Insekten

Hornissen-Attacke im Schrebergarten – Spezialist muss eingreifen

Die Hornissen in der Gartenhütte ahnen noch nicht, dass ihnen ein großer Umzug ins Haus steht.
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Die Hornissen in der Gartenhütte ahnen noch nicht, dass ihnen ein großer Umzug ins Haus steht.

Weil sie die Tochter der Besitzerin attackiert haben, muss eine Hornissen-Familie einen Schrebergarten in Langen verlassen. Die Umsiedlung übernimmt Peter Tauchert. Wir haben ihm über die Schulter geschaut.

  • 20 bis 30 Hornissen greifen in Langen plötzlich eine Frau an
  • Die Schrebergärtner müssen einen Spezialisten rufen
  • Er hat einen Plan

Langen – So langsam aber sicher macht sich Panik breit in der Türritze. Eben haben sich die braun-gelben Brummer noch in der Morgensonne gefläzt, nun werden sie unruhig. Das leise Surren eines Staubsaugers kündigt den Insekten an: Hier stimmt etwas nicht. „Sie sind schon sehr nervös“, sagt Peter Tauchert. „Und gleich werden sie teuflisch.“ Denn nach diesem Tag wird für die Hornissenfamilie nichts mehr sein, wie es war. Dann werden sie nicht mehr in Langen wohnen, sondern in Rodgau.

Langen: Aufgescheuchte Hornissen werden aggressiv - Spezialist greift ein

Tauchert steht in einem Schrebergarten nahe der Adolf-Reichwein-Schule in Langen und nimmt einen langen Plastikschlauch in die Hand. In dem durchsichtigen Röhrchen beginnt die Reise der Flügeltiere. Umzugshelfer Tauchert fährt zwischen Tür und Türrahmen einer dunkelbraunen Gartenhütte entlang und saugt eine Hornisse nach der anderen ein: flupp, flupp, flupp. Eine hölzerne Box ist zwischengeschaltet und sammelt die Insekten auf.

Langsam werden die aufgescheuchten Hornissen aggressiver. „Jetzt kriege ich Haue“, sagt der 59-jährige und lacht. Denn ihm kann nichts passieren. Tauchert ist dick eingepackt – mit weißer Imkerjacke, einem stabilen Netz über dem Kopf, gelben Handschuhen und beiger Arbeitshose. „Ich merke, wie sie reinstechen“, sagt er. Doch zu seiner Haut dringen die Stachel nicht durch.

Langen: Hornissen kreisen um den Kopf des Spezialisten

Peter Tauchert ist eigentlich Berufsfeuerwehrmann, vor 27 Jahren hat er sich hobbymäßig auf das artgerechte Umsiedeln von Hornissen und Wespen spezialisiert. Es habe ihm leidgetan, dass bei der Insektenbekämpfung so oft Gift und Gas zum Einsatz kämen, erzählt der Rodgauer. „Also habe ich mir ein Buch gekauft, es fünfmal verschlungen und meine eigene Saugertechnik entwickelt.“

Während Tauchert so vor sich hinsaugt, kreisen immer mehr aufgescheuchte Hornissen um seinen Kopf herum. Hinter einem Beet steht Gabi Vogel und schaut aus sicherer Entfernung zu. Neben ihr stehen ihre Mutter Helene Kensy, die den Garten seit 35 Jahren gepachtet hat, und Annemarie Boos, der das Grundstück gehört. „So eine Aktion hatten wir hier noch nie“, sagt Vogel.

Langen: Hornissen sind schon seit Mai da

Die Hornissen seien schon seit Mai da, erzählt die 60-Jährige. Am Anfang war es nur eine Handvoll. „Wir haben uns nichts dabei gedacht, weil hier immer viele Insekten sind.“ Irgendwann entdeckte die Familie unterm Dach der Gartenhütte aber das Nest und eine schlagartige Vermehrung. „Wir haben sie einfach in Ruhe gelassen. Sie waren nicht aggressiv.“

Faszinierender Anblick: Hornissen-Experte Peter Tauchert präsentiert das leere, herausgelöste Nest. Annemarie Boos, Helene Kensy und Gabi Vogel (von links) trauen sich nur vorsichtig heran – Vogel war kürzlich von den Hornissen attackiert worden.

Kürzlich ging Gabi Vogel dann doch einmal in die Hütte. Plötzlich stürzten sich 20, 30 Hornissen auf sie – und stachen zu: in den Hinterkopf, die Schläfe, in Arme und Beine. Ein Krankenwagen musste kommen, Vogel hatte starke Schwellungen im Gesicht und Schmerzen an Händen und Füßen. Fünf Tage hielt die Tortur an. Da entschied die Familie: Die Hornissen müssen weg. Da die Tiere unter Artenschutz stehen, gab das Kreis-Umweltamt den Tipp, Tauchert zu kontaktieren.

Hornissen in Langen: „Jetzt ist ordentlich was los“

Der saugt munter weiter, mittlerweile sind schon Dutzende Hornissen in die Box gewandert. Nun öffnet Tauchert die Tür zur Gartenhütte. Auf einmal steht er in einer gelb-braunen Wolke, ein ganzer Schwall an Hornissen zirkuliert um seinen Körper. „Jetzt ist ordentlich was los“, ruft Tauchert. Als er mit einem Bein in die Hütte tritt, schlägt Gabi Vogel die Hände zusammen. Beim Anblick der Hornissen kommen die Erinnerungen hoch.

Langen: Unterm Hüttendach hängt das Hornissen-Zuhause

Tauchert hat sich mit seinem Sauger bis unters Hüttendach vorgearbeitet. Dort hängt es, das Hornissen-Zuhause. „Ein ganz tolles, intaktes Nest“, schwärmt er, „fünf Waben-Etagen...“ Man hört die Faszination. Die Attacken werden weniger, die erste „Verteidigungswelle“ sei gebrochen. Zwischen 50 und 80 Hornissen seien das gewesen, schätzt Tauchert. „Wenn man ans Nest rangeht, kommt noch mal eine zweite Welle mit ungefähr 30.“

Tauchert ruft Andreas Merkt dazu. Der Taunussteiner assistiert ihm, weil er vom Experten das Handwerk lernen will. Er hält nun den Saugschlauch und sammelt die letzten Hornissen ein, während Tauchert mit einer dünnen Säge vorsichtig die Außenwände des Nests abtrennt. Dünne Fetzen fallen zu Boden. Zwischen 700 und 800 Larven seien im Nest, schätzt Tauchert, dazu 20 bis 30 Jungtiere, „aber die können noch nicht stechen“.

Langen: Die Experten suchen die Königin der Hornissen

Die beiden suchen nach etwas anderem: der Königin. Ohne die kann die Hornissen-Kolonie schließlich nicht weiterleben. „Na Dicke, wo biste?“, fragt Tauchert. Dann lässt sie sich kurz blicken: Die größere, dunklere und rötlichere Hornisse hatte sich in der obersten Etage des Nests verkrochen. Merkt hebt den Schlauch, es macht noch einmal „flupp“ – und die Königin wird in die Holzbox bugsiert. Für Merkt ist es das erste Mal, dass er eine Königin einfängt. „Erhaben und schön“ habe sich das angefühlt.

Tauchert löst das Nest und setzt es in einen Holzkasten. Später wird er diesen an seiner Garage anbringen, wo die Hornissen weiterleben dürfen. Seinen Garten teilt sich Tauchert bereits mit fünf Feldwespennestern. Merkt saugt die letzten Hornissen ein, die noch eintrudeln. „Die sind jetzt ganz verwirrt, weil das Nest weg ist“, sagt Merkt. Tauchert zieht die Jacke aus und strahlt. „Eine super Umsiedlung“, sagt er, „das wird ein tolles Nest.“

Peter Tauchert ist unter der Telefonnummer 0172 9659198 oder per Mail an info@aktion-wespenschutz.de zu erreichen. Weitere Infos gibt es unter:» aktion-wespenschutz.de (Von Manuel Schubert)

Nicht nur Hornissen, auch Wespen können sehr unangenehm werden. Mit unseren Tipps schützen sie sich.

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