Langen hat 2020 mehr als 23.000 Temposünder zur Kasse gebeten

Kein Lächeln für Raser

Blitzer Langen
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In Langen waren 2020 mehr Blitzer in Betrieb (hier der Blitzer in der Dieburger Straße). Deshalb gingen der Stadt auch mehr Temposünder ins Netz.

2020 war pandemiebedingt weniger los auf den Straßen, in Langen hat der städtische Fachdienst Öffentliche Sicherheit und Ordnung bei Geschwindigkeitsmessungen aber mehr Raser ertappt als im Vorjahr.

Langen – Allerdings wurden auch deutlich mehr Fahrzeuge erfasst als 2019: Insgesamt 7 728 902 Autos, Lastwagen und Motorräder registrierten die stationären Geschwindigkeitsmessanlagen, deutlich mehr als ein Jahr zuvor (3 798 885). Diese Steigerung hat nach Angaben der Stadt einen einfachen Grund: Die beiden Anlagen an der B 486 nahe der Einmündung zur K 168 wurden erst Mitte 2019 in Betrieb genommen; zudem war damals die Anlage in der Fahrgasse außer Betrieb. Angesichts der deutlich gestiegenen Zahl an Messungen wurden erheblich mehr Temposünder ertappt: 22 025 Fahrzeuge waren zu flott unterwegs, 2019 lag die Zahl bei 14 519. Prozentual ist der Anteil der Geschwindigkeitsverstöße allerdings von 0,38 auf 0,28 Prozent gesunken.

Doppelt so schnell wie erlaubt war ein Raser auf der B 486 unterwegs: 70 km/h sind dort erlaubt, gemessen wurde Tempo 140. Besonders häufig blitzte es dort, als während der Bauarbeiten auf der K 168 (Prinzessin-Margaret-Allee) im Bereich der Einmündung die erlaubte Höchstgeschwindigkeit in beiden Richtungen von 70 auf 50 km/h gesenkt wurde.

Nach der Sanierung der Mess-Schleifen in der Fahrbahn nahm die Geschwindigkeitsmessanlage in der Fahrgasse im Spätsommer 2020 ihren Betrieb wieder auf. „Wie wichtig die Geschwindigkeitsüberwachung an diesem Standort ist, zeigen die Daten“, sagt Erster Stadtrat Stefan Löbig: „In den ersten vier Monaten wurden bereits 868 Tempoverstöße festgestellt.“ An dieser Stelle gilt Tempo 30. Außerdem wurden fünf Ordnungswidrigkeitsverfahren (Handy am Steuer, Verstoß gegen Gurtpflicht) eingeleitet. Das Radarfahrzeug kam an Orten mit Gefährdungspotenzial zum Einsatz, zum Beispiel vor Schulen oder Kitas. Zusätzlich erfolgen Messungen aufgrund von Bürger-Beschwerden oder veränderten Verkehrssituationen wie Sperrungen, Umleitungen oder Baustellenverkehr.

Stadt reagiert mit mobilen Messgeräten auf Anwohnerbeschwerden

Ein Schwerpunkt der mobilen Geschwindigkeitsmessungen war 2020 etwa die Darmstädter Straße auf Höhe des Belzborn und der Kita Zauberburg. „Damit haben wir auf Beschwerden der Anwohner reagiert, die sich über den Lärm und gefährliche Situationen durch Raser beschwert hatten“, erklärt Bürgermeister Jan Werner. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt dort 50 km/h. 29 Mal war der Radarwagen vor Ort, von 23 145 erfassten Fahrzeugen waren 323 zu flott unterwegs – das Schnellste fuhr 86 km/h.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Berliner Allee in Höhe der Albert-Schweitzer-Schule mit 20 Messungen. Auch dort hatten sich Beschwerden über Raser gehäuft. „Das Radarfahrzeug wird meist sehr gut wahrgenommen und die Tatsache, dass es dort steht, wird schnell über soziale Medien kommuniziert, sodass oft eine nachhaltige Veränderung des Fahrverhaltens erreicht werden kann“, sagt Löbig. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 97 mobile Messungen vorgenommen und dabei 33 208 Fahrzeuge gemessen. Ergebnis: 982 Verwarnungen für Tempoverstöße, zwölf Ordnungswidrigkeitsverfahren (Handy, Gurt).

Für das laufende Jahr plant der Fachdienst Öffentliche Sicherheit und Ordnung, die veraltete Radarkamera zu ersetzen. Die neue ermöglicht aufgrund des technischen Fortschritts Messungen an deutlich mehr Standorten, beispielsweise hinter Kurven.

Langen will mehr digitale Geschwindigkeitsmessanzeigen anschaffen

Zudem sollen weitere Geschwindigkeitsmessanzeigen – die dem Autofahrer mittels eines „lachenden“ oder eines „betrübten“ Smileys zeigen, ob er ordnungsgemäß oder zu schnell unterwegs ist – angeschafft werden. Die digitalen Tafeln zeigen Verkehrsteilnehmern nicht nur die gefahrene Geschwindigkeit, sondern zeichnen die Messergebnisse auch auf, was die statistische Auswertung ermöglicht. Mit den beiden vorhandenen Anzeigetafeln wurden 2020 145 000 Fahrzeuge gemessen.

Bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs ist ein Jahresvergleich durch die Pandemie kaum möglich. Im ersten Lockdown gab es ein stark verringertes Verkehrsaufkommen, sodass meistens ausreichend legale Parkmöglichkeiten zur Verfügung standen. Später waren die Ordnungspolizisten auch vermehrt mit pandemiebedingte Aufgaben beschäftigt, etwa Kontrollen zur Einhaltung der Corona-Beschränkungen, wodurch die Verkehrsüberwachung eingeschränkt war. So wurden lediglich 1 791 Knöllchen verteilt (2019: 12 230). Unter anderem durch eine personelle Aufstockung der Ordnungspolizei soll die Verfolgung von Falschparkern dieses Jahr wieder intensiviert werden.

„Das alles dient aber nicht dazu, Geld in die Stadtkasse zu bekommen“, sagt Löbig. Auch wenn die landläufige Meinung herrscht, dass die Radarkontrollieren die städtische Finanzlage aufbessern sollen – „Ziel ist es, die Sicherheit auf Langens Straßen zu erhöhen und damit Gesundheit und Leben unserer Bürger zu schützen“, betont Werner. Zudem seien die Kosten für Technik und Personal höher als die Einnahmen aus Bußgeldern. (jrd)

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