Neun zusätzliche Klassenzimmer

Janusz-Korczak-Schule Langen: Erweiterungsbau bis Jahresende fertig

Der Rohbau steht: Optisch aufgewertet wird das zweigeschossige, neue Gebäude noch durch eine Fichtenholzverkleidung und eine Glasfassade.
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Der Rohbau steht: Optisch aufgewertet wird das zweigeschossige, neue Gebäude noch durch eine Fichtenholzverkleidung und eine Glasfassade.

Landrat Oliver Quilling besucht den Rohbau für das neue Gebäude der Janusz-Korczak-Schule. Der Platz wird dringend gebraucht, denn die Schülerzahlen mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung steigen schnell.

Langen – Wo früher Rasen sprießte und Blumen blühten, ist es zurzeit grau und staubig. Ein provisorischer Schotterpfad führt vom Leukertsweg zu einer der hintersten Ecken der Janusz-Korczak-Schule, wo momentan ein großer Erweiterungsbau entsteht. Und da die Anlieferung über den Haupteingang an der Zimmerstraße zu kompliziert wäre, ist eben ein Behelfsweg durch den Garten der Erich-Kästner-Schule angelegt worden. Die Grünfläche soll aber wiederhergestellt werden, sobald der Neubau fertig ist.

Die im März begonnenen Arbeiten sind schon weit fortgeschritten, davon kann sich Landrat Oliver Quilling (CDU) überzeugen, als er der ferienverwaisten Korczak-Schule am Dienstagmorgen einen Besuch abstattet. „Das kann sich sehen lassen“, urteilt Quilling, während er das zweigeschossige Gebäude begutachtet, das quasi zwischen die Sporthallen der Kästner- und der Adolf-Reichwein-Schule gequetscht wurde. Steigende Schülerzahlen – im Kreis Offenbach wuchs die Gruppe an Kindern mit Schwerpunkt geistige Entwicklung seit 2017 um 22 Prozent – bedingen auch auf dem Gelände im Süden der Stadt, das die drei Schulen beheimatet, ein stetiges Nachverdichten. „Wir versuchen, hier jeden Millimeter auszunutzen“, betont Architekt Leo Hoth.

Die Janusz-Korczak-Schüler können sich trotzdem auf einen Neubau freuen, der hell und geräumig wirkt. 4,5 Millionen Euro lässt sich der Kreis Offenbach das Haus kosten, das zum Ende des Jahres bezugsfertig sein soll. Als „ziemlich anspruchsvoll“ beschreibt Architekt Hoth die Planung. Das bezieht sich nicht nur auf die beengten Platzverhältnisse und schmalen Zufahrtswege, sondern auch auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen an der Förderschule.

So gibt es höhenverstellbare Waschbecken, einen behindertengerechten Aufzug und auch mehrere sogenannte Separierungsräume, die schalldicht und mitunter auch abgedunkelt sind. Diese werden gebraucht, da es bei den teils schwerstbehinderten Kindern zu Anfällen kommen kann. In den Separierungsraum kann sich dann ein Pädagoge mit dem Kind zurückziehen und es so beruhigen. Zudem lassen sich alle Fenster im Gebäude nur kippen, zum Öffnen benötigt man einen Schlüssel. „Wir haben hier Kinder, die sonst flüchten würden“, erklärt Hoth.

Noch viel zu verkabeln: Landrat Oliver Quilling (links) und Architekt Leo Hoth begutachten die Baustelle.

Neun zusätzliche Klassenzimmer wird der Anbau beherbergen, dazu unter anderem einen Mehrzwecksaal mit Essensausgabe, eine Werkstatt und Duschen. Das Gebäude bekommt eine Fichtenholzverkleidung und eine Glasfassade, auch die Wände und Decken sind aus Holz. Durch den weitestgehenden Verzicht auf Zement, der bei der Herstellung gebrannt wird, konnten 400 Tonnen CO2 einsgespart werden, rechnet Hoth vor. Und das leichte Baumaterial Holz habe auch die Anlieferung über den engen Leukertsweg erleichtert. „Außerdem wollten wir hier keine Großbaustelle mit Verschalungen bei laufendem Schulbetrieb.“

Weitere Extras sind ein begrüntes Flachdach mit Fotovoltaikanlage sowie – kaum noch wegzudenken – eine Lüftungsanlage mit hochwertigen Filtern und einer Wasserkühlung. „Die Gebäude sind mittlerweile so dicht gebaut, dass wir versuchen müssen, über die Lüftung eine Schimmelbildung zu verhindern“, sagt Quilling. Einen Kanalanschluss gibt es nicht, das Abwasser wird über Rigolen geklärt und versickert dann im Grundwasser. Und nebenan soll bis zum Frühjahr ein Schulgarten mit rollstuhlgerechten Hochbeeten entstehen. „Von der Art zu bauen ist das hier ein wirklich moderner Anspruch“, findet Quilling.

Ein echter Hingucker entsteht derweil im Foyer: Als Hommage an den Namensgeber der Schule werden die Darmstädter Architekten Binder und Jarczyk ein dreidimensionales Portrait von Janusz Korczak in eine Holzwand einarbeiten. Der polnische Kinderarzt wurde 1942 im Vernichtungslager Treblinka von den Nazionalsozialisten ermordet. (Manuel Schubert)

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