70 Jahre Volkshochschule, 45 Jahre Musikschule und 25 Jahre Kulturhaus

Jubiläumsfeier mit Schwert und Harfe

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Das Harfenensemble der Musikschule bot beim Jubiläumsfest im Kulturhaus Altes Amtsgericht zarte Klänge. An der Feier beteiligten sich alle im Haus beheimateten Institutionen und Vereine.

Langen -  70 Jahre Volkshochschule, 45 Jahre Musikschule und seit 25 Jahren alles unter einem Dach – 2018 gibt es viel zu feiern für die Langener Kulturschaffenden. Die Jubiläumsfeier zeigt einen bunten Querschnitt durch die Angebote im Kulturhaus Altes Amtsgericht. Von Paul Dieler 

„Wir haben lange zusammen überlegt, was wir heute alles zeigen können, und haben alle Vereine im Haus angesprochen, ob sie etwas zur Jubiläumsfeier beitragen wollen“, erzählt Musikschullehrer Bernd Sallwey, der den Nachmittag mit seinem Nachwuchsorchester Soundcheck eröffnet. Der Querschnitt ist gelungen: Im Saal, in dem früher die Amtsrichter ihre Urteile fällten, verzaubert das Harfenensemble mit zarten Klängen, indes gibt der Stenografenverein einen Überblick über seine Kurse von Sütterlinunterricht bis Computerlehrgang, während der Harmonika Spielring Interessierte an seine Instrumente lässt.

Mit 130 Kursen kann auf der Vhs fast allen Interessen nachgegangen werden: Im Garten zeigt der Yogakurs seine Entspannungstechniken; wer es energischer mag, kann dem spektakulären Schwert-Schaukampf beiwohnen. So martialisch das Gefecht wirkt, so fein ist es choreografiert: „Es geht eigentlich nur darum, etwas Schönes für den Zuschauer darzustellen“, erläutert Kursleiter Salvatore Gallo.

Der ehemalige Kohlen- und spätere Aktenkeller des Gebäudes ist seit 25 Jahren Treffpunkt für die Modelleisenbahnfreunde, die für die Besucher extra alle 15 Züge auf die Gleise der Hauptstrecke gesetzt haben. Leuchtende Augen von großen und kleinen Kindern entdecken die aufwendigen Details der Anlage, auch wenn der Computer, der Tag und Nacht simulieren soll, nach einigen Stunden Dauerbetrieb in der Hitze bereits den Geist aufgegeben hat.

Für Uwe Sandvoß, den Leiter von Musikschule und Volkshochschule, ist dieses Jubiläum auch ein persönlicher Erfolg. Als die Justiz an die Südliche Ringstraße zog und das alte Gebäude 1992 der Kultur zugeführt werden sollte, war er schon an den Planungen beteiligt. Seit 27 Jahren ist er Musikschulleiter und hat zusammen mit Stefan Güldenstein von der Volkshochschule und dem städtischen Kultur-Fachbereichsleiter Joachim Kolbe das Kulturhaus in seiner heutigen Form maßgeblich konzipiert. „Es ist schon wie unser Kind“, gibt Sandvoß zu und lobt die Unterstützung durch die Stadt. „Ich komme jeden Tag gerne ins Büro.“ 2,4 Millionen D-Mark hat damals die Sanierung verschlungen. „Gut angelegt“, titelte unsere Zeitung schon 1993. Tatsächlich war die Investition der Grundstein der Erfolgsgeschichte von Musikschule und Vhs. „Die Zahl der Mitglieder ist sprunghaft angestiegen“, erinnert sich Sandvoß. „Endlich gab es eine Adresse, früher waren die Kurse über die ganze Stadt verstreut.“

Dreifachjubiläum von Musikschule, VHS und Kulturhaus

Die Geschichte des Hauses können Besucher zurzeit anhand von vielen Bildern und alten Zeitungsausschnitten in einer Ausstellung im Flur nachvollziehen. Zusätzlich erklärt Lokalhistoriker Dr. Manfred Neusel den interessierten Besuchern die Vergangenheit des Gebäudes und auch der ehrenamtliche Stadtarchivar Heribert Gött hat einiges für den alten Justizpalast aus dem 19. Jahrhundert übrig. „Das ist noch ein Relikt der alten Stadterweiterungspläne, nach denen Langen in Richtung Darmstadt wachsen sollte. Dann kam die Bahn und es wurde nichts daraus.“ Hingucker mit Wiedererkennungswert ist von Anfang an das prominente Wandgemälde an der Südseite. Verantwortlich ist der bereits verstorbene Langener Künstler Kurt Haas, der unter anderem auch den Gewichtheber auf der Wand des Kraftsportzentrums und eine Wandmalerei in der Alten Oper in Frankfurt beigetragen hat, weiß Gött.

Auch sein Arbeitsplatz, das Stadtarchiv, findet im Kulturhaus Platz; auch wenn es an diesem seit einiger Zeit mangelt. Wohl auch darum setzt die Hausleitung für die Zukunft auf inhaltlichen Ausbau des Angebots statt Aufstockung der Mitgliederzahl. „Unser Fokus liegt darauf, das Haus zu halten“, erklärt Uwe Sandvoß. Derzeit wird das Haus von außen stückweise renoviert – Herrichten für die nächsten 25 Jahre.

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