Ironman-Spektakel am Waldsee

Der Letzte liefert Maßarbeit

Auf die Sekunde geliefert: Nach exakt 2:20 Stunden steigt Yusran Yusoff als letzter Ironman-Schwimmer aus dem Waldsee.
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Auf die Sekunde geliefert: Nach exakt 2:20 Stunden steigt Yusran Yusoff als letzter Ironman-Schwimmer aus dem Waldsee.

Langen - Der „längste Tag des Jahres“ beginnt traditionell am Waldsee. Von Holger Borchard

Dort fallen die Startschüsse zur Ironman-Europameisterschaft, stürzen sich zirka 2 800 Sportler ins Wasser, um jene 3,8 Kilometer zu schwimmen, die die Tortur eröffnen, die erst nach weiteren 180 Rad-Kilometern plus Marathonlauf ein Ende hat. Gestern war das Dutzend voll – mehr als 10.000 Zuschauer machten die erste Etappe der zwölften Ironman-EM einmal mehr zum Spektakel.

„Auf geht’s Langen, wir bringen ihn nach Hause“. 9.19 Uhr zeigt die Uhr auf der Anzeigetafel im Strandbad, der Wettbewerb läuft also seit exakt 2:19 Stunden und alle wissen: Der letzte Schwimmer, der da auf seinen letzten Metern im Wassern ist, muss alles geben, um innerhalb der 2:20 Stunden aus dem Wasser zu kommen und in der Wertung zu bleiben. Die immer noch zahlreichen Zuschauer und die vielen Helfer auf dem Wasser – sie haben wieder einen Bombenjob gemacht – geben zur Regie des Moderators noch mal akustisch alles, damit der Letzte das Letzte aus sich rausholt.

Applaus trägt ihn Richtung Wechselzone

Und der liefert Maßarbeit: Die letzten Meter in einem wilden Mix aus Brust- und Kraulschwimmen und Wasserschlagen zurücklegend, hat Yusran Yusoff nach exakt 2:20 Minuten wieder Strandbad-Sand unter den Füßen. Eine Riesenwelle des Applauses trägt ihn Richtung Wechselzone – und weiter. Alles andere wäre freilich auch ein Drama geworden – schließlich hat der 50-Jährige abgesehen vom Monate langen Training nicht gerade eine Anfahrt von um die Ecke hinter sich. Seine Heimat ist Kuala Lumpur, die Hauptstadt Malaysias.

Als Yusoff Minuten später an der Markierung vor dem Badeingang (vorher ist’s verboten, was eine Wettkampfrichterin genauestens überwacht ...) auf das Rennrad steigt, erschallen wiederum aufmunternde Rufe von allen Seiten. Der „eiserne Yusran“ lächelt und winkt dankbar zurück. „Der ist ja absolut entspannt“, stellt eine Beobachterin amüsiert fest.

„Er sieht noch voll gut aus“

Na klar, denn all das macht den Ironman aus: Die Qual, die Strapazen einerseits, die Interaktion mit dem Publikum andererseits. Was dem Letzten noch einmal in geballter Form widerfährt, erleben alle Athleten dank ihrer Unterstützer und der vielen vielen Zuschauer von Langen über Frankfurt bis in die Wetterau irgendwann im Laufe des „längsten Tages“ in irgendeiner Form am eigenen Leib. Da ist zum Beispiel Tina, die ihren Mike anfeuert – „er will es unter zwölf Stunden schaffen“. Rund eine Stunde und 20 Minuten fürs Schwimmen hat der 38-Jährige gebraucht: „Das ist absolut im Zeitplan – und er sieht noch voll gut aus ...“

Rückblende: Es ist kurz nach halb sieben – der Countdown läuft: „First start in ten minutes“, dröhnt die Stimme des Ansagers über den idyllisch im frühen Sonnenlicht schimmernden Waldsee. Die Anspannung bei den Männern und Frauen in Neoprenanzügen und bunten Badekappen ist förmlich greifbar. Bei vielen Begleitern im Publikum, ist‘s nicht anders.

6.43 Uhr: Die Nationalhymne erklingt. Kurz darauf ticken die letzten Sekunden für alle hörbar herunter und punkt 6.45 Uhr gibt Wirtschafts- und Verkehrsminister Florian Rentsch den Startschuss für die 106 gemeldeten Professionals und die mit etwas Abstand folgenden Top-Schwimmer aus dem Feld der Altersklassen-Athleten.

Bilder vom Ironman

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Während die Branchenführer – mit je sechs Welt- und Europameistern ist das erlesenste Feld des Jahres abgesehen von Hawaii am Start – bereits die erste Boje umrunden und „Gegenkurs“ einschlagen, beginnt das Wasser im Startbereich erst richtig zu brodeln. Um 7 Uhr peitschen rund 5 000 Arme von rund 2 500 eisernen Amateuren aus 51 Nationen hinaus auf den See. Auch sie werden von einer Welle der Anfeuerung getragen; auf die Menschenmassen am Ufer ist Verlass. Und diese Momente sind es, die das frühe Aufstehen jedes Jahr aufs Neue wert sind: Gänsehaut pur.

Die Elite steigt nach ziemlich genau 46 Minuten, angeführt vom britischen Duo Harry Wiltshire sowie Jodie Swallow (46:09) bei den Frauen, aus dem Wasser. Die meisten Lebensgefährten, Betreuer, Fans und Freunde indes müssen auf ihre Athleten noch eine Weile länger warten. Nicht wenige steigen trotz erfreulicher Rahmenbedingungen völlig ausgepumpt aus dem Wasser und wanken eher an Land, als dass sie laufen, geschweige denn rennen. Tunnelblick. Kaum einer hat Zeit, seine Anhängerschaft im Publikum zu identifizieren. Dabei gibt’s moralischen Rückhalt in allen Farben und Formen: Ob Sven und Olli die Aufmunterung wahrnehmen? „Gebt alles – wir sind bei euch“, steht auf einem mit Herzchen verzierten Banner zu lesen. Oder Theo? Das „Hup Theo“-Banner legt nahe, dass ein Niederländer gepusht wird.

Irgendwo mittendrin und wie immer ambitioniert: die Lokalmatadoren der Waldsee-Haie. Verstärkung erhält das Quartett diesmal durch zwei „Sharks“ aus Langens Partnerstadt Long Eaton. Und schwimmen können die Gast-Haie: Philip Sudlow ist nach 1:10:21 Stunden wieder aus dem Wasser, Richard Sellors sogar schon nach 55:57 Minuten. Gut eine Minute schneller ist die Langener Top-Schwimmkraft Alexander Laloi (54:52 Minuten).

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