125 Jahre Weihe der Liebfrauenkirche

Im Schatten der großen Schwester

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Die Liebfrauenkirche an der Frankfurter Straße findet sich als beliebtes Motiv auf diversen historischen Ansichtskarten von Langen wieder. Eine kleine Dokumentation mit derartigen Aufnahmen nebst Presseberichten stellt die katholische Gemeinde zum Jubiläum im Schaukasten vor der Kirche aus.

Langen - Die katholische Gemeinde Sankt Jakobus feiert am Wochenende ein bedeutendes Ereignis: Vor 125 Jahren, am 10. September 1893, wurde die heutige Liebfrauenkirche an der Frankfurter Straße geweiht. Ihr Kirchweih-Jubiläum würdigen Langens Katholiken am Sonntag, 9. Von Holger Borchard

September, ab 9 Uhr mit einem Festgottesdienst, an den sich ein gemütlicher Umtrunk rund um die Kirche anschließt.
Das Datum 10. September 1893 markiert den Beginn der neueren Geschichte der katholischen Gemeinde in Langen. Denn infolge der Reformation gab es im vorwiegend protestantischen Langen ab 1532 über Jahrhunderte hinweg keine eigenständige katholische Gemeinde mehr. Die eingangs des 16. Jahrhunderts bestehenden kirchlichen Einrichtungen – so auch die alte Jakobuskirche – gingen in den Besitz der Protestanten über.

Gut ein halbes Jahrtausend später haben sich die Zeiten gewandelt und mit ihnen vieles mehr, vom Stadtbild bis hin zur Kirchenpopulation. Aus katholischer Perspektive nimmt die Entwicklung Ende des 19. Jahrhunderts Fahrt auf und ist nicht zuletzt durch eine der großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, den Zweiten Weltkrieg, maßgeblich geprägt.

Als 1892 der Bau der Kirche an der Frankfurter Straße beginnt, leben im evangelischen Langen mehr Juden als Katholiken. Gleichwohl wird das Gotteshaus in der Folge zum religiösen Mittelpunkt der Katholiken des gesamten südlichen Dreieichgebiets. Wie die Katholiken als Minderheit steht auch die kleine Kirche im Schatten der benachbarten evangelischen Stadtkirche.

Ab 1956 wird die Kirche nur noch als Marienkapelle genutzt, da sie zu klein für die Gemeinde geworden ist. Selbige ist vor allem durch den Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen stark angewachsen. Die Kirche und die Pfarrei St. Albertus übernehmen ihre Funktion.

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1969 wird die Pfarrei Liebfrauen selbstständig – die älteste Kirche Langens wird somit zur Pfarrkirche der jüngsten Pfarrgemeinde. Am 1. September 2007 schließlich verschmelzen die Pfarreien Liebfrauen und Albertus Magnus in ihrer „Rechtsnachfolge-Pfarrei“ Sankt Jakobus.

Gerade mal sieben Jahre her ist die bislang letzte aufwendige Sanierung der kleinen Kirche. Ihr Geläut ist sogar erst seit diesem Frühjahr endlich wieder vollständig. Das erste Geläut stammte aus dem Jahr 1893 und musste 1917 zu Kriegszwecken abgeliefert werden. Am 21. Mai 1933 wurden zwei von Gemeindemitgliedern gestiftete neue Glocken feierlich geweiht. Wiederum auf die Töne „fis“ und „a“ gestimmt, klangen sie harmonisch zum Geläut der evangelischen Stadtkirche. 1942 wurde die größere Glocke abermals für Kriegszwecke beschlagnahmt; seitdem war das untere Gefach leer.

Kurz vor Weihnachten 2017 wurde der Pfarrei vom Glockensachverständigen des Bistums Mainz eine neuwertige Bronzeglocke aus dem Jahr 2013 angeboten. Mit 90 Kilogramm Gewicht und dem Ton „fis“ passt diese sehr gut zur vorhandenen Glocke. So konnte nach 75 Jahren das Geläut wieder vervollständigt werden. Die neue Glocke wurde im Rahmen der Vesper zum Großen Gebet am 25. Februar geweiht, am 19. März im Dachreiter aufgehängt und läutete erstmals zum Osterfest am 1. April.

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