Chaos an den Badeseen

Mega-Chaos an Badeseen in Hessen: Harte Bandagen im Kampf gegen Parksünder

Nach dem Park-Chaos an den Badeseen in Hessen wollen Städte und Gemeinden mithilfe der Polizei verstärkt gegen die Parksünder vorgehen.

Kein Corona-Abstand und Park-Chaos: Der Langener Waldsee bleibt wegen rücksichtsloser Gäste geschlossen.

Langen – Sommerliches Wetter und Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke haben tausende Menschen an die Badeseen in Hessen gelockt. Neben den nicht einhaltbaren Corona-Abstandsregelungen haderten die Städte und Gemeinden vor allem mit der Situation auf den naheliegenden Parkplätzen, Bundesstraßen, Feldwegen und in den umliegenden Wäldern. Der Langener Waldsee hat wegen der chaotischen Verhältnisse am Dienstag vorerst seine Tore geschlossen, andere Kommunen blicken genau hin.

In Langen machten sich Badegäste trotz der Bitte, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu kommen, mit dem Auto auf den Weg. Die Fahrzeuge standen auf der teils vierspurigen Bundesstraße 44 und wurden auf Waldwegen abgestellt – trotz Waldbrandgefahr. Rettungswege waren versperrt. Die Polizei verteilte in wenigen Stunden hunderte Strafzettel.

Nach dem Park-Chaos am Langener Waldsee: Hessische Badessen bereiten Maßnahmen vor

Bürgermeister Jan Werner (parteilos) entschuldigte sich per Mitteilung für die Schließung des Langener Waldsees, sah aber keinen anderen Weg. „Es wäre sicher neben dem Aspekt der Sicherheit für viele lehrreich gewesen, mit Sack und Pack vom See zu kommen und das Auto ist weg. Stattdessen kapituliert man und macht den Laden dicht“, wurde via Twitter kritisiert. Auch die nicht mehr zu gewährleistenden Abstände aufgrund der Corona-Pandemie bereiteten der Stadt Sorgen.

An den vielen anderen Badeseen in Hessen führen Städte und Gemeinden jetzt verschärfte Kontrollen seitens der Polizei ein und kämpfen mit härteren Bandagen. Schließungen nach dem Vorbild des Langener Waldsees kommen vorerst allerdings nicht infrage.

Vorerst keine Schließung der Badeseen in Hessen: Polizei und Ordnungsamt sollen helfen

Am Edersee (Kreis Waldeck-Frankenberg) hat die Sommerhitze der vergangenen Tage für einen starken Besucheransturm gesorgt. Der Geschäftsführer der Edersee Touristic GmbH, Claus Günther, sprach von einem „starken Druck der Tagesbesucher“. Vor allem an den Wochenenden habe es nicht ausreichend Parkmöglichkeiten gegeben. Dadurch bedingt, dass auch die rund um den See angebotenen Stellplätze für Wohnmobile überlastet waren und daher die anderen Parkplätze mitbenutzt wurden.

Ähnlich sieht die Situation auch an der Grube Prinz von Hessen in Darmstadt aus. „In Darmstadt spielt die Waldbrandgefahr eine Rolle. Hinzu kommt das zuweilen rücksichtslose Zuparken von Rettungs- und Radwegen“, sagte ein Sprecher der Stadt. Eine Schließung der Grube Prinz von Hessen sei derzeit nicht geplant. Zunächst versucht die Stadt, durch stärkere Kontrollen des Ordnungsamtes und der Polizei sowie durch eindringlichere Appelle Herr der Lage zu werden.

Park-Chaos an Badeseen in Hessen: Betreiber wollen Kontrollen verschärfen

„Die Stadt beobachtet aber die Situation sehr genau.“ Aus dem Corona-Krisenstab Darmstadts hieß es schon zum Wochenstart, der Andrang sei so groß gewesen, dass es praktisch unmöglich wurde, die Corona-Regelungen durchzusetzen. Noch problematischer sei allerdings die Parksituation gewesen. Hier seien beide Straßenseiten inklusive der Fahrradwege mit zeitweise bis zu 300 Autos zugeparkt worden.

Auch der Twistesee bei Bad Arolsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg war am vergangenen Wochenende stark frequentiert. Dabei kam es zu zahlreichen Parkverstößen, wie der parteilose Bürgermeister Jürgen van der Horst der hessenschau sagte. „Für das kommende Wochenende haben wir eine weitere Verstärkung der Kontrolltätigkeit der Sicherheitsbehörden vorgesehen.“ Das schließe insbesondere das konsequente Abschleppen von Autos ein, die im Bereich von Rettungswegen abgestellt werden. „Wir sind logistisch auf eine größere Zahl von abzuschleppenden Fahrzeugen vorbereitet“, drohte er Parksündern im Vorfeld.

Badeseen in Hessen: Bei zu großem Andrang werden die Zufahrten gesperrt

Am Bärensee in Bruchköbel (Main-Kinzig-Kreis) hat man in Zeiten der Corona-Pandemie die Tore des Badesees für Tagesgäste ohnehin dicht gemacht. „Wir sind einer der größten Campingplätze“, sagte der Leiter der wirtschaftlichen Betriebe der Stadt, Ralf Keim. Trotzdem seien derzeit gut 3000 Dauercamper auf dem Platz am Bärensee, die dort ihren Jahresurlaub verbringen, weil sie wegen der Ausbreitung des Coronavirus nicht ins Ausland fahren. Zusätzlich auch externen Badegästen den EInlass zu gewähren, würde laut Ralf Keim die „Kapazitäten sprengen.“

Gut auf den Besucheransturm vorbereitet sieht man sich dagegen am Strandbad Spessartblick in Großkrotzenburg im Main-Kinzig-Kreis. Mit knapp 2000 Parkplätzen für Autos sieht man sich hier gut gerüstet für die zahlreichen Badegäste. Sollte dies nicht reichen, werden weitere Besucher mithilfe des Ordnungsamtes abgewiesen. Ebenfalls soll die Zufahrt zu dem Badesee gesperrt werden.

Bei Überfüllung oder Schließung der Badeseen in Hessen: Behörden warnen vor Alternativen

Doch im Falle einer Schließung oder Überfüllung der Badeseen in Hessen warnen die Behörden davor, nicht als Badegewässer ausgewiesene Alternativen aufzusuchen. In Flüssen bestehe die Gefahr von Strömungen durch den Schiffsverkehr oder auch wegen Hygienemängeln. Und auch bei den Seen würden nur die Badeseen auf Verunreinigungen überwacht, sagte Winfried Staudt vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. 48 der 61 überwachten Badegewässer in Hessen sind derzeit auch geöffnet.

Nach einem tödlichen Badeunfall an einem Baggersee bei Groß-Rohrheim im Kreis Bergstraße ziehen die Verantwortlichen noch vor dem Wochenende die Reißleine. Der See wird eingezäunt. „Baden war da schon immer verboten“, sagte der Bürgermeister der Gemeinde, Rainer Bersch. Dort war ein 17 Jahre alter Nichtschwimmer ertrunken, der sich bei der Sommerhitze abkühlen wollte. Die alarmierten Rettungskräfte konnten den jungen Mann nur noch tot bergen. (dpa/Yannick Wenig)

Badeunfall in Kelsterbach: Passanten haben eine leblose Person im Mönchwaldsee entdeckt.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler / dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare