einer meiner Enkel sagte schon: ,Opa, deine Bilder bewegen sich’“, erzählt Küppers. Vom Sehen aus hat der Wahl-Langener, der morgen 90. Geburtstag feiert, seine Farbenlehre entwickelt, die ihn international bekannt machte. „Darin unterscheidet sie sich von den bisherigen Farbenlehren, die immer materialbezogen waren“, erklärt Küppers, dessen System aus acht Grundfarben besteht, die er in einem sogenannten Rhomboeder angeordnet hat. „Die Arbeitsweise des Auges ist das Grundgesetz meiner Farbenlehre“, glaubt Küppers.

Doch der Weg zu seiner Theorie, die Küppers erst 1972 veröffentlicht, war ein langer. Und zur intensiven Beschäftigung kommt er im Grunde zufällig. Küppers wird 1928 im Dorf Müden an der Oertze in der Lüneburger Heide als jüngstes von sieben Kindern geboren. Als 16-Jähriger wird er im Januar 1945 von der Oberrealschule weg als Kanonier zur Wehrmacht eingezogen. Im April gerät er in französische Kriegsgefangenschaft, muss als Knecht auf Bauernhöfen arbeiten. Im Dezember 1948 kehrt er heim.

Dann braucht er Arbeit: Durch Zufall findet er in Düsseldorf eine Lehrstelle als Chemigraf (Klischeeätzer), die er 1949 antritt. Nach dreijähriger Lehrzeit spezialisiert er sich zum Farbätzer. 1957 legt er die Meisterprüfung ab. Dann beginnt er in Stuttgart ein Ingenieurstudium der Reproduktions- und Drucktechnik. 1958 schließt er es mit der Diplomarbeit „Der Rhomboid“ ab – nach Küppers’ Überzeugung der „ideale“ Farbenraum. 1960 gründet er mit Hermann Wittemann in Frankfurt die Firma „Wittemann und Küppers Reprowerkstätten“, deren geschäftsführender Gesellschafter er ist. Das Kerngeschäft der Firma: elektronische Reproduktion in der Druckindustrie. In Küppers’ Wohnzimmer steht heute noch eine Druckpresse von etwa 1850. „Die habe ich als Andenken an die Firma behalten.“

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Ebenfalls im Jahr 1960 heiratet er seine mittlerweile verstorbene Ehefrau. Küppers hat vier Kinder und sechs Enkelkinder. 1964 kommt er nach Langen, zunächst wohnt die Familie im Forstring. 1968 zieht sie in das Haus Im Buchenhain, in dem Küppers heute noch mit seiner Lebensgefährtin wohnt. All die Jahre liegt seine Farbtheorie, die auf der Diplomarbeit fußt, in der Schublade. Erst 1972 veröffentlicht er sie im Buch „Farbe – Ursprung, Systematik, Anwendung“.

„Ich bin sicher der Mensch auf der Welt, der am allermeisten über Farbe weiß“, sagt der Jubilar, der eine Sammlung aus etwa 1200 Farbbüchern besitzt. Eines der kostbarsten Stücke ist ein Exemplar von Goethes Farbenlehre – auch wenn es im Widerspruch zu Küppers’ Theorie steht. Aber er sammelt auch anderes: Küppers hat eine Kollektion historischer Bügeleisen und Kaffeemühlen, von seinen vielen Reisen brachte er traditionelle Kopfbedeckungen mit.

Küppers veröffentlichte zehn Bücher zum Thema Farbe. Ein neues ist gerade in der Mache, das erste E-Book des morgen 90-Jährigen. Große Wünsche für die Zukunft hat er nicht: „Ich hatte ein langes, ereignisreiches Leben. Ich habe mir vorgenommen, 80 zu werden. Alles, was jetzt noch kommt, ist eine Zugabe.“ Seinen Ehrentag feiert Küppers im Kreis der Familie. Dazu reisen alle Kinder an. „Ich kümmere mich um nichts, meine Kinder richten das Fest aus. Ich lasse mich einfach überraschen!“

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