Gestärkt aus der Krise gehen

25 Jahre Haltestelle:  Begegnungszentrum entwickelt neue Konzepte und ist weiterhin für Senioren da

Vor 25 Jahren eröffnete der damalige Bürgermeister Dieter Pitthan die Haltestelle unter großer Beteiligung der Langener Bevölkerung – mit einem modernen Konzept. Foto: Hermann

Langen – Das Team der Haltestelle wollte eigentlich zum 25. Geburtstag des Begegnungszentrums ein großes Fest feiern. Das fällt in Zeiten von Corona natürlich aus. Am 25. April 1995 wurde das Begegnungszentrum vom damaligen Bürgermeister Dieter Pitthan eröffnet.

Langen - Entwickelt hatte das innovative Konzept die damalige Fachbereichsleiterin Marita Scheer-Schneider. Bei seiner Eröffnungsrede sagte Pitthan: „Was wir brauchen, ist ein Zentrum für das dritte Lebensalter, das sich den unterschiedlichen Bereichen öffnet. Deswegen wird die Arbeit der Haltestelle die Beratung verbessern, Eigeninitiativen und Selbsthilfeprojekte fördern, Pflege nach neuesten Standards leisten, aber auch eine bessere Vernetzung der Altenarbeit vorantreiben und vor allem offen sein für Ideen der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger. “ Diesem Konzept folgt die Einrichtung seit einem Vierteljahrhundert. „Wir hatten uns zwar riesig auf unser Jubiläumsfest gefreut, aber wir lassen uns vom Coronavirus nicht unterkriegen. Wir werden gestärkt aus der Krise hervorgehen, denn wir haben viel Neues entwickelt“, sagt Leiter Martin Salomon.

Aber der Arbeitsalltag im Haus an der Elisabethenstraße hat sich durch die Pandemie verändert. Sonst ist die Einrichtung Treffpunkt für ältere Menschen – die jetzt besonders gefährdet sind. „Wir holen in Normalzeiten die Menschen zu Hause ab und bieten ihnen beispielsweise mit ‚Urlaub ohne Koffer‘ einen spannenden Nachmittag mit vielen sozialen Kontakten“, sagt Salomon. Jetzt sei es das Gebot der Stunde, die Mobilität möglichst einzuschränken. „Menschen mit Demenz müssen daheimbleiben und Angehörige sind wieder auf sich selbst gestellt, jegliche Entlastung fehlt“, sagt Salomon.

Doch die Haltestelle hat ihre Arbeit wegen der Krise nicht eingestellt. „Ganz im Gegenteil“, betont Mitarbeiterin Yvonne Weber. Derzeit laufe das Beratungsangebot fernmündlich statt mit Publikumsverkehr – „und es ist täglich viel los“. Auch bei Pflegedienstkoordinatorin Patrizia Frenzel von der Sozialstation, die berät und Kranke und ihre Familien unterstützt, steht das Telefon nicht still. Patienten und Angehörige sind verunsichert, ob in der Pandemie die Pflege aufrechterhalten werden kann. Frenzel fragt sich unterdessen: „Werden Mundschutz und Desinfektionsmittel ausreichen?“ Bundesweite Nachschubprobleme sind auch ihr nicht fremd. Die vor Wochen bestellten Mittel sind zurzeit nicht lieferbar. Doch die langjährige Pflegekraft hat mittlerweile alles in ausreichendem Maße organisiert. Sie hofft, dass die Anerkennung für Pflegekräfte nach der Krise bleibt und sich auf dem Gehaltszettel bemerkbar macht.

Medienpädagoge Michael Och arbeitet hingegen im Homeoffice: Er schneidet den ersten Film für den Online-Kanal der Haltestelle. Abgedreht wurde er mit Marianne Nagy, die seit vielen Jahren Gymnastik im Sitzen anbietet – nun per Video. Noch wurde viel improvisiert, doch bald soll alles professioneller werden. „Bei allen Einschränkungen sehen wir auch Chancen. Jetzt müssen wir ran an die Digitalisierung und die Möglichkeiten, die die Medien bieten“, meint Och. „Nun können neue Wege der Kommunikation aufgebaut werden, die nach Corona den Alltag ergänzen.“ Die Haltestelle könne dabei auf ihr gut ausgestattetes und seit über 20 Jahren bestehendes Medienzentrum setzen.

Auch für Wolfram Siegel läuft die Arbeit am Magazin „Zeitlos“, das die Haltestelle seit 25 Jahren auflegt, weiter. Die aktuelle Ausgabe steht ganz im Zeichen des Jubiläums. Die Ausflüge, die Stefan Kleinhenz organisiert, fallen hingegen erst mal flach. „Wir wollen unsere Teilnehmer aber nicht allein lassen und haben uns deshalb erkundigt, wie es ihnen geht“, erzählt Kleinhenz. Glücklicherweise kämen die meisten mit der Situation zurecht und stünden nicht alleine da. Besonders freut den Ethnologen, dass er immer gefragt werde, wann es wieder mit ‚Urlaub ohne Koffer‘ losgehe.

„Sie war schon seit Langem nicht mehr so glücklich wie heute“, hört hingegen Roland Olschok von einer Tochter, deren Mutter an Demenz erkrankt ist. Der passionierte Gitarrist macht für das Begegnungszentrum Musik für Menschen mit Demenz. Normalerweise spielt er bei ihnen zu Hause auf seiner Gitarre und singt mit ihnen. Olschok, der im Rathaus für die sozialen Hilfen zuständig ist, hat über sein Ehrenamt den Weg in die Haltestelle gefunden. Jetzt engagiert er sich beim Projekt „Wohlsein“. „Roland Olschok erreicht mit seinen Klängen und dem gemeinsamen Singen bei Demenzkranken manchmal mehr als es die Medizin vermag“, sagt Haltestellen-Leiter Salomon.

Diese vielseitige Arbeit strahlt nach den Worten von Bürgermeister Frieder Gebhardt weit über die Grenzen von Langen hinaus. „Wir hören immer wieder, wie einmalig das Zentrum sei. Es gibt Kommunen, die blicken mit großem Interesse auf unsere Stadt, wo seit langer Zeit eine ganz neue Form der Altenarbeit gelebt wird“, lobt der Bürgermeister.  

Auch wenn die Haltestelle derzeit geschlossen ist, sind die Mitarbeiter im Einsatz und unter 06103 203920 zu erreichen.

Von Julia Radgen

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