Jubiläum

Konzertchor der SSG Langen blickt auf eine erfolgreiche Zeit zurück 

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Der jüngste Spross des SSG-Konzertchors: Auch die Ebbelvoices proben schon für die Feierstunde am Sonntag.

„Das älteste, echteste und schönste Organ der Musik, das Organ, dem unsere Musik ihr Dasein verdankt, ist die menschliche Stimme. “ Der Mann, von dem diese Worte stammen, muss es wissen: Richard Wagner ist einer der bedeutendsten deutschen Komponisten.

Langen – Seit mittlerweile 125 Jahren nutzen die Mitglieder des Konzertchors Langen dieses Organ, um die Bürger der Stadt mit Musik zu erfreuen. Gegründet wurde er im Jahr 1894 noch unter anderem Namen, nämlich als Arbeiter-Gesangverein Eintracht Langen – damals ein reiner Männerchor. Das genaue Gründungsdatum ist der 25. November; Ort des Geschehens war das einstige Gasthaus „Zum Darmstädter Hof“, gegenüber dem Alten Amtsgericht gelegen.

Zwölf Jahre später (25. Februar 1906) kam ein zweiter reiner Männerchor hinzu, der Gesangverein Sängerlust Langen. Diese beiden Chöre schlossen sich am 4. November 1923 zusammen und traten der mit gleichem Datum gegründeten „Freien Sport- und Sängervereinigung Langen“ bei. So entstand unter der Leitung des Dirigenten Georg Cäsar ein imposanter Chor von 200 Sängern, der durch seine Konzerte weit über Langen hinaus bekannt wurde. Die bedeutendste Aufführung jener Zeit war „Die Walpurgisnacht“ von Mendelssohn-Bartholdy.

Noch einmal vier Jahre sollte es dauern, bis auch die Frauen in Langen ihre Stimmen musikalisch erhoben. Mehrere junge Damen gründeten einen Frauenchor, unterstützt wurden sie dabei von Thomas Lohr, Dirigent des Kinderchores. Erstmals öffentlich zu hören war der Frauenchor am 25. März 1928.

Zwei Jahre später schlossen sich Männer und Frauen zusammen – das erste gemeinsame Konzert des gemischten Chors ging am 4. Mai 1930 über die Bühne. Die Leitung teilten sich Lohr und Cäsar.

1932 übernahm Karl Diether die Stabführung; unter seiner Regie standen am 13. Mai über 250 Mitwirkende im Saal „Lindenfels“ auf der Bühne. Es sollte einer der letzten Höhepunkte für lange Zeit sein, denn 1933 verboten die Nazis Chor und Verein.

Nach Kriegsende fanden im Saal des Gasthauses „Zum Lämmchen“ die ersten Proben statt. Engagierte Sportler und Sänger erreichten in der Folge, dass die Gründung der „Sport- und Sänger-Gemeinschaft Langen“ (SSG) am 24. April 1964 offiziell genehmigt wurde.

Musikdirektor Heinrich Höhne baute den gemischten Chor wieder auf, ehe Karl Diether 1949 erneut übernahm und die kommenden 20 Jahre (bis zu seinem gesundheitsbedingten Ausscheiden) prägte. In diese Zeit fielen Höhepunkte wie die Teilnahme am Wartburgtreffen 1955 oder die Umrahmung des Rosenfestes im Palmengarten Frankfurt von 1967. Auch im Hessischen Rundfunk war der damals 100 Stimmen starke Chor zu hören.

Die folgenden Jahre waren geprägt von häufigen Dirigentenwechseln; dafür hatten die Sänger nach der Einweihung des Vereinshauses „An der Rechten Wiese“ endlich ein dauerhaftes Probenlokal. Robert Pappert, Wolfgang Hauck, Rainer Sonntag, Solveig Schlapp (als erste Dirigentin) und Hans R. Jaskulsky dirigierten die Sänger zwischen 1969 und ’79, ehe mit Reiner Malkmus (auch Leiter des Kirchenchors der damaligen katholischen Albertus-Magnus-Gemeinde) eine weitere große Ära des SSG-Chores begann, in der er zu einem der führenden Gesangsensembles der Region wurde. Eines der herausragenden Konzerte war die Aufführung des Haydn-Oratoriums „Die Jahreszeiten“ gemeinsam mit den Karlsbader Sinfonikern.

1995 endete Malkmus’ Engagement abrupt aufgrund einer schweren Erkrankung, Martin Roth übernahm und leitete den Chor schon bei der anstehenden Konzertreise in den Osten Kanadas. Auf Roth folgte 1997 Monika Gösswein-Wobbe, ehe ab 2000 mit Joachim Siegel erneut ein Dirigent für längere Zeit den Konzertchor führte. Auch unter seiner Regie wurde eine Aufführung der „Jahreszeiten“ (mit dem Südhessischen Kammerensemble) zu einem der vielen Höhepunkte. Seit Siegel 2014 als Chormusikdirektor an die Universität Osnabrück ging, ist Carmenio Ferrulli der Taktgeber des Konzertchors.

Im Jahr 2016 erhielt der SSG-Konzertchor einen jungen Ableger: Die Young Voices gründeten sich als reiner Frauenchor, der überwiegend Popmusik in englischer Sprache singt. Auf die kurzzeitige Dirigentin Laura Feth folgte Nik Myers – im Jahr 2019 werden die Ebbelvoices (wie sich das Ensemble mittlerweile nennt) von Jan Breuers geleitet. Und: Die Ebbelvoices sind kein reiner Frauenchor mehr – im Dezember 2017 fanden die ersten Männer zu ihnen.

Beide Chöre gemeinsam werden am Sonntag, 7. April, in der Stadthalle zu hören sein. Dann steht eine Feierstunde zum 125-jährigen Bestehen auf dem Programm, mit Reden und Grußworten, aber natürlich auch mit viel Musik. Beginn ist um 10.30 Uhr.

VON MARKUS SCHAIBLE

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