Fördergeld vom Land

Mehr Aufenthaltsqualität: Wird die Bahnstraße zur Einbahnstraße?

Wird die Bahnstraße dauerhaft zur Einbahnstraße? Die Stadt möchte die aktuelle Verkehrsführung nutzen und durch temporäre Projekte sowie die Befragung von Bürgern und Gewerbetreibenden Erfahrungen sammeln.
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Die Bahnstraße ist der Kern der Innenstadt von Langen. Die Stadt überlegt aktuell, wie dort der Verkehr reduziert werden kann.

In Langen (Offenbach) könnte der Verkehr auf der Bahnstraße bald nur noch in eine Richtung laufen. Auch ansonsten gibt es große Pläne für die Innenstadt.

Langen – In der oberen Bahnstraße wird aktuell tüchtig gebaut. Die drei Projekte der Firma Salco schaffen auch neue und deutlich größere Verkaufsflächen sowie rund 100 Wohneinheiten, Büros und Arztpraxen – und werden so das Gesicht der Langener Innenstadt maßgeblich verändern. Zugleich wird diskutiert, ob die obere Bahnstraße nicht dauerhaft Einbahnstraße bleiben könnte.

Die Stadt möchte den aktuellen Umbauprozess nutzen, um die obere Bahnstraße zukunftsfähig zu gestalten. Zunächst sollen dabei temporäre Projekte zwischen Romorantin-/Long-Eaton-Anlage und Lutherplatz Erkenntnisse für dauerhafte Maßnahmen liefern. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität deutlich zu erhöhen. Dabei hofft die Stadt auf Unterstützung vom Land. „Wir haben uns für das Landesprogramm ,Zukunft Innenstadt‘ beworben und 250 000 Euro zur Umsetzung eines Maßnahmenpakets für die Entwicklung unserer Innenstadt beantragt“, sagt Bürgermeister Jan Werner.

Die großen Bauprojekte werden nach Abschluss mehr Passanten in die Innenstadt locken, glaubt die Stadtspitze – „ein positiver Aspekt für die dort ansässigen, oft noch inhabergeführten Fachgeschäfte“, betont Joachim Kolbe, im Rathaus Fachbereichsleiter unter anderem für Stadtentwicklung und Wirtschaft.

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Bereits jetzt wird kontrovers diskutiert, wie der zusätzliche Verkehr auf der Bahnstraße abgewickelt und gleichzeitig eine höhere Aufenthaltsqualität erreicht werden kann. Aktuell ist der Bereich zwischen Zimmerstraße und Lutherplatz aufgrund der Großbaustellen Einbahnstraße. Die Stadt möchte nun prüfen, ob dies eine Option auch für die Zukunft ist.

Passender Fraktionsantrag im Ausschuss 

Die WiLa-Fraktion hatte in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Bau und Verkehr einen Antrag eingebracht, dass die obere Bahnstraße (zwischen Zimmerstraße/alternativ Neckarstraße und Lutherplatz) auch nach Ende der aktuellen Baustellen als Einbahnstraße erhalten bleibt. Dies begründete die Wählerinitiative damit, dass weder Anwohner noch betroffene Geschäftsleute nennenswerte Kritik am Provisorium äußerten und es so mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger gebe. Im Ausschuss wurde die Drucksache allerdings einstimmig abgelehnt. In der Stadtverordnetenversammlung hat die WiLa den Antrag daraufhin zurückgezogen. (jrd)

Das „Experiment“ Einbahnstraße gab es bereits früher. Doch der im Jahr 2005 gestartete Probelauf wurde 2007 vorzeitig beendet, weil Gewerbetreibende sowie Anwohner sich gegen das Vorhaben aussprachen. Ein Grund damals waren Belastungen durch den Stadtbusverkehr in angrenzenden Straßen, die es heute so aber nicht mehr gibt. „Zudem wurde der Testlauf damals von keinerlei versuchsweisen Installationen, kommunikativen oder kulturellen Aktionen begleitet, sodass die Bevölkerung den Mehrwert der Maßnahme, also mehr öffentlicher Raum und weniger Verkehrsbelastung, schwerlich erkennen konnte“, erinnert Kolbe. Dies soll dieses Mal anders werden: „Wir haben jetzt die einmalige Chance, die obere Bahnstraße vollkommen neu als Erlebnisraum zu denken“, sagt Kolbe. Ein Ziel ist es, dort und in den direkt angrenzenden Bereichen temporär nutzbare Flächen zu schaffen, damit die Langener den öffentlichen Raum deutlich wahrnehmen. Dies könne dann auch Vorbild für weitere öffentliche Räume in Langen sein.

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Mit finanzieller Unterstützung des Landes möchte die Stadt in den kommenden Monaten im Dialog mit der Bevölkerung sowie den Gewerbetreibenden ermitteln, wie eine optimale Lösung für die Verkehrsführung und den Bereich zwischen Romorantin-/Long-Eaton-Anlage und Lutherplatz aussehen kann. „Zunächst möchten wir einen Dialogprozess initiieren und mit Interviews, Expertengesprächen und einer Befragung ein Stimmungsbild zum Thema Einbahnstraßenregelung gewinnen“, erläutert der Fachbereichsleiter. Befragungen im Spätherbst sowie vor Beendigung des Einbahnstraßentestlaufs sollen zeigen, ob sich das öffentliche Meinungsbild ändert.

Im Rahmen der Projektplanung soll mit fachlicher Unterstützung die experimentelle Gestaltung des öffentlichen Raumes konzeptionell vorbereitet werden. „Wir möchten wissen: Welche Flächen bieten sich für Einzelhandel, Märkte, Kunst, Gastronomie, welche Möglichkeiten gibt es dort, welche Aktionen können dort stattfinden?“, erklärt Kolbe.

Langen (Offenbach): Einseitiger Verkehr in der Innenstadt könnte „nachhaltige Realität“ werden

Im dritten Baustein soll der Stadtraum durch temporäre Eingriffe, Installationen und Inszenierungen mit den Möglichkeiten des Messebaus, des Theaters, der Eventmöblierungen sowie durch künstlerische und kulturelle Angebote in verschiedenen Konstellationen erprobt und bespielt werden. „Stadtgestaltung soll dadurch ohne größere Kosten fast spielerisch erlebbar gemacht werden, Freude und Überraschungsmomente sollen entstehen, Neugierde geweckt und schließlich Grundlagen und Konsens über einen dauerhaften Umbau der oberen Bahnstraße geschaffen und bewirkt werden“, kündigt Kolbe an. Zudem sollen in den kommenden 18 Monaten temporäre Leerständen genutzt werden – ein Kunstkaufhaus oder ein Marktforschungslädchen zur Befragung der Bevölkerung seien denkbar.

Bei all dem sollen die wichtigen Akteure und Interessensvertretungen wie Gewerbeverein, Verkehrs- und Verschönerungsverein, Citymarketing-Initiative, die Gewerbetreibenden und Immobilieneigentümer auch in umliegenden Straßen, aber auch Kitas, Schulen und Kirchen mit einbezogen werden. „Wenn sich am Ende alle für die Beibehaltung der Einbahnstraßenregelung aussprechen, kann aus diesem zeitweiligen Versuch schließlich nachhaltige Realität werden“, verdeutlicht Bürgermeister Werner, was sich die Stadt vom Landesprogramm erhofft. (jrd)

Auch an anderer Stelle arbeitet die Stadt an der Verkehrswende: Langen bekommt Elektrobusse, doch auch hier gibt es Diskussionsbedarf.

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