Silberstreif am Gewerbe-Horizont

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Hier wäre viel Platz für neue Bürogebäude: Das Areal nördlich des Monza-Parks (einst für dessen Erweiterung vorgesehen) wird zwangsversteigert. Und es gibt einen Interessenten, der ein Auge darauf geworfen hat.

Langen - Das sieht nach guten Nachrichten für den Gewerbestandort Langen aus: Die seit Jahren brachliegende Fläche in der Pittlerstraße nördlich des Monza-Parks könnte in absehbarer Zeit für die Neuansiedlung von Unternehmen zur Verfügung stehen. Von Markus Schaible

Bislang war das knapp 50.000 Quadratmeter große Areal als Teil einer Insolvenzmasse („Köllmann-Insolvenz“) nicht auf dem freien Markt verfügbar. Der Zwangsversteigerungstermin am Donnerstag vor dem Amtsgericht Langen brachte zwar noch keinen Zuschlag, aber doch überraschenderweise einen Interessenten, der nun mit den Gläubigern (unter anderem die Landesbank Hessen-Thüringen, kurz Helaba) verhandeln wird.

Groß ist der Andrang nicht gerade im Saal B des Amtsgerichts, als es um dieses von der Stadt gerne als „Filetstück“ titulierte Areal geht: Sieben Zuschauer verteilen sich auf den Stühlen, darunter zwei Vertreter der Stadtverwaltung und der Autor dieser Zeilen. Dazu als Verfahrensbeteiligter ein Vertreter der Helaba und Rechtspflegerin Koke. Die muss erst einmal viel vorlesen, ehe die eigentliche Versteigerung beginnen kann. Denn die Fläche verteilt sich in zwei Tranchen auf mehrere Flurstücke – die Teile sind zwischen zwei und 21.431 Quadratmeter groß, werden aber nur als Ganzes versteigert. Ein Bereich ist mit einem Getränkemarkt bebaut, ein weiterer wird als Lagerplatz für Container genutzt, der große Rest ist unbebaut.

Der Verkehrswert liegt laut Gutachten bei knapp 8,3 Millionen Euro. Die gesamte Grundschuld, die auf den Schuldner (die Monza-Park Objekt 1 KG aus Wiesbaden, die das Areal einst als Erweiterungsfläche für den bestehenden Gewerbekomplex nutzen wollte) im Grundbuch eingetragen ist, beläuft sich auf rund 30 Millionen.

Stadt hofft auf Einigung

Die verfällt natürlich, der potenzielle Käufer hat nur den reinen Kaufpreis zu bezahlen. Der ist bei diesem ersten Termin an zwei Grenzen gebunden. Laut Gesetz kann ein Gebot nur den Zuschlag erhalten, wenn es mindestens 50 Prozent des Verkehrswertes beträgt – bei exakt 8.295.000 Euro sind dies 4.147.500 Euro. Zudem können die Gläubiger einen Preis von mindestens 70 Prozent verlangen – in diesem Fall 5.806.500 Euro. Zehn Prozent müsste der Käufer gleich vor Ort im Gericht bezahlen. So weit aber kommt es an diesem Tag nicht.

500.000 Euro sind es, die Ralph Gumb bietet – Rechtspflegerin Koke weist es sogleich zurück, ebenso der Helaba-Vertreter. Doch die beiden Herren haben während der halbstündigen Biet-Dauer ein Gespräch geführt – und sind sich schnell über einen weiteren Versteigerungstermin im Juni einig. Dann fallen die Mindestgrenzen weg. Gumb will die Zeit nutzen, um die Unterlagen zu prüfen. Er ist Geschäftsführer der MP Holding GmbH im badischen Walldorf, die bereits einige Meter weiter südlich das ehemalige Woolworth-Areal besitzt und dort einen Multipark genannten Komplex mit Ausstellungs-, Service-, Büro-, Produktions- und Lagerflächen errichten will. Etwas Ähnliches schwebt ihm auch für das Köllmann-Areal vor: „Natürlich müsste man das Gelände anders als jetzt strukturieren“, sagt Gumb.

Jetzt gilt es für beide Seiten auszuloten, inwieweit die Preisvorstellungen des jeweils anderen mit der eigenen „Schmerzgrenze“ vereinbar sind. Bei der Stadt hofft man jedenfalls inständig auf eine Einigung: „Es ist ganz in unserem Sinn, dass da jetzt Bewegung reinkommt und das Gebiet vielleicht endlich auf dem freien Markt verfügbar sein wird“, sagt Wolfgang Hayer von der Wirtschaftsförderung. Denn nur dann kann es interessierten Firmen angeboten werden.

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