Interview

Hausarzt Dr. Denda aus Langen: Nicht genug Impfstoff für alle Anfragen

Hausarzt Dr. Gero Björn Denda aus Langen und sein Team
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Zusammen mit seinem Team will Gero Björn Denda seinen Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie leisten. Dafür hat er sogar seinen Urlaub abgesagt.

Dr. Gero Björn Denda hat seit etwa einem halben Jahr seine Hausarztpraxis in der Langener Friedrichstraße. Das prägende Thema dieser Zeit ist das Coronavirus. Im Interview spricht der Mediziner darüber, warum er zügig begonnen hat, Schnelltests in seiner Praxis anzubieten und wie er zu der Entscheidung kommt, welche Patienten einen Impftermin erhalten.

Herr Dr. Denda, warum bieten Sie Schnelltests in Ihrer Praxis an?

Wir haben mit der Testung schon im vergangenen Jahr angefangen, weil ich das Testen als notwendig dafür ansehe, Infektionsketten zu erkennen. Es entsteht eine gewisse Sicherheit, wenn wir wissen, wer krank ist und wer nicht. Schnelltests bilden zwar nur eine Momentaufnahme ab und bieten nie eine 100-prozentige Gewissheit, geben aber auch die Möglichkeit, schnell einzugreifen und so Infektionsketten zu unterbrechen. Damit werden gesunde Menschen geschützt. Ich habe Infektionen bei Patienten mitbekommen. Da waren jüngere und ältere Menschen betroffen. Es gab glückliche Verläufe, aber auch sehr schwere mit Todesfolge. Neben den AHA-Regeln können meiner Meinung nach Schnelltests helfen, sich vor dem Virus zu schützen.

Also halten Sie es für sinnvoll, Schnelltests einzusetzen, auch wenn sie nur für ein kurzes Zeitfenster aussagekräftig sind?

Ja, ich halte Schnelltests für sinnvoll. Bis die gesamte Bevölkerung geimpft ist, werden sie notwendig sein, um Infektionen zu verhindern.

Wie hoch ist der organisatorische Aufwand, den Sie betreiben, um die Tests anbieten zu können?

Wir testen draußen vor der Praxis, um möglichst wenig Aerosole in unseren Räumen zu haben. Damit soll sichergestellt werden, dass die Sprechstunde nicht beeinträchtigt wird. Während der Testung muss die Maske kurz abgenommen werden und in diesem Moment soll sich niemand anstecken. Das möchte ich verhindern, deshalb wird die Testung räumlich von den Patienten getrennt.

Wer führt bei Ihnen die Schnelltests durch?

Das mache ich teilweise persönlich oder meine Fachkräfte, die dazu befugt sind.

Wie läuft ein Test ab?

Am besten kommt man früh morgens und hat noch nichts gegessen und sich nicht die Zähne geputzt. Essensreste können bei einem Rachenabstrich stören und Mundwasser oder Ähnliches reduzieren Keime. So kann es zu einem falsch negativen Ergebnis kommen.

Was müssen Sie als Arzt dabei beachten?

Ich frage gerne nach, ob es der erste Test ist. Bei Selbsttests kann es vorkommen, dass sich Patienten verletzen. Oder es liegt eine Verengung in der Nase vor, die man beachten muss. Manche Patienten haben Angst vor dem Abstrich. Wer schlechte Erfahrungen gemacht hat, weil etwas weh getan hat, geht nicht gern wieder testen. Das möchte ich verhindern.

Wie viele Tests nehmen Sie täglich vor?

Das ist sehr unterschiedlich. Wir testen sonntagnachmittags, da kommen immer sehr viele. Auch wollen sich mehr Menschen testen lassen, wenn das Wetter schön ist.

Seit wann bieten Sie auch Corona-Impfungen an?

Wir impfen seit Anfang April, direkt von dem Zeitpunkt an, als Hausärzte impfen durften. Als ich von dem Termin erfahren habe, habe ich meinen Urlaub abgesagt, um direkt anfangen zu können. Ich will mit den Impfungen ein bisschen Normalität für die Menschen zurückbringen.

Bekommen Sie viele Anfragen zu Impfterminen?

Sehr viele. Ich würde gerne mehr impfen. Am liebsten jeden, der möchte. Aber dazu habe ich leider zu wenig Impfstoff.

Wie viel Impfstoff bekommen Sie?

Pro Woche bekomme ich 48 Impfstoffdosen von Biontech geliefert. Das ist die maximale Anzahl an Dosen. Die verimpfen wir an drei Tagen die Woche.

Hätten Sie als Hausarzt gerne früher angefangen zu impfen?

Ich hätte es gut gefunden, wenn die Hausärzte früher in die Impfkampagne integriert worden wären. Mit den Impfzentren wurde aber auch der Druck von den Praxen und den Ärzten genommen, priorisieren zu müssen. Diese Entscheidung ist sehr schwer. Andererseits habe ich den Eindruck, dass viele nicht in ein Impfzentrum fahren wollen. Impfungen wurden noch nie in Impfzentren durchgeführt. Die Patienten fühlen sich wohler, wenn sie sich beim Hausarzt impfen lassen können.

Wie wägen Sie ab, welcher Ihrer Patienten zuerst eine Impfung bekommt?

Die Impfverordnung ist bindend für Hausärzte. Mit der Öffnung für die Priorisierungsgruppen 2 und 3 darf ich immer mehr Menschen eine Impfung ermöglichen. Darunter sind viele Menschen mit etwa hohem Blutdruck oder anderen Erkrankungen. Die bekommen alle irgendwann ihren Termin. Es ist leider zu wenig Impfstoff da, um alle sofort zu impfen. Die Warteliste ist sehr lang. Es gab selten eine Impfung, auf die sich Menschen so gefreut haben wie auf diese.

Wie reagieren Ihre Patienten auf die Nachricht, dass sie geimpft werden?

Manche sind wirklich sehr aufgeregt. Es kamen auch schon Patienten im Hemd zu mir, weil es für sie ein feierlicher Anlass war. Ich freue mich mit jedem, der geimpft wird, mit und wenn ich einen Lkw voller Impfstoff hätte, würde ich sofort anfangen, alles zu verimpfen.

Das Gespräch führte Theresa Ricke

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