Evangelische Reihe „Erinnerungen an jüdisches Leben in Langen“ wird fortgesetzt

Historischer Gang zur ehemaligen Synagoge

Langen - Am 9. November jährt sich zum 80. Mal jene Schreckensnacht, in der 1400 Synagogen in Deutschland zerstört wurden. Auch die Langener Synagoge ging in Flammen auf.

Im Vorfeld des besonderen Gedenktags lädt die Evangelische Gemeinde im Rahmen ihrer Reihe „Erinnerungen an jüdisches Leben in Langen“ zum historischen Gang zur ehemaligen Synagoge ein. Termin ist der morgige Freitag, 5. Oktober. Gerade mal 36 Jahre alt war das jüdische Gebetshaus in Langen, als es in der Pogromnacht 1938 in Brand gesteckt wurde – mit Rücksicht auf die Gefühle der lokalen SS-Schergen übernahmen das die Feuerwehrleute aus Sprendlingen. Löschfahrzeuge zum Schutz der Nachbargebäude hatten sie gleich mitgebracht.

„Im Vorfeld der Erinnerung an diesen Tag der Schande, an dem der Zivilisationsbruch des sogenannten Dritten Reichs auch in Langen endgültige Wirklichkeit geworden war, soll dem Geschehen durch einen historischen Gang nachgespürt werden“, lädt das evangelische Organisationsteam um Friederike Geppert und Martina Hofmann-Becker ein.

„Mit großer Festfreude lud die damalige israelitische Gemeinde 1902 alle Langener zur feierlichen Einweihung der neu erbauten Synagoge in der Dieburger Straße ein“, erinnert Geppert. „Die Bevölkerung wurde zum Schmücken der Straßen aufgerufen.“ Ein feierlicher Zug setzte sich in Bewegung, als die Thora-Rollen vom damaligen Betsaal in der Borngasse zur neu erbauten Synagoge in der Dieburger Straße getragen wurden.

„Man kann sich das vielleicht noch besser vorstellen, wenn wir diesen Weg vom ehemaligen Betsaal einmal nachgehen“, ergänzt Hofmann-Becker. „Vor der Borngasse werden Jugendliche die feierlichen Reden und Bekanntmachungen in der Langener Zeitung verlesen, die damals zu diesem Ereignis einluden.“

Bilder: Neue Thora für jüdische Gemeinde in Offenbach

Treffpunkt ist morgen um 16 Uhr in der Stadtkirche. Dort soll zunächst der kurze 3 D-Film über die Synagoge gezeigt werden, den die Stadt Langen vor einigen Jahren anfertigen ließ. Gemeinsam geht es sodann in die Borngasse, wo Texte verlesen und Blumen verteilt werden. Als historischer Gang setzt sich der Zug dann in Richtung Dieburger Straße in Bewegung. Der ehrenamtliche Stadtarchivar Heribert Gött wird die Teilnehmer an der Gedenkstätte der Synagoge empfangen und Näheres zu deren Geschichte erläutern.

Die Erinnerung an das jüdische Leben in Langen knüpft mit dem historischen Gang zur Synagoge an den Besuch des jüdischen Friedhofs vor einer Woche an. Zum Abschluss der Reihe laden die Organisatorinnen für Freitag, 19. Oktober, 16 Uhr, zum Gespräch in das Katharina-von-Bora-Haus, Westendstraße 70 ein. (hob)

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