Jugendliche einbeziehen

Was Erstwähler wissen wollen, beantwortet heute Dr. Jan Werner

Auch die Kandidaten waren mal jung: Dr. Jan Werner hat uns freundlicherweise dieses Jugendfoto zur Verfügung gestellt.
+
Auch die Kandidaten waren mal jung: Dr. Jan Werner hat uns freundlicherweise dieses Jugendfoto zur Verfügung gestellt.

Jungwähler fragen, die Kandidaten antworten. Den Jugendfragebogen hat Dr. Jan Werner (Einzelbewerber) folgendermaßen ausgefüllt.

Langen – In Langen gibt es ein gutes kulturelles Angebot für (Klein-)Kinder, aber für Jugendliche und junge Erwachsene wird (zu) wenig geboten. Haben Sie Ideen, wie das verbessert werden könnte?

Im Sommer 2018 hat der Turnverein (TVL) im Juli und August an jedem Donnerstagabend an der Georg-Sehring-Halle ein kostenloses Open-Air-Kino für Jugendliche angeboten. Dieses Angebot könnte man auf das ganze Stadtgebiet mit wechselnden Lokalitäten – beispielsweise hinter der Stadthalle oder auf der Wiese am Paddelteich – ausweiten und auch unseren kommerziellen Kinobetreiber aus der Bahnstraße mit ins Boot holen. Darüber hinaus gab es bis vor einigen Jahren als Angebot der Stadt Mitternachtssport für alle Jugendlichen in Langener Sporthallen. Dieses Konzept würde ich gerne gemeinsam mit den Sportvereinen wiederbeleben. Außerdem möchte ich, dass die bisherige Konzeption des Jugendzentrums evaluiert wird und das Juz beispielsweise die Zusammenarbeit mit den Sportvereinen intensiviert.

Das Fahrrad ist gerade für Jugendliche ein wichtiges Fortbewegungsmittel – aber es gibt viele unsichere Stellen in der Stadt. Welche Pläne haben Sie, um Radfahren in Langen sicherer und komfortabler zu machen?

Der Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer – der insbesondere für Kinder und Jugendliche sehr wichtig ist – hat für mich eine hohe Priorität. Wir benötigen (mehr) Radwege, die auch durch entsprechende Markierungen und Beschilderungen oder Verkehrsspiegel sicher für die Benutzer sein müssen, hier denke ich insbesondere an die Einmündungsbereiche von Querstraßen. Für einen guten Ansatz halte ich auch die Einrichtung von Fahrradstraßen im Bereich der Schulwege, wie es sie etwa bereits in der Schillerstraße/Albertus-Magnus-Platz gibt. Entscheidend wird es sein, für den Bereich des Bahnhofsvorplatzes eine gute Lösung für Radfahrer zu finden, denn einerseits soll am Bahnhofsvorplatz der Radschnellweg Frankfurt-Darmstadt entlanggeführt werden, andererseits wird dort der Busknotenpunkt liegen und Bahnnutzer laufen zu ihren Zügen. Und weiterhin wird zu dem bereits heute bestehenden Autoverkehr noch der Ziel- und Quellverkehr der tausenden zusätzlichen Bewohner aus dem Neubaugebiet Liebigstraße und zum neuen Einkaufszentrum kommen. Gemeinsam mit dem ADFC und anderen Experten möchte ich für diesen und andere Bereiche gute und sinnvolle Konzepte finden.

Wahl in Langen: „Politik lebt vom Mitmachen“

In Langen gibt es das Jugendforum, dessen Mitglieder aber maximal 18 Jahre alt sein dürfen. Junge Menschen möchten politisch mitreden, aber sich nicht unbedingt gleich ideologisch festlegen und sich einer Partei (oder deren Jugendorganisation) anschließen. Wie könnten Sie sich vorstellen, junge Erwachsene stärker in die Entwicklung der Stadt einzubeziehen?

Als ehemaliger Präsident eines Langener Sportvereins mit über 2 400 Mitgliedern weiß ich sehr gut, wie wichtig es ist, Jugendliche in die strategische Vereinsarbeit und die Entwicklung des Vereins zu integrieren. Vereinsarbeit wie Politik lebt vom Mitmachen und dem Austausch von Meinungen. Deshalb ist es mir auch wichtig, die Anliegen von Jugendlichen ernst zu nehmen und immer als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Zuhören ist für vieles der erste Schritt und ich bin davon überzeugt, dass das Jugendforum mit seinen bestehenden politischen Rechten, wie beispielsweise Rede- und Beratungsrecht in der Stadtverordnetenversammlung bzw. deren Ausschüssen, ein gutes Format ist, um die Anliegen der Jugendlichen zu transportieren.

Die Bahnstraße – und damit auch das Zentrum von Langen – ist bekanntlich nicht der schönste Fleck auf Erden. Das Einkaufen und auch das einfache Zeitverbringen sind in diesem Ambiente wenig attraktiv. Gibt es da Ideen für Veränderungen?

Um die Bahnstraße zu beleben, würde ich es für sinnvoll halten, mittelfristig den Wochenmarkt vom Jahnplatz in die mittlere Bahnstraße – Romorantin-Anlage – zu verlegen. Darüber hinaus existieren bereits jetzt kreative und sinnvolle Pläne für bauliche Veränderungen im Bereich der Bahnstraße, die allerdings aufgrund der finanziellen Lage der Stadt aktuell nicht realisierbar sind.

Ich bin davon überzeugt, dass eine Umgestaltung der Bahnstraße nicht dazu führen darf, dass Verkehr einseitig in die umliegenden Wohnstraßen verlagert wird.

Anknüpfend an die vorherige Frage: Brauchen wir im Zeitalter von Online-Shopping und Co. überhaupt noch so viele lokale Einkaufsmöglichkeiten, von denen sich ohnehin nur wenige langfristig behaupten können?

Natürlich brauchen wir lokale Einkaufsmöglichkeiten, oder sollen künftig beispielsweise auch Wurst und Fleisch der Metzgerei Breidert oder Metzgerei Bode per Paketbote nach Hause geliefert werden? Jeder Konsument entscheidet täglich mit seinem Kaufverhalten, ob es in der Nachbarschaft auch künftig eine gute Einkaufslandschaft gibt. Lokal einkaufen stärkt den Einzelhandel in der Langener Innenstadt!

Wahl in Langen: „Kleinere Busse erstrebenswert“

Einige Plätze in Langen sind noch schlecht per ÖPNV erreichbar. Sehen Sie Verbesserungsbedarf –und wenn ja, wo und wie?

Für den innerstädtischen Nahverkehr halte ich kleinere Busse und höhere Frequenzen für erstrebenswert. Das Konzept des AST (Anrufsammeltaxi) halte ich für richtig, da hier öffentlicher Nahverkehr und individuelle Bedürfnisse kombiniert werden. Daher würde ich es befürworten, das Projekt „Hopper“ der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (ein per Smartphone buchbares AST) auch in der Stadt Langen einzuführen. Die oft diskutierte Idee des direkten Zugangs zum Langener Waldsee mit einem Elektrobus möchte ich realisieren.

Brauchen wir die Regionaltangente West (RTW)?

Selbstverständlich werde ich mich für den Ausbau der Regionaltangente West (RTW) – also einen direkten S-Bahn-Anschluss von Langen an den Frankfurter Flughafen – stark machen! Neben dem allein aus Umweltgründen – die täglich durch den sinnlosen Stau auf dieser Straße entstehenden Autoabgase müssen vermieden werden – unglaublich wichtigen vierspurigen Ausbau der B 486 zwischen dem Klärwerk Langen/K 168 und der Autobahn A 5 ist der Anschluss Langens an die RTW das wichtigste Verkehrsinfrastrukturprojekt dieser Stadt. Unsere Verkehrsprobleme können nur durch eine gleichzeitige Fokussierung auf den Ausbau der Netze des ÖPNV und der Straßen für den Individualverkehr gelöst werden.

Die Langener Schulen, Kitas und Betreuungseinrichtungen platzen aus allen Nähten. Wie soll das möglichst schnell in den Griff bekommen werden?

Aktuell warten in Langen mehr als 400 Familien auf einen Betreuungsplatz. Keine andere Kommune im Landkreis hat so viele Klagen und Beschwerden wegen Nichterfüllung des Rechtsanspruches auf einen Kita-Platz wie Langen. Hier muss gehandelt werden – der Neu- und Ausbau von Kitas muss beschleunigt werden. Für Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas muss Langen als Arbeitgeber attraktiver werden und dazu gehört auch eine aktive Unterstützung bei der Wohnungssuche und nicht zuletzt die Vermittlung von preiswertem Wohnraum. Der Ausbau der Ganztagsbetreuung an den Grundschulen sowie die finanzielle Unterstützung der Fördervereine ist ein weiterer, wichtiger Baustein einer nachhaltigen Entwicklung.

Wahl in Langen: Zusätzliche Sporthalle notwendig

Welche Pläne gibt es zum Ausbau des Sportangebotes und wie sollen die Sportanlagen zukünftig modern gehalten werden?

Langen hat eine lebendige Vereinswelt. Viele Menschen engagieren sich in dankenswerter Weise in einer Vielzahl von Sportvereinen. Gleichzeitig sind die Hallenkapazitäten für Sportler äußerst knapp, bereits jetzt gibt es bei einzelnen Sportarten Wartelisten und Kinder und Jugendliche müssen abgelehnt werden. Ich bekenne mich ausdrücklich zum Sportentwicklungsplan 2019. Wir brauchen in den nächsten fünf Jahren eine zusätzliche Sporthalle in Langen und müssen die Rahmenbedingung für deren Finanzierung schaffen.

Warum sollen wir junge Menschen gerade Sie wählen?

Aufgrund meiner beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeit darf ich bereits seit vielen Jahrzehnten mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammenarbeiten. Als ehemaliger Präsident eines Langener Sportvereins war das Zusammenwirken mit Jugendlichen eine alltägliche Aufgabe und als Professor für Volkswirtschaftslehre habe ich in den vergangenen Jahren mit tausenden Studenten gemeinsam an ihrer Vorbereitung für das Berufsleben gearbeitet. In dieser Zeit konnte ich viel von Jugendlichen lernen und durfte die Anliegen und Bedürfnisse der jungen Generation kennenlernen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare