Feldbergstraße

Hochhaus-Temperatur im Keller

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In der Feldbergstraße 35 streikt in einem Teil der Haushalte die Heizung. Die Baugenossenschaft Langen bekommt das Problem seit Wochen nicht in den Griff. Freie Wohnungen im 13. und 14. Stock werden vorerst nicht vermietet Die neue Heizzentrale liegt in Sichtweite der Hochhaus-Bewohner. An ihrer Kapazität liegt’s nicht, dass sie frieren müssen. Vielmehr sollen marode Leitungen im Haus verantwortlich sein.  

Langen - Jeder, der bei dem nasskalten Wetter der vergangenen Tage draußen ist, freut sich darauf, heim zu kommen und sich in den eigenen vier Wänden aufzuwärmen. Fatal ist freilich, wenn die Heizung just in der Winterzeit ihren Dienst quittiert. Von Cora Werwitzke 

Diese bittere Erfahrung muss im Moment ein Teil der Bewohner im Hochhaus Feldbergstraße 35 machen. Das Drehen am Thermostat bringt nichts, je höher die Wohung in dem 14-stöckigen Gebäude liegt, desto eher wandert die Raumtemperatur in den Keller.

„Seit zehn Tagen geht die Heizung schon nicht mehr – und das bei den derzeitigen Temperaturen!“, empört sich eine Anruferin am Redaktionstelefon. In einer Etage weiter oben sei eine 91-jährige Frau seit Tagen am Frieren. Vonseiten der Baugenossenschaft werde kaum etwas unternommen: „Das ist ein Unding, wie seelenruhig sie dort die Beschwerden über sich ergehen lassen.“ Vereinzelt seien unter den Bewohnern Radiatoren verteilt worden, berichtet die Anruferin. „Aber die Baugenossenschaft hat sich nicht die Arbeit gemacht, mal weiter nachzufragen, wer denn alles so ein Heizgerät bräuchte.“

Die Schilderungen lassen schon deshalb aufhorchen, weil erst 2013 die Einweihung des Blockheizkraftwerks auf der gegenüberliegenden Seite der Hans-Kreiling-Allee gefeiert wurde. Die dort erzeugte Wärme reicht theoretisch für rund 150 Haushalte und soll allen voran den 100 Wohnungen in der Feldbergstraße 35 zugute kommen. Wie sich herausgestellt hat, hapert’s zum Leidwesen der Bewohner aber am Wärmetransport. Auf Anfrage räumt Wolf-Bodo Friers, Vorstandsvorsitzender der Baugenossenschaft Langen, ohne Umschweife ein, dass die Konstellation aus neuer Heiztechnologie, aber veralteten Leitungen im Hochhaus Schwierigkeiten bereite. „Die von uns beauftragte Heizungsfirma ist fast jeden Tag vor Ort, um zumindest punktuell gegenzusteuern“, sagt Friers – „aber ohne Frage, die Situation ist unbefriedigend.“

Wohnungen werden feucht

Vor der Anbindung an die neue Heizzentrale sorgte ein in die Jahre gekommener Kessel im Keller für Wärme im Hochhaus. Nach den Worten von Wolf-Bodo Friers verbrauchte er Unmengen an Energie und heizte mit 90 Grad – ein aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht horrender Wert. Nichtsdestotrotz kam auf diese Weise trotz Temperaturverlust in den nicht-isolierten Leitungen des Hauses Restwärme auch in den oberen Etagen an. „Das Blockheizkraftwerk arbeitet nun aber mit einer niedrigeren Ausgangstemperatur“, kommt Friers auf den Kern des Problems zu sprechen. Die Heizungen der betroffenen Wohnungen seien also nicht kaputt – sondern die Wärme komme durch die marode Hausinfrastruktur – durch alte Pumpen, Regler und Leitungen – einfach nicht an.

Dass es dringenden Handlungsbedarf gibt, wird von der Baugenossenschaft nicht bestritten. „Wir werden die ganze Hausinfrastruktur auswechseln“, kündigt Friers an, auch die Fassadendämmung soll erneuert werden. Für sämtliche Sanierungen an dem Hochhaus will die Baugenossenschaft in den kommenden drei Jahren nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden zwölf Millionen Euro in die Hand nehmen. „Wir wollen unmittelbar nach der Heizperiode beginnen – und hoffen, dass wir dann mit dem Nötigsten bis zur nächsten Heizperiode durch sind“, so Friers. Schön und gut, werden sich die Bewohner denken, aber was ist mit dem akuten Heizungsausfall? Betroffen sind nicht ausschließlich die oberen Stockwerke, sondern teils sogar die erste und zweite Etage. Die Wohnungen werden zunehmend feucht, selbst wenn ein Radiator provisorisch ein Zimmer beheizt. Nicht auszudenken, wenn die Außentemperatur nochmal dauerhaft unter Null sackt.

Die einen Wohnungen warm, die anderen nicht – so richtig erklären kann sich das die Baugenossenschaft nach den Worten von Friers auch nicht. „Das Gebäude stammt aus den 70er Jahren, das Leitungsnetz ist ein Flickwerk.“ Vorgestern hat der Vorstand nun kurzfristig entschieden, sämtliche Pumpen austauschen zu lassen, in der Hoffnung, damit schnelle Abhilfe zu schaffen. Ferner werden freie Wohnungen in der 13. und 14. Etage vorerst nicht wieder vermietet. Was sonst bleibe, sei, auf Radiatoren zurückzugreifen. „Wir verteilen sie – und zahlen den Strom, den sie verbrauchen“, sagt Friers. Zudem gehe ein Schreiben an alle Mieter raus, in dem über Minderungsansprüche informiert werde.

Das zwischenzeitlich bei Bewohnern als Ursache ausgemachte Blockheizkraftwerk auf der anderen Straßenseite versorgt derweil nicht nur das Hochhaus, sondern auch das Sportzentrum Nord und das Jugendzentrum. Mit der Kapazität der Heizzentrale haben die Schwierigkeiten in der Feldbergstraße 35 nichts zu tun, bekräftigt neben der Baugenossenschaft auch Stadtwerke-Chef Manfred Pusdrowski. Im Laufe des Jahres soll die neue Heizzentrale noch zwei weitere Gebäude links und rechts der Elisabeth-Selbert-Allee mit beheizen.

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