Straßenfest an der Romorantin-Anlage

Herzstück der Demokratie gefeiert

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Foto mit einem im Grundgesetz verbrieften Grundrecht gefällig? Bei der Feier zu Ehren des Herzstücks der deutschen Demokratie lichtete der Langener Fotograf Gareth Tynan die Besucher mit Grundrechten in Sprechblasenform ab.

Langen - Das Grundgesetz, das Herzstück der deutschen Demokratie, lässt sich zum 69. Geburtstag in ganz Deutschland feiern und ehren. Von Vanessa Kokoschka 

Unter dem Motto „Demokratie braucht Demokraten“ veranstaltete die Stadt Langen gemeinsam mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ ein Straßenfest. Besonders viele Gäste sind es nicht gerade, die der Einladung der Gastgeber gefolgt sind und sich an der Romorantin-Anlage in der Bahnstraße blicken lassen. Zwar machen laute Musik und bunte Stände dort auf das Geburtstagsfest aufmerksam, doch leider vergrault der Nieselregen die vorbeischauenden Passanten schnell wieder. Die geringe Resonanz sei dem Wetter geschuldet, ist Lea Behrend, Betreuerin des Programms „Demokratie leben“ in Langen, überzeugt. „Der 69. Jahrestag ist für uns ein guter Anlass, um zu testen, wie das Fest ankommt“, sagt Behrend im Hinblick auf das runde Jubiläum im nächsten Jahr.

Am 23. Mai 1949 ist das Grundgesetz in Kraft getreten. Damals hat der Parlamentarische Rat in Bonn die Verfassung beschlossen und von den Alliierten genehmigen lassen. Die ersten 20 Artikel regeln die Grundsätze der freiheitlichen Ordnung und sind unabänderlich.

Diese Fakten kann das „Team Grundgesetz“ mittlerweile im Schlaf runterbeten. Die sechs Mädchen haben sich in den vergangenen Wochen intensiv mit der Verfassung auseinandergesetzt. Gemeinsam haben sie sich durch Artikel und Paragrafen gekämpft, sich die bürokratischen Gesetze in die einfache Alltagssprache übersetzt und anschließend Passanten auf der Straße befragt. „Wir sind mit einer Schubkarre voller Grundgesetze durch die Stadt gelaufen, haben sie verteilt und die Leute gefragt, was das Grundgesetz für sie ausmacht“, erzählt die 13-Jährige Paula. Die Erlebnisse haben sie auf Video festgehalten. Philip Blom vom Verein Creative Change hat das Projekt unterstützt und den zehnminütigen Film zusammengeschnitten.

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Am Tag des Grundgesetzes präsentieren die sechs Mädchen den Film im Lichtburg Kino. Darin erklären sie nicht nur ihre Definition des Grundgesetzes, sondern zeigen auch ihren Ausflug ins Rathaus. Dort haben sie Bürgermeister Frieder Gebhardt besucht, um ihm auf den Zahn zu fühlen. Während Gebhardt bei Fragen wie „Können Sie uns drei Grundrechte nennen?“ oder „Was ist Würde für Sie?“ noch gut abschneidet, kommt er bei Aminas Frage ins Stottern. „Können Sie mir zwei Kinderrechte nennen?“, fragt die Elfjährige. Die stehen zwar nicht im Grundgesetz, seien aber trotzdem wichtig, findet die Gruppe. „Das ist das Einzige, was mir im Grundgesetz noch fehlt“, sagt die 13-jährige Leonie und zählt einige Kinderrechte auf, wie jenes auf Schulbesuch oder Schutz vor Gewalt und Ausbeutung.

Bei ihrer Umfrage auf Langens Straßen beschränkt die Gruppe sich auf Fragen zur Verfassung. Die meisten Passanten können Fragen wie „Was ist das Grundgesetz?“ oder „Wie heißt der erste Artikel?“ beantworten. Ein Teil allerdings zuckt im Film ahnungslos mit den Schultern. „Darum finde ich es wichtig, rauszugehen und die Leute aufzuklären“, sagt Paula. Einen Teil der Aufklärungsarbeit leistet das Fest. An der Romorantin-Anlage können sich Besucher unter anderem mit dem Grundrecht in Sprechblasenform, das für sie den größten Stellenwert hat, von dem Fotografen Gareth Tynan ablichten lassen.

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